Wie fährst du langsam, heilig und feierlich

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Gotthard Ludwig Kosegarten: Wie fährst du langsam, heilig und feierlich Titel entspricht 1. Vers(1788)

1
Wie fährst du langsam, heilig und feierlich,
2
Du goldner Himmelswagen, in blauer Luft!
3
Ich höre deiner Räder Rasseln,
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Höre das Wiehern von deinen Rossen!

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Sieh! wie sie Flammen schnauben, die Wieherer!
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Sieh! wie sie Funken schlagen, die Schnaubenden!
7
Horch! wie die hohe Himmelstraße
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Hallt von dem Stampfen der Demanthufe.

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Ich liebe dich. Ich habe dich längst geliebt,
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Du königlicher Wagen! Mein Knabenblick
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Hat oft in tiefen Mitternächten
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Ahndend und staunend an dir gehangen!

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Nun lieb' ich dich noch heißer, du Herrlicher!
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Ich seh' dich oft mit inniger Wehmuth an,
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Und eine leise Thräne bebt mir
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In dem entbrannteren Jünglingsauge.

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Ein sanftes Thränchen weint' ich an Jinny's Brust,
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Ein sanftes Thränchen weinte die herrliche,
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Als wir uns im vertrauten Garten
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Busen an Busen umschlungen hielten!

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Tiefe Mitternacht war um uns. Der blühende
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Jasmin der Laube duftete um uns her,
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Der
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Blinkten uns an durch das Grün der Laube.

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Da fuhr mir durch die Seele ein düsterer,
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Ein Wehgedanke, dumpf wie ein Unkenruf,
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Und scharf wie Schwert in Mörderhänden –
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Ach! ein Gedanke von nahem Scheiden.

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Ich drückte heiß mein holdiges Kind an mich.
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Ich riß mich ungeduldig von ihrer Brust
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Empor, und sah des Himmelswagens
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Goldene Deichsel das Laub durchfunkeln.

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Ich fühlte dunkle Wonne mit Weh gemischt.
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Ich sprach zu meines Herzens erwählter Braut:
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»siehst du des hohen Himmelswagens
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Goldene Deichsel? Sie sey uns heilig!

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Wenn ich mich um dich gräme in öder Fern',
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Wenn du dich um mich grämest in öder Fern',
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So wollen wir bei diesen Sternen
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Inniger einer des andern denken!«

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Ich sprach's, und eine Thräne der Wehmuth rann
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Von Jinny's Rosenwange. Sie rinnt seit dem
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Ihr oft die Wang' hinab, wenn's dunkel
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Rund um sie ist, und die Sterne funkeln!

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Der du den weltenwimmelnden Sternenplan
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Mit spiegelblauem Marmor gepflastert hast –
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Der du die goldgemähnten Rosse
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Schirrst an die Deichsel des Flammenwagens,

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O höre, was ich flehe, Allliebender!
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O reiß mich nicht von meiner erwählten Braut!
51
Laß meine Jinny mir! Laß Jinny,
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Jinny am Arm mir durchs Leben wandeln!

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Von ihrem Engellächeln zu That entflammt,
54
Von ihrem keuschen Kusse mit Kraft beseelt,
55
Werd' ich mit Adlerflug der Tugend
56
Sonnigste, schwindelndste Höhe erfliegen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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