Sturm der brüllenden Nacht, wie so entsetzlich schön

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Gotthard Ludwig Kosegarten: Sturm der brüllenden Nacht, wie so entsetzlich schön Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Sturm der brüllenden Nacht, wie so entsetzlich schön
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Hallt dein Donner! Du brüllst tief in die Seele mir,
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Wie des Schlachtrufs Drommete,
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Jünglingswilde und Heldenkraft –

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Draußen hauset die Nacht. Heulend und zischend fährt
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In allmächtigem Pomp Sturm durch die Felder hin,
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Beugt der Schöpfung Gewalt'ge,
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Stäupt die Berge, und zaus't – den Wald.

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Orkan! Orkan! was schlägst du mir mein einsames
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Rundumbrülltes Gemach, schütterst die Scheiben mir
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In den Fenstern? – Ich komme,
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Wogenstürmer, und sprech' dir Hohn.

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Schau! gewalt'ger Tyrann, schaue, da komm' ich, steh'
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Rings in Dunkel und Nacht, bebe nicht deiner Wuth,
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Die die Sterne des Himmels,
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Die die Fackel des Mond's erlöscht.

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Bebe nicht vor des Wald's tiefem Geheul, und nicht
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Vor des zornigen Meer's Düstergebrüll, und nicht
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Vor den Schreckenphantomen,
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Die die Lüfte durchsegeln – – Doch

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Nein, ich hasse dich nicht, Starker! In deinem Pomp
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Sey mir festlich begrüßt. Siehe! ich liebe dich,
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Wenn im Segel der Windsbraut
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Gottes Schöpfung dein Fuß durchwälzt.

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Schön und fürchterlich ist's, wenn du die Weitzensaat
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Niederwühlst, wenn dein Arm herrisch den stolzen Wald
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Dir zu huld'gen gebietet,
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Und die Kron' ihm zu Boden schmeißt.

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Schön und fürchterlich ist's, wenn du die Klippe spalt'st,
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Wenn das grauliche Meer wuthschäumt, dein Odem dann
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Seine Maste und Kiele,
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Und die Zinnen der Städte bricht –

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Orkan! Orkan! und mir, der ich dich liebe, mir
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Stürmt dein Schreckengetös' Freuden und wilde Lust
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In die Seele. Mir brennet
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Zwiefach Leben im Feueraug'

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O, mir hallt dein Gebrüll lieblich, wie Westgeweh,
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Süß, die Lächeln der Braut, herrlich, wie Glockensturm,
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Gottesflamme und Starkmuth
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Reißt mir mächtig durch Mark und Bein,

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Und ich stürm' ins Gefild', heule mit dir, erklimm'
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Hoch die Felsen, und renn' wieder hinab, und schrei',
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Daß die Halle der Berge
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Mir ertösen, daß Wanderer

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Bange lauschen – Doch, ha! rastlos durchschweift mein Fuß
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Die durchbrüllete Nacht, schmettert und reißt, und ras't;
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Denn noch bin ich ein Jüngling,
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Stark wie der Sturm, und wild wie der.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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