Immer weniger wird der Edlen am Ricke! Zehn tausend

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Gotthard Ludwig Kosegarten: Immer weniger wird der Edlen am Ricke! Zehn tausend Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Immer weniger wird der Edlen am Ricke! Zehn tausend
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Gingen dahin, und stets gehen der Guten noch mehr.
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Täglich verrinnen unsre Lieben. Sie kommen und glänzen
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Und verschwinden, wie Thau glänzt in der Sonn' und verschwindt.

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Düster gelockter Freund, du Jüngling von herrlichem Ausblick,
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Warum kamst du, und nahmst uns das Herze? Warum
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Mußten wir dich ob deiner Milde und Jünglings-Würde
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Liebgewinnen? – Du gehst, wandelst die Lieb' uns in Gram.

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Deine Blicke die waren so freundlich, wie Abendsternstrahlen.
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Deine Seel' ist des Stoffs edlerer Geister. Dir flammt
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Tief im Busen, wie Gottesflamme, Geniusstärke,
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Und der Musen geweiht Adytum steht dir enthüllt.

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Aber, wehe! da gehst du nun, wandelst in Thränen die Wonne
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Deiner Geliebten um dich, tauschest das Freudengestad',
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Unsrer Hylde um unwirthbarere Ufer, verlässest
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All die Freuden, die dir gastfrei die Hylde gerauscht –

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Schau! da stehn wir nun all', im Brausen des Herbststurms, die Lieben
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Deiner Seele. Wir stehn, harren mit hangendem Haupt
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Deines Scheidens. Die Scheidensthräne verfließt in den Regen-
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Schauer, der über uns stiebt, unsere Locken zerstört.

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Schau! mit zerstreutem Haar, mit der Wange, durch Harm und des Herbstwinds
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Rauhes Blasen verbleicht, steht dein blauäugiges Kind,
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Eleonore, die Sanfterröthende, winkt den Geliebten
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Ihrer Seele und bebt unter dem herbstlichen Frost –

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Aber, du achtest nicht des Rufes der Hylde-Freuden,
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Nicht des Kummers der Schar, welche dein Scheiden so beugt,
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Nicht der Seufzer des silbergelockten Mädchens, das unter
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Tausend Jünglingen dich ihren Geliebten erkor –

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Jüngling, Jüngling, eile nicht so! Die Freudentage,
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Die du hier verlebt, kommen in Minnegestalt
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Einst dir vor Augen, täuschen im Traum dich, lassen im Busen
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Dir, ist schwunden dein Traum, krankes Erinnern zurück. – – –

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Ha! braunlockiger Freund! Dein heiteres Auge wölkt sich!
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Deine männliche Wang' rinnt die Thräne hinab! –
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Sey uns geklagt! Du lässest nicht harmlos die Freuden der Hylde
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Und Eleonore, dein Kind, lieblich und silbergelockt.

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Aber der Schickung Wuthschluß steht! – Da hallt sie, die dunkle
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Abschiedsstunde! Du fliehst? Bruder, Geliebter, du fliehst? – – –
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Klagt ihm, Brüder! Auch der ist hingegangen!! Im Winde
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Weht sein langfließend Gewand Kunde des Harmes zurück! –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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