Du liebst mich nicht –

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Gotthard Ludwig Kosegarten: Du liebst mich nicht – Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Du liebst mich nicht –
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O Gott, wie traf mein Herz mit schmetterndem Gewicht,
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Wie traf mit wilder Mörderkraft
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Die Zeitung mich: Verschmäht ist deine Leidenschaft!

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Unsäglich hab' ich dich geliebt –
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Mein Herz hat nah' und fern nach dir gestrebt, gesehnet,
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Mein Auge heimlich dir gethränet,
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Und jede Nerve sich nach dir gespannt, gedehnet –
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Fürwahr, ich hab' unsäglich dich geliebt.

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Noch jetzt sogar,
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Noch jetzt, zerreißt mein wundes Herz
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Die Leidenschaft um dich mit jedem Höllenschmerz,
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Und tausend Mahl hab' ich in schwarzen Stunden
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Verdammter Geister Qual um dich, um dich empfunden.

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Zwar hab' ich auch in stillern Augenblicken,
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Mit süßerm seeletrauerndem Entzücken,
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Um dich geweint!!
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Und sieh! Nicht ganz unselig ist der Mann,
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Deß Auge nur noch weinen kann!

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Doch ach! in wenigen Sekunden
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Ist diese Dämmerung aus meiner Seele schwunden,
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Und öd' und schwarz,
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Wie Gräber, stand vor mir der stumme große Schmerz,
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Und Eine lange Mitternacht
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Hab' ich um dich verwälzt, verseufzet und verwacht.

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Mit hellgeschliff'nem Feuerschein
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Lud oft mitleidig mich mein Stahl zum Tode ein.
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Gefaßt, geblößt, gezückt hab' ich ihn, doch sofort
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Gedacht' ich dein, und fuhr um dich zu leben fort!

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Denn wehe mir!
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Noch unzertrennlich hängt mein ganzes Herz an dir.

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Ich saug' aus deinen Blicken
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Den Tod!
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Ich schlinge mit rasendem Entzücken
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Den Gift von deiner Wangen Blumenroth.

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Du aber wandelst stolz und heiter
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Vor meiner Qual vorbei, und bist
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Erfreut ob meinem Schmerz, siehst ihn, und wandelst weiter,
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Zufrieden, daß mein Stolz herab erniedrigt ist – –

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Ich kann's nicht tragen –
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Mit wilden Schlägen
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Empört sich mein Herz.
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Ich kann's nicht fassen,
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Ich will dich hassen,
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Und meinen Schmerz.

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Noch Einen Tag,
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So will ich dir enteilen,
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Von deinen Pfeilen
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Verwund't und bis zum Tode schwach.
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Doch diese tiefen Wunden, ach!
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Wird keiner Ferne Kraft, kein fremder Boden heilen – –

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Es flieht, den Stahl im Busen,
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Das Reh den Platz, wo es der Pfeilschuß trifft.
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Es fliehet, blutet, rennt, trägt fort den Tod im Busen,
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Stürzt, blutet, ächzt und stirbt auf fremder Trift.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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