Was ist's, wonach ich schmachte

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Gotthard Ludwig Kosegarten: Was ist's, wonach ich schmachte Titel entspricht 1. Vers(1788)

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Was ist's, wonach ich schmachte,
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Wonach schreit all' mein Seyn?
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Welch' unbekannte Sehnsucht
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Durchzuckt mir Mark und Bein?
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Strebt mächtig mir im Busen,
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Setzt mir das Herz in Gluth,
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Und peitscht durch jede Ader,
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Gedoppelt stark mein Blut?

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Ist's Durst nach Ruhm und Ehre?
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Nein, nein! Die Zauberinn
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Verblend't mich oft. Doch heute
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Ergreift mich's, wer ich bin!
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Ist's Durst nach Gold und Schätzen?
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Nein, wahrlich nicht! Denn sieh!
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Mein Glück in dem zu suchen –
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So tief fiel ich noch nie!

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Ist's Durst denn nach der Theuren,
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Ist's,
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Du, Tages mein Gedanke,
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Du, Traum im Schlummer, mir? –
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Vielleicht! – – Doch nein. Empfindung
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Für
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Es ist nicht Erdenliebe,
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Es ist – o, wüßt' ich's, was? – – – –

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Ich sprach's. Da ward es stille,
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Und Unk' und Nachtigall,
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Und Frosch und Westwind schwiegen,
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Und ich, im grünen Thal,
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Lag hingestreckt, und Schauder
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Durchfuhr mir Blut und Mark.
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Im Busen pocht' und klopfte
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Mir's übermenschlich stark.

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Da hört' ich's leise flüstern
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Ins Schilf des Teich's. Es rann
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Auf jedem Märgelblümchen,
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Als schwebt' ein Westwind d'ran.
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Mich däucht', als ständen Jüngling'
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Im Abendroth vor mir,
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Und einer spräch' mit Stimme
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Der Nachtigall zu mir:

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»nicht Durst nach Ruhm und Ehre,
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Nicht Schrei'n nach Gold der Welt,
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Nicht nach dem Erdenmädchen
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Ist's, das die Brust dir schwellt.
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Es ist – – hinweg vom Auge
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Den Staar! Hinweg vom Ohr
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Die dicke Haut!! O Jüngling,
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Fühl' selbst, und sieh empor!

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Siehst du im West den Purpur,
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Den Boden grün und schön?
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Die tausend Märgelblümchen,
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Die lächelnd um dich steh'n?
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Hörst du der Nacht'gall Schmettern?
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Schau'st du im finstern Gras
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Die Würmer – Nationen?
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Wer schuf, wer gab dir das?

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O Jüngling, Erdenjüngling!
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Dich schuf aus feinrem Thon
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Die Hand, die das geschaffen,
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Und du vergißt es schon?
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Zeuchst Schönheit des Geschöpfes
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Des Schöpfers Schönheit vor? –
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O Jüngling, weg vom Auge
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Den Staar, die Haut vom Ohr!

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Er, den dein Herz verkennet,
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Und doch mit Inbrunst sucht,
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Er ist von dir nicht ferne.
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Das Auge, das ihn sucht,
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Wie leicht mag's ihn entdecken!
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Er wandelt um dich her,
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Im Abendroth, im Walde,
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Zu Land' und auf dem Meer.

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Von ihm, du Sproß des Himmels,
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Stammst du, allein von ihm.
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Dein Geist, des Ursprungs kundig,
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Schrei't, schmachtet, dürst't nach ihm.
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Ihn, ihn, den Vater, kennen,
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Ist mehr denn Erdenfreud'.
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Ihn innig, innig lieben,
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Ist Himmelseligkeit.

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Sein Rang ist
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Sein Nam'
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Sein Thun ist
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Sein Werk der
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Sein Wo ist
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Sein Ebenbild bist –
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O Jüngling, fühl' die Würde,
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Du bist sein Abglanz, du!« – – –

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So sprach's, und sieh! Wie Schuppen
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Fiel mir's vom Aug'. Ich sah
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Rings um mich her mein Wesen
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Dem Unbekannten nah'.
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Mein Ohr, mit reinern Zügen,
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Vernahm sein leises Weh'n,
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Und hörte seine Stimme
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Im Abendsäusel geh'n.

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Da sank ich, anzubeten,
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Ins Knie, und feierlich
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Und unaussprechlich Fühlen
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Ergriff und lohnte mich – –
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»ich hab', ich hab' dich funden,
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Dich
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Und lass' dich nicht, ich schaue
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Dein segnend Antlitz dann.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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