XxVI. Alexander Magnus

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Ludwig Bechstein: XxVI. Alexander Magnus (1830)

1
Wie schön ist's doch, den Mächtgen vertraut zur Seite stehn!
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Auf edle Völkerhirten viel Augen freudig sehn.
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Wer ihrer Liebe theilhaft, wie wird er hoch geehrt,
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Nur zeige der Planet sich stets seiner Sonne werth.

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Ein Herrscher der mit Würde der Hoheit Scepter führt,
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Der mit dem Arm der Weisheit des Landes Steur' regiert,
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Der mit dem Schwert des Rechtes das Unrecht niederbeugt,
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Der mit dem Blitz des Zornes lichtscheue That verscheucht –

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Ein Herrscher der das Gute, nur weil es gut ist, thut,
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Nicht, seiner Länder Ruthe, hinopfert Völkerblut,
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Ja, Solchem folgt der Nachruhm, und Liebe fliegt vorau,
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Fürwahr und solcher Herrscher war

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Ihm schlug ein Herz im Busen so rein, wie lautres Gold,
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Er war ein Freund der Musen und allen Künsten hold;
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Zum Lorbeer, den das Wüthen der Schlachten ihm errang,
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Flocht er sich schönre Blüthen durch hoher Lieder Sang.

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Kein Künstler ging mit Unmuth aus seinem Kaiserhaus,
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Dem nicht zum Lohn geworden ein Ehrenblüthenstrauss.
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Wie hat er, edler
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Wie Deiner Muse,

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Zu Innspruck weilt der Kaiser, der edle deutsche Mann;
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Nach Innspruck eilet Faustus zu Maximilian.
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Schon hüllet düstre Dämmrung den Tag in Schattenflor,
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Der Mann des Zaubers wandelt zum Kaiserhaus empor.

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»viel hat der Ruf verkündet von Euch!« der Herrscher spricht:
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»doch unsrer Lust genüget des Volkes Sage nicht.
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Wir möchten selbst ein Probstück von Euern Künsten sehn,
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Sofern es sonder Beistand des Bösen kann geschehn!«

29
›nicht
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»nennt es nicht Kunst, Herr Kaiser, nein, nennt es lieber
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Ich bin kein eitler Gaukler, der Euch gross Ding verheisst,
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Und dann gemalte Geister im Schattenspiel Euch weisst.«

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»soll meine Macht Euch dienen! Befehlt, Euch dient sie gern;
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Ich rufe meine Geister nicht vor unwürd'gem Herrn.
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Ob mir vom Guten Beistand, vom Bösen Hülfe kommt?
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Euch gelt' es gleich, dem Schauen, nicht aber Grübeln frommt.«

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Der alte Kaiser ruhig des Magus Rede hört,
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Und nimmt das Wort: »So bleibe vom Einwurf ungestört,
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Ob eine Himmelsmacht Dir, ob Andre Kraft Dir giebt,
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Erhelle nur die Nacht mir, die mir mein Denken trübt!«

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»mich floh der Schlummer oft schon, wenn ich sein Nahn erbat,
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Und irdscher Grösse Trugbild vor meine Seele trat;
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Ich sah die Kaiser alle vor mir vorüber gehn,
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All' meine hohen Ahnherrn hab' ich im Geist gesehn.«

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»sie haben Ruhm errungen, des Grossen viel vollbracht,
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Doch was war ihre Stärke gen
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Der sich mit Jünglingsfeuer den Erdkreis unterwarf,
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Mit dem der Herrscher keiner an Ruhm sich messen darf?!«

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»ihn möcht' ich schaun, den Grossen, o ruf' ihn mir herbei!
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Dass ich ins Herz mir präge des Helden Konterfei.
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Die Nachwelt ist ein Schatten, die Vorwelt Heldenglanz,
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Ach, ein entfallnes Blatt nur aus der Zeiten Wunderkranz!«

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So Maximilianus, – und Faustus ernsthaft spricht:
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»ihr sollt den Helden schauen, seht ihn, doch redet nicht!«
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Und leise Worte murmelnd er seinen Stab bewegt,
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Darauf sich tiefes Dunkel um beide nächtlich legt.

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Nun schwebt ein Heldenschatten in das Gemach herein;
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Ein Mann, umwallt von Goldhaar, doch finster blickt er drein;
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Sein Auge flammt, hinreicht ihm der Kaiser seine Hand,
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Doch düster hat der Geist sich von ihm hinweggewandt.

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Und schwindet hin; drauf glänzend ein schönes Weib sich zeigt,
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Die mit holdsel'gem Lächeln sich vor dem Kaiser neigt.
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Ihr Angesicht ist freundlich und blühend wie der Lenz,
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Auf ihrem Busen schaukeln sich Perlen des Orients.

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Und als auch sie sich wendet und still von hinnen geht,
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Und des Kaisers Blick ihr nachfolgt, der Frau voll Majestät,
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Sieht auf des Nackens Schneepracht der Herr ein kleines Mal
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Und ruft: »Das war Roxana, des Helden Ehgemahl!«

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Und spricht zu Faustus huldreich: »O bleibt bei mir hinfort,
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Ich will als Freund Euch halten, bei meinem Kaiserwort!
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Und habt Ihr mich erfreuet, so will ich Euch erfreun,
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War Eure Macht mir dienstbar, soll's Euch die meine sein!« –

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Wohl ist es schön, den Mächtgen vertraut zur Seite stehn!
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Man sieht den fremden Meister stolz mit dem Kaiser gehn.
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Wie neigen sich die Schranzen, wie wird er hoch geehrt!
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Gar höflich sind die Schranzen – so lang' die Gnade währt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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