XiII. Der Magus

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Ludwig Bechstein: XiII. Der Magus (1830)

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Wie strömt des Volkes Menge zu Faustus hin ins Haus!
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Wie fliegt der Ruf des Magus dafür so weit hinaus!
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Wenn wo Bewundrung eingeht in einen Bildersaal,
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Tritt sie heraus als Fama, fliegt über Berg und Thal.

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O Zauberkunst, wie bist Du so lockend, machtvoll, schön!
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Du trägst auf Feuerschwingen den Faust auf Bergeshöhn,
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Du deutest ihm die Sternschrift, und vom Prophetenmund
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Wird staunender Umgebung der Zukunft Dunkel kund.

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Noch ruht in seiner Kammer der Spiegel, leuchtend klar,
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Den einst in schwarzer Stunde der Erde Schooss gebar;
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Darin der Dinge Bilder, die waren, die geschehn,
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Des Magus Blick wie Geister graunhaft vorübergehn.

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Noch stehen die Planeten in seinem Saal im Kreis;
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Er forscht in ihren Häusern gar oft mit ernstem Fleiss,
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Er deutet Räthselpunkte, stellt manches Horoskop,
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Und weit in alle Lande hin fliegt sein hohes Lob.

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Und Preis und Ehre werden sein wachsend Eigenthum;
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Auf seines Hauses Zinnen geflügelt steht der Ruhm,
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Und was aus lauter Tuba nach allen Winden braust,
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Ist nur vom Faust die Kunde, der hohe Ruf des Faust. –

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Ruhm ist ein schöner Festschmuck, ein glänzendes Kleinod,
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Im Leben eine Krone, ein Ehrenkranz im Tod.
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Doch eine spröde Daphne, die kalt, als Lorbeer spriesst,
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Wenn sie mit Liebesarmen ein glüh'nder Gott umschliesst.

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Ja, Wahrheit zeigt die Mythe gar manchem Erdensohn.
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Erst nach dem Tode wird ihm der Anerkennung Lohn,
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Erst nach dem Tod darf spriessen der Lorbeer seinem Geist;
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Erst dann wird er gepriesen, wenn

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Und Faustus, wie sein Ruhm auch die Länder überflog,
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Wünscht oft zurück das Glück sich, um das er sich betrog.
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Wie demuthvoll sich neigen vor ihm auch Alt und Jung,
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Für

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Oft sitzt er in Gedanken zu mitternächt'ger Zeit,
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Auch Wagner von sich schickend, der rastlos dienstbereit,
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Und seinen Busen quälet, was nie verscheucht ein Lob,
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Was Keinem er erzählet, was nie sein Zauber hob.

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Unruh, Du klopfst im Busen, die Todtenuhr im Holz;
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Vor Deiner Nachterscheinung erbleichen Macht und Stolz.
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Du bist ein krächzend Leichhuhn, das übern Friedhof fliegt;
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Ein weinend Kind, das schlaflos die Mutter seufzend wiegt.

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Ruhm, der um Ruh' erkauft wird, ist kein beglückend Gut!
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Ein Kind ists, das getauft wird mit des Vaterherzens Blut;
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Das an der Brust der Mutter mit grimmen Zähnen hängt,
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Und grausam die verwundet, die zärtlich es umfängt.

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So mag wohl Mancher sitzen, vor dem die Menge kniet,
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Der falschen Ruhmes Lorbeer sein Haupt umgrünen sicht,
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Vor dem das goldne Rauchfass des Lobes Knechtsinn schwingt,
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Dem Eitelkeit und Hoffarth Sirenenlieder singt.

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Eine Stimme lebt im Innern, die singt solch Lied nicht ein;
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Ein Strahl, vor dem erbleichet der falsche Heil'genschein.
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Ein Wurm, der nicht vertrieben wird von des Weihrauchs Qualm,
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Ein Schmerzensschrei, der lauter, als jeder Schmeichelpsalm.

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Wie strömt des Volkes Menge zu Faustus hin ins Haus!
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Wie sehnt aus dem Gedränge der Magus sich hinaus!
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Sein Name wird gepriesen, das Wunder seiner Zeit,
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Er, Groll und Schmerz im Busen, nennt sich – vermaledeit. –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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