ViII. Frage und Antwort

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Ludwig Bechstein: ViII. Frage und Antwort (1830)

1
Im grünen Walde wandeln zwei Männer, kühl umrauscht,
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Da wird von hohen Dingen manch ernstes Wort getauscht.
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Der Eine für sein Wissen sucht reichlichen Gewinn,
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Dem reicht des Trugs Narzissen der zweite listig hin.

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Belehrung ist ein Saatkorn, das Früchte trügt mit Lust;
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Täuschung ist eine Giftsaat, geworfen in die Brust.
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Belehrung ist die Tochter der Wahrheit und des Lichts,
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Der Lüge Kind ist Täuschung, ein buntbemaltes Nichts.

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Und Faustus zu Mephisto: »Wer hier sich dingt den Knecht,
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Der fragt nach dessen Herkunft mit Fug und Vollem Recht.
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Ich weiss, Du bist ein Dämon, doch sage: welcher Art,
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Wess Ursprungs und was alles Dir unterworfen ward?«

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›der Stolzeste der Stolzen riss uns in seinen Fall;
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Nun schweben wir verbreitet, wie Luft und Licht, im All.
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Wir sind es, die mit Schönheit die Belladonnen schmücken,
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Damit die Menschenkinder sie desto gier'ger pflücken.‹

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»so sä't Vernichtungskeime die Sippschaft, die verdammte?
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Und wären Deines Gleichen noch viel vom gleichen Amte?«
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›zahlreich, wie Bienenschwärme, verderblich abgesandt
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Sind wir, wie Sternenheere; wie Kies am Meeresstrand.‹

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»so zahlreich? Nun, dann sage: wo weilt, wo wohnet Ihr?«
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›wir ruhen in Metallen, erfüllen Pflanz' und Thier,
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Das Kleinste wie das Grösste dient uns als Unterthan;
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Zur Wollust uns übt rastlos Zerstörung ihren Zahn.‹

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»und welches war die Ursach, das sprich mir, jenes Falles,
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Der Unheil zeugend fortwirkt auf Dich, auf mich, auf Alles?«
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›faustus, der Drang, sich ähnlich der Gottheit stolz zu blähn;
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Du weisst wohl, das auch Menschen sich Gleiches unterstehn.‹

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»noch hat mich nicht befriedigt, was Du mir hast vertraut:
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Den Anblick dessen schildre, den froh der Engel schaut.«
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›seit wir verworfen worden von jener Himmelsmacht,
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Sank uns der Mond

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»so rede von den Engeln, die selig sind mit ihm!
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Was ist im Geisterhimmel das Amt der Seraphim?« –
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›sie schaun das Vaterantlitz, das heilge, sonder Hülle,
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Endlos in Kraft und Schönheit, in göttlichreicher Fülle.‹

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»und von den Cherubinen und Thronen gieb mir Kunde!«
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›suchst Du des Lichts Geheimniss, Faust, im Dämonenmunde?
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Des Lichtes Boten freuen sich an der Macht des Herrn,
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Wir aber nennen, denken, verkünden sie nicht gern.‹

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»so schweige mir vom Himmel, daraus man Dich verstiess;
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Doch wirst Du treu mir künden: wo liegt das Paradies?«
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›so weit ist das entlegen, dass Du mit Deines Gleichen
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Auf Schwingen selbst des Sturmwinds, es nimmer mögt erreichen.‹

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›vier heilge Ström' umarmen das gottgeliebte Land;
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Sie werden Glaube, Liebe, Hoffnung und Treu' genannt.
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Inmitten hebt die Kronen der ewge Lebensbaum;
48
Gedenkst

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»höhnst Du? – Gleich sag' mir Antwort auf andre Fragen an:
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Wärst Faustus
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›mit
52
Mit

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»moralmann, blieb Dir Hoffnung? Was hab' ich dann gewagt?«
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›schr wenig, Faustus, wenig, drum sei nur unverzagt!‹
55
»sprich, Diener: von der Hölle, was ist das für ein Ort?
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Man träumt von ihren Qualen, sprich, warst Du lange dort?«

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›die Hölle ruht im Nachtgraun, das Keiner noch durchschaut,
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Und Kunde hat gegeben, wie sie gefügt, gebaut.
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Der Hölle Qualen müssen in sich die Sünder tragen,
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O quäle mich nicht länger, nicht Dich mit solchen Fragen!‹

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»ha, bist Du schon ermattet? Erschöpft Dich die Begier
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Das Dunkel zu durchdringen, die ewig wach in mir?
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Weshalb denn klopft' ich donnernd an Eure Pforten an,
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Als weil sich meiner Sehnsucht kein Lichtthor aufgethan?« –

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»ich suche nur
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Um den sich Deine Klugheit dereinst als Schlange wand!«
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›dir soll Erkenntniss werden, so viel ich geben kann,
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Doch zum Schulmeister wähle Dir einen andern Mann.‹

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›was willst Du von den Engeln, vom Paradies, von Gott?
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Spott ist nur Deine Frage, wie meine Antwort Spott.
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Was fragst Du nach der Hölle, bangt Dir vor ihrer Gluth?
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Du hast doch Ammenmährchen zu läugnen sonst den Muth?!‹ –

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Im grünen Walde wandeln zwei Männer schweigend hin,
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Der eine finster blickend mit unmuthdüstrem Sinn,
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Trüb dämmert ihm die Ahnung von des Gefährten List,
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Und dass für manch Geheimniss kein Thor erschlossen ist. –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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