Es rauscht ein Quell im alten Eichenhaine

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Ludwig Bechstein: Es rauscht ein Quell im alten Eichenhaine Titel entspricht 1. Vers(1830)

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Es rauscht ein Quell im alten Eichenhaine
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Am Riesengrab empor, das frühe Zeiten
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Bedeckt mit einem kalten Leichensteine.

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Und Geister seht Ihr um den Hügel schreiten,
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Die Wache halten, treulich und beständig,
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Und übers Grab die dunkeln Flügel breiten.

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Denn der da drunten schläft, ist noch lebendig,
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Und sendet Seufzer mit dem Quellenrauschen
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Herauf, und sein Verlangen ist unbündig.

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Das Dunkle will er mit dem Hellen tauschen;
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Auf seine Klagen hat man oft geschen,
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Dass Sänger dort an heilgen Stellen lauschen.

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Die wollen gern den Wunderhort erspähen,
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Von dem der Quell singt in gebrochnen Lauten,
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Und seiner Tiefen Zauberwort verstehen.

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Und wenn sie lockten mit verwognen Lauten,
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Hat sie der Sturm der Zeit erfasst, der mächtge,
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Und weggewehet mit zerbrochnen Lauten.

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Doch Einer sah die Nacht, die mitternächtge,
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Erhellt, und ist zur Tiefe ganz gedrungen,
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Und sang uns, was er dort geschaut, das Prächtge.

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Er hat des Ruhmes hehren Kranz errungen,
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Und zu dem einen hundert andre Zweige,
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Die lorbeergrün sein Haupt mit Glanz umschlungen.

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Und wagt noch Einer, dass er niedersteige
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Zum Grab des Riesen und zum Sagenborne,
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Und dort ein Menschenantlitz wieder zeige?

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Ernst ist, die drunten wohnt, und streng die Norne;
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Wird sie dem Kühnen schenken auch Erhörung,
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Und Gaben aus dem Zauberwunderhorne?

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Droht nicht der Lyra Sturmeshauch Zerstörung? –
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Es sei gewagt, der Grabstein sei gehoben!
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Die Geister bannt, nach altem Brauch, Beschwörung.

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Tritt aus der Gruft, Gewaltger, gluthumwoben,
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Der trotzig über alle Schranken strebte,
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Wo minder Starken aller Muth zerstoben!

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Der sich aus Mitternacht Gedanken webte;
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Dann, ein Prometheus, felsenangekettet,
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Ach, zwischen Höh'n und Tiefen schwankend schwebte!

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Der sich zur argen Buhle:
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Du Armer, den ein Gott sah ringend sinken
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Und hat Dich nicht aus irrer Bahn gerettet?!

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Oft sah ich Dich im Traume dringend winken;
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In frühen Jugendjahren schon, verblühten,
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Wollt' aus dem Sagenborn ich singend trinken.

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Denn mich umfing der Zauberten der Mythen,
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Und königlich sah ich den Magus thronen,
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Und Flammen sah ich, die den Thron umsprühten.

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Da sucht' ich in den Schattenregionen
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Des Hains
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Und bei der Vorzeit Geistern durft' ich wohnen.

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Mir ward die dunkle Quellenklage helle,
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Und in die Zauberkreise trat ich wagend;
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So ward vollbracht, was ich zu Tage stelle:

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Halb stolz, dass ich's gethan, und halb verzagend.
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Des Sängers Lieder sind sein eignes Leben,
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Sind Pulse seines Herzens, freudig schlagend.

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Was mir das Herz durchglüht, ist Euch gegeben;
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Nicht Andrer Sang, wie hoch sich dieser schwinge,
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Gab Flügel der Begeistrung

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Ob Ihr das hoch nun achtet, ob geringe,
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Mit
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Des Liedes wollet meiden, das

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Denn strebt' ich treu nach meines Ziels Erreichung,
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Zu schildern: welch Macht ausübt das Böse,
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Und wie sich straft vom Lichtpfad die Entweichung:

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So zeigt dem Volk nicht schmähend meine Blösse,
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Nennt mir als Muster nicht den grössten Meister,
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Legt nicht an mich den Maasstab

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Für Alle rauscht der Zauberhain der Geister,
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Und Allen quillt der Wunderborn der Sage,
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Draus einer zaghaft schöpft, ein andrer dreister.

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Treu fördre jeder seinen Schatz zu Tage!
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Allseitig nimmt der Lichtstrahl seine Richtung,
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Küsst Blüthen hier, erklärt dort Sarkophage;

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Und ewig flammt das Morgenroth der Dichtung.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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