St . Meinrad

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Clemens Brentano: St . Meinrad (1808)

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Graf Berthold von Sulchen, der fromme Mann,
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Er führt sein Söhnlein an der Hand;
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Meinrad, mein Söhnlein von fünf Jahren,
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Du mußt mit mir gen Reichenau fahren.

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Hatto, Hatto, nimm hin das Kind,
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Alle liebe Engelein mit ihm sind;
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Die geistlich Zucht mag er wohl lernen,
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Und mag ein Spiegel der Münche werden.

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Er ging zur Schul barfuß ohne Schuh;
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Und legt die geistlich Kunst sich zu;
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Die Weisheit kam ihm vor der Zeit,
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Da ward er zu einem Priester geweiht.

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Da schickt ihn Hatto auf den Zürcher See,
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Daß er ins Klösterlein bei Jona geh;
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Bei Jona zu Oberzollingen,
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Da lehrt er die Münch beten und singen.

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Da er lange ihr Schulmeister war,
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Und ihn die Brüder ehrten gar;
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Thät er oft an dem Ufer stehen,
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Und nach dem wilden Gebirg hinsehen.

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Sein Gewissen zog ihn zur Wüste hin,
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Zur Einsamkeit stand all sein Sinn;
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Er sprach zu einem Münch: Mein Bruder,
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Rüst uns ein Schifflein und zwey Ruder.

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Ueber See zur Wildniß zur Wüsteney,
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Hab ich gehört gut fischen sey;
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Da gehn die Fischlein in den einsamen Bächen! —
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Ja Herr, mein Meister, der Münch thät sprechen.

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Sie führen gen Rapperswyl über See,
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Zu einer frommen Wittib sie da gehn;
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Bewahr uns die Gewand, sie zu ihr sprechen,
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Daß sie uns nicht in der Wildniß zerbrechen.

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Sankt Meinrad und der Bruder gut,
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Sie folgten wohl der Bächlein Fluth:
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Sie fischten hinan in dem Flüßlein Sille,
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Bis in die Alp gar wild und stille.

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O Herr und Meister, lieber Sankt Meinrad,
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Wir haben Fischlein schon mehr als satt;
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Noch nit genug Meinrad da saget,
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Steigt wo der Finsterwald herraget.

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Und da sie gegangen den dritten Tag
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Im finstern Wald eine Matte lag;
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Ein Born da unter Steinen quillet,
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Da hat Sankt Meinrad den Durst gestillet.

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Nun lieber Bruder, nun ists genug,
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Gen Rapperswyl die Fisch er trug;
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Die fromm Wittib stand vor der Pforten,
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Und grüßt die Münch mit frohen Worten.

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Willkomm, willkomm ihr bleibt schier lang,
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Die reißende Thier, die machten mich bang;
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Die Fisch, die thät sie braten und sieden,
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Die assen sie in Gottes Frieden.

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Frau hört mich an durch Gott den Herrn! —
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Die Wittib sprach: Das thu ich gern!
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Ein armer Priester hat das Begehren,
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Sein Leben im Finsterwald zu verzehren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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