56. Der Geist Gottes

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Johann Heinrich Voß: 56. Der Geist Gottes (1794)

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Was lauschest du, o Volk der Alemannen,
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Den Rufern: »Hier, hier webet Gottes Geist,
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Der Ulm' und Eich' entwurzelt, und die Tannen
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Mit Donnerhall vom Felsabhange reißt!«
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Du hörst sein Wehn; doch weißt du nicht, von wannen,
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Und nicht, wohin der Strom des Windes fleußt.
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Mit linder Macht der Menschheit Knosp' entfaltend,
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Fährt Gottes Geist, umbildend und gestaltend.

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Oft leis anschwellend, oft unangekündet,
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Durchwallt sein Segenshauch die öde Flur:
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Gesang und Red' entspringt dem Schlaf, und windet
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Den schönen Kranz der Menschheit und Natur.
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Urkraft, Verhalt und Zweck, tief ausgegründet,
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Umschlingt der Anmut leichtgeknüpfte Schnur.
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Viel angestaunt, von wenigen bewundert,
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Erscheint dem Volk sein goldenes Jahrhundert.

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Es starrt die Meng' in dumpfiger Erkaltung,
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Wie wenn der Geist auch atmet, und wie mild.
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Erschlaffung däucht des Menschensinns Entfaltung;
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Man wähnt Natur, was roh sich hebt und wild.
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Dem eitler Tand, dem schnöde Mißgestaltung,
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Erscheint der Anmut reizendes Gebild.
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Die heiligen Begeisterungen funkeln
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Der Nachwelt erst, wie helle Stern' im Dunkeln.

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Mir nachschaun wirst du dort im Felsenspalte:
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So sprach der Geist: verhülle dein Gesicht!
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Schnell braust' ein Sturm, Erdbeben kracht', es hallte
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Der Donnerstrahl, doch Gottes Geist war's nicht.
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In sanft durchschauerndem Gesäusel wallte
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Der Geist einher: der Seher trat ans Licht,
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Und sah, wie fern die Herrlichkeit entschwebend
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Verschimmerte; stumm sah er nach, und bebend.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Heinrich Voß
(17511826)

* 20.02.1751 in Sommerstorf, † 29.03.1826 in Heidelberg

männlich, geb. Voss

deutscher Dichter und Übersetzer von Klassikern

(Aus: Wikidata.org)

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