40. An den Genius der Menschlichkeit

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Johann Heinrich Voß: 40. An den Genius der Menschlichkeit (1790)

1
Hinweg, wer kühn ins Heiligtum,
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Unreines Herzens, drang!
3
Des Weins Erschaffer, ihm zum Ruhm
4
Ertönt der Hochgesang!
5
Es bebt der Saal in Götterglanz!
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Heil, Heil dir! guter Geist,
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Der uns, entwöhnt des niedern Tands,
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Durch Sturm und Wolken reißt!

9
Du hast die Menschen zum Genuß
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Des Lebens erst geweiht,
11
O namenreicher Genius
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Der edlern Menschlichkeit.
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Du lehrst, als Noah, als Osir,
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Die rohe Wildnis bau'n;
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Preis dir, Jao! Bacchus, dir!
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Erschallt's von grünen Au'n.

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Nach Beer' und Eichel, ungeschlacht,
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Durchbrach der Mensch den Wald,
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Kaum schlau zum Fischfang und zur Jagd,
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Und haust' in Kluft und Spalt.
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Sein Weib und Kind durchheult' um ihn
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Den Sturm, ohn' Hüll' und Glut;
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Oft naht' ein Feind, vom Hunger kühn,
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O Graun! und schwelgt' in Blut.

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Dein Lenz erschien: die Wilde traf
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Ein Lamm gesäugt am Bach!
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Sie reichte Klee dem frommen Schaf,
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Und blökend folgt' es nach.
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Mit Herd' und Hund durchschweifte man
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Forthin die öde Welt;
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Die Hirtin melkt' und sang und spann,
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Und wirtlich raucht' ihr Zelt.

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Schon milder, trennte schmerzhaft sich
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Vom schönen Thal die Schar,
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Und ach vom Freund, der nachbarlich
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Ihr Trost und Umgang war.
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Da pflanztest du des Landes Frucht
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Ins schöne Thal hinein:
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Getreid' und Obst in reicher Zucht,
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Und Honig, Öl und Wein.

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Die Ordnung schmückte Dorf und Stadt,
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Vom schönen Volk umblüht,
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Die Kunst mit Meißel, Schnur und Rad,
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Der Weisheit Red' und Lied.
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Vom Staube lehrte himmelwärts
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Religion entfliehn,
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Und wonnevoll vernahm das Herz
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Der Sphären Harmonien.

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O weh ihm, wessen Hand ein Glied
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Der Kette frech zerreißt,
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Die sanft empor zur Gottheit zieht
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Des Göttersohnes Geist!
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Ein Tier des Feldes, wühlt er nur
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Nach schnöder Sättigung;
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Ihn labte nie dein Reiz, Natur,
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Ihn nie des Liedes Schwung!

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Heil, Heil! erhabner Genius
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Der edlern Menschlichkeit,
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Der Sinn' und Herzen zum Genuß
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Urreiner Schöne weiht!
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Dir schwören wir beim Feiertrank
62
Von neuem Biedermut;
63
Und laut ertönt's im Hochgesang:
64
Seid menschlich, froh und gut!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Heinrich Voß
(17511826)

* 20.02.1751 in Sommerstorf, † 29.03.1826 in Heidelberg

männlich, geb. Voss

deutscher Dichter und Übersetzer von Klassikern

(Aus: Wikidata.org)

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