35. An den Genius

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Johann Heinrich Voß: 35. An den Genius (1788)

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Aufschwung edles Gesangs winkest du freundlich mir Oftmals, oder mit Zorn, stürmischer Genius.
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Doch in Thränen des Unmuts
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Blickt mein Auge zur Wolkenbahn;

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Denn mich bindet der Staub! Ob an der Fessel zwar
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Ich, unkundig des Frons, schüttele; bald erschlafft
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Noch glanzloser der Fittich,
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Der zum Himmel empor sich schwang.

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Ach! das feurige Roß, einst in Olympias
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Rennbahn nicht ungelobt, und in der Reiterschlacht,
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Nun zum Joche gebändigt,
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Last zu schleppen, und Feld zu baun,

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Wenn's auf magerer Au', rastend einmal vom Dienst,
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Hört Trompetengetön, streckt es den Hals und horcht
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Wiehernd, senket das Haupt dann
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Mit vorwallender Mähn' herab.

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Gieb, Mäcenas, ein Amt deinem Virgilius,
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Deinem Flaccus ein Amt, Gönner der Wissenschaft:
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Daß sie Mantuas Anwachs
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Kunstreich ziehn, und Venusias,

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Gleich der emsigen Lohnspinnerin kaum die Not
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Wegarbeitend; und dann fodere freudigen
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Wettgesang mit Homeros,
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Wettgesang mit den Lesbiern:

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Der, nach ernstem Geschäft, dir, in melodischem
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Tonfall, lieblichen Schlaf riesele, der vielleicht
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Nutzbar werde der Nachwelt
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Zum dolmetschenden Unterricht!

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Des wird ewiger Ruhm, Gönner der Wissenschaft,
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Dir im Buche der Zeit! ja die Verherrlichung
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Weckt Nacheiferer künftig,
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Die mit hellerem Sinn verstehn:

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Nicht ohn' alles Verdienst sei der Kastalia
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Weisheitsquelle, gelehrt, Mühlen zu drehn, die Brot,
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Brot uns schaffen und Brennöl,
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Und was menschliches Wohl erheischt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Heinrich Voß
(17511826)

* 20.02.1751 in Sommerstorf, † 29.03.1826 in Heidelberg

männlich, geb. Voss

deutscher Dichter und Übersetzer von Klassikern

(Aus: Wikidata.org)

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