7.

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Hermann Conradi: 7. (1876)

1
Es rauscht um mich leis und geheimnisschwer
2
Der Mitternacht phantastisch Tönemeer ...

3
Wie Nebelschatten, wie ein Geisterreigen,
4
Entsteigt es flutend dem geschwätz'gen Schweigen ...

5
Die Wehr, die ich durch Markt und Gassen trug –
6
Nur eine Zahl im großen Kriegerzug,

7
Der lebenstrotzig ringt um karge Spenden
8
Mit derben Fäusten, hagern Bettlerlenden;

9
Gesichtern bleich, hohlwangig, schmerzzerwittert,
10
Von der Vergängnis Pestgestank umzittert;

11
Gepackt von der Verzweiflung Geierklauen,
12
Gepeitscht von dürrer Armut Geißeltauen –

13
Die ich in diesem Sturme trug, die Wehr:
14
Ach solch ein Kerl! Ein Kampflegionär!

15
Auch solch ein Held! Ein armer Proletar!
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Düsteren Auges ... mit wirr strupp'gem Haar,

17
Zerdachter Stirne, schwärenschwerem Leib,
18
Gehüllt in Fetzen, zunderdünn Gestäub –

19
Auch solch ein Rüttler, Zweifler, Schrankenbrecher,
20
Ein Meuterer, Rebell und »

21
Und nochmals einer, der, was sakrosankt
22
In tiefstem Marke

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Was reich verbürgt, bestätigt und verbrieft

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Zerbricht – von einem
25
Nicht zum Verrat mit rotem Gold erkauft –

26
Solch ein Gesell in hartem Tagesringen,
27
Im Kampf mit Wahnpropheten, Finsterlingen:

28
Leg' ich die Wehr von mir um Mitternacht,
29
Wenn es um mich wie Geisterruf erwacht ...

30
Wenn es zu mir in die Mansarde tritt:
31
Das hohe Weib mit traumhaft leisem Schritt ...

32
Schwer fließt sein Haar in goldnen Wellen nieder,
33
Auf seinen Lippen liegen ew'ge Lieder ...

34
Von seiner Stirne flammen Gottgedanken –
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Weltüberwindend, sprengend alle Schranken ...

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Und mit der hoch erhobnen Rechten weist
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Es in die Zukunft – und es jauchzt mein Geist! ...

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Denn folgend diesem Zeugnis seiner Gnade
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Enthüllt mein Auge neue Zukunftspfade,

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Die ich gesucht tagüber, doch nicht fand,
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Dieweil die Lippe sog nur dünnen Sand ...

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Von der Erkenntnis hellem Glanz umsäumt,
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Liegt's deutlich vor mir, was ich nur geträumt ...

44
Die Nebelfetzen in die Tiefen sanken,
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Zerweht von meines Geistes Lichtgedanken! ...

46
Sei mir gesegnet, dreimal heilig Weib –
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Gehört dem Tage auch mein Sklavenleib –

48
Mein Leib, von enger Waffenwehr umschnürt:
49
Ist's doch mein

50
Der dich begreift von Inbrunst hingerissen,
51
Dem einz'ge Leuchte du in seinen Finsternissen ...

52
Kniet doch mein Geist vor deiner Majestät,
53
Wenn ihn dein Schöpferodem leis umweht! ...

54
Was mich erniedrigt, an den Staub gebannt,
55
Du nimmst es von mir mit allgüt'ger Hand ...

56
Und meine Schwingen, die der Marktlärm bog,
57
Du reckst sie sanft zu neuem Fluge hoch ...

58
Und meinen Sinn, den in die Enge zwang
59
Des schrillen Tages heißer Ueberschwang:

60
Du weitest ihn, daß er das All versteht
61
Und nicht zerstückt im Kleinen untergeht! ...

62
Daß er im Wandel, was da
63
Aus der Verstäubnis zu der

64
O Weib, hochheilig mir, gebenedeit,
65
Mittlerin zwischen Tag und Ewigkeit:

66
Du tönst die Botschaft aus der nächt'gen Stille –
67
Und

68
Ja,
69
Das aus der

70
Es knüpfen sich zur
71
Draus aber will die

72
Und ruft der Tag mich wieder auf den Markt:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Conradi
(18621890)

* 12.07.1862 in Jeßnitz, † 08.03.1890 in Würzburg

männlich, geb. Conradi

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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