An die Toten im Frühling

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Hermann Conradi: An die Toten im Frühling (1876)

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Vieles habt ihr voraus, ihr Toten,
2
Vieles vor uns,
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Die wir noch atmen
4
In des Lichtes quellender Vollflut ...

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Willig –
6
O so willig! –
7
Ließet ihr lösen des Leibes Ring
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Von der Vergängnis
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Heimlichem Finger –
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Dehnt euch und breitet euch,
11
Und es ward eine Lust –
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Eine köstliche Lust euch:
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Aufzusprießen
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Zu Halm und Geröhr,
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Mitzufließen
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Im großen Allfluß der Dinge –
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Mitzudüften
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Ob Schollen und Grüften
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Oder zu wirbeln
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Auf farbiger Falterschwinge:
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Mitzugenießen
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Nicht zu geringe ...

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Vieles habt ihr voraus, ihr Toten,
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Vieles vor uns! ...
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Aufstehen
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Zu Werdefreuden
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Aus verschlungenem Wurzelgeflecht
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Laßt ihr hundertfaches Geschlecht,
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Und hundertfacher Wesen
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Winzigen Reichen
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Keimt Gedeihn
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Und drängendes Sein,
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Blüte, Entfaltung
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Und Fruchtgestaltung
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Aus eueren Leichen ...

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Vieles habt ihr voraus, ihr Toten,
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Vieles vor uns!
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Die Liebe denkt euch nach
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Und euere Male
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Schmückt trauernde Treue ...
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Oder es brach
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Zu der schaffenden Nachwelt Tag
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Der Erinnerung letzte Brücke ...
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Ihr schlaft vergessen,
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Und eurem heimlichen Tun,
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Dem Wirken im Ruhn,
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Fraget nicht nach
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Eine einzige Menschenzunge ...

49
Wie träumt ihr so köstlich
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Die Kraftträume des Alls! ...

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Aber saget, ihr Toten,
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Geliebt und beneidet
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Hundert und tausend Mal,
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Aber saget:
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Wer unter euch atmet und schnauft die Wonne,
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Die sprudelnde, ein,
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Die ich nun schlürfe,
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Da die Tage lenzen
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Und am Himmel die Sonne
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Wächst und waltet,
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Ein huldvoller Bronne,
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Daraus fluten Ströme des Segens? ...

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Wohl rollt ihr mit,
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Geflügelte Stäubchen,
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Im Sphärentanze der Harmonien:
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Mir aber blieb
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Ungeblendet der Blick,
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In diesen Tagen des Drangs
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Ganz zu begreifen
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Des Schöpfers Sieb,
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Daraus fällt
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Welt um Welt –
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Doch keines versinkt
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Dieser rollenden Kronjuwele,
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Und alle durchdringt

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Und auch ich rolle mit
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Wachend, bewußt,
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Mit euch, geflügelte Stäubchen,
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Meiner keuschen Inbrunst schneeweißes Täubchen
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Trägt
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Frohbewegt
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Botschaft und Kunde
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In alle Runde
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Und findet
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Neuer Freuden schwellende Saat,
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Drin sich begründet
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Künftige Tat ...

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Vieles habt ihr voraus, ihr Toten,
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Vieles vor uns –
90
Aber
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Läßt mich die Flammen
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Des Lebens noch schüren:
93
Dieser Tage
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Gotttrunkenes Lenzpsalmieren ...

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Doch krachen die Scheiter zusammen
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Und liegen die Früchte gelesen:
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Gerne, ihr Toten,
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Denen ich diesen Gruß entboten,
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Gerne dann bin ich mit euch gewesen ...

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Conradi
(18621890)

* 12.07.1862 in Jeßnitz, † 08.03.1890 in Würzburg

männlich, geb. Conradi

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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