Frühlingssehnsucht

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Hermann Conradi: Frühlingssehnsucht (1876)

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Da nun die Nächte kamen,
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Die Nächte wundersüß,
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Wo letzter Nachtigallenschlag
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Die Stunden feiert früh vor Tag
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Und erstes Rosendüften:
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Sehnt sich mein Herz nach Liebe,
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Nach Glück –
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Nach dem verlornen Paradies
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Zurück ...

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Mir ist's, als klopften Geister
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An meine braune Tür!
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Als trät' zu mir mit Glorienschein
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Der König Frühling selber ein
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Und brächte mir ein Mägdelein
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Und spräche: »Heil sei dir!

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Ich bring' dir eine feine Magd –
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Soll fürder bei dir gasten!
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Am Tage sei ihr Kavalier,
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Geleit sie durch das Waldrevier,
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Wo auf verschollne Pfade
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Der Bilder, der verblaßten,
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Kaum noch ein Schatten fällt –
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Wo holder Götter Gnade
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Vergessen ließ die Welt! ...

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Der Vögel Klang,
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Der Fluren Duft
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Und eurer Seelen Feuerdrang
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Beflügele den Hochgesang,
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Den eure Liebe tönt!
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Nun gürte dich mit milder Kraft
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Und, von den Göttern hingerafft,
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Sei mit der Welt versöhnt,
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Da dich ein Gott gekrönt!

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Hebt's aber an zu nachten,
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Dann zäumt das Wandertrachten
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Und kehrt, der Sehnsucht reich,
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In diese enge Kammer ein,
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Und bei kristallnem Sternenschein
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Enthüllt ihr das Geheimnis,
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Drin alle Wesen gleich ...
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Draus alles Sein entsprießt,
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Drin alles Sein sich schließt.

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Es liegt die Welt in Schlummer tief –
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Euch ist's, als ob sie ewig schlief –
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Noch ferne weilt der junge Tag –
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Da, letzter Nachtigallenschlag! –
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Ihr aber habt's begriffen,
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Das Evangelium,
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Das dieses Frühlings Wundermund
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Den Kreaturen tuet kund –
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Ihr aber habt's begriffen
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Und seid in Wonne stumm!«

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Da nun die Nächte kamen,
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Die Nächte wundersüß,
55
Wo letzter Nachtigallenschlag
56
Die Stunden feiert früh vor Tag
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Und erstes Rosendüften –
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Sehnt sich mein Herz nach Liebe –
59
Nach Glück –
60
Nach eines Mägdleins weißem Leib
61
Zurück ...

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Doch ach! Die Rosen düften –
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Es schluchzt die Nachtigall
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Nicht mehr zu meiner Liebe Preis –
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Verdorret ist das Wunderreis –
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Und ob sich ungezügelt
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Die Sehnsuchtsflamme flügelt
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Und um Erhörung wirbt:
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Die Pforte ist geschlossen –
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Ich hab' mein Glück genossen –
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Der Gott hat sich verhüllt –
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Und meine Sehnsucht stirbt
73
Ach! unerfüllt ...

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Conradi
(18621890)

* 12.07.1862 in Jeßnitz, † 08.03.1890 in Würzburg

männlich, geb. Conradi

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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