Elisabeth

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Hermann Conradi: Elisabeth (1876)

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Du bist nicht schön ... Ich könnte auch nicht sagen,
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Daß ich dich liebte ... Denn oft Stunden, Tage,
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Oft ganze Monde denk' ich deiner kaum,
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Wenn meine Seele heißere Reize sucht,
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Nach Glut und Leidenschaft, nach Schönheit dürstet –
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Im Taumel schrankenloser Hingebung
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Sich

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Du bist nicht kalt, Elisabeth – nein! nein!
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Doch meine Seele liebt das Bacchanal,
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Da die Gefühle durcheinanderschäumen,
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Gen Himmel schießen, in verzückter Brunst
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Sich lodernd um die Frucht des Staubes klammern ...

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Ich weiß: in diesem Sinne geh' ich unter –
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Das ist Bestimmung, tiefste Herzenssatzung ...
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Und, wenn mich einer retten könnte: du –
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Nur

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Doch siehe:
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Geheimnisvolle Sehnsucht, die mir manchmal
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Nach deiner edlen Herbheit in die Seele,
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Die überreizte, tritt: sie kann allein doch
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Uns nicht für immer aneinanderschmieden ...
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Mitunter wohl wär' ich es ganz zufrieden –
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Ich geb' es zu! – wenn die Penaten grade,
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Des Herdes würd'ge Götter, mir voll Gnade ...

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Doch dann kommt's über mich – reißt mich der faustsche Drang
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Unwiderstehlich in die Gärten, da
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Das Leben seine goldnen Stunden feiert –
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Es rauscht Musik – in der Mazurka Weisen
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Jauchzt Chopins glutgeborstnes Herz sich aus –
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Die Brunnen tönen – durch das Dunkel bebt
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Geflüster, und die Sternenfeuer leuchten –
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Des Frühlings warmer Atem tastet brünstig
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Um der brunsttrunkenen Erde üpp'ge Glieder:
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Dann müßt' ich von dir gehen, meinem Sterne
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Nachziehen unstet, und mein Herz gehörte,
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Elisabeth, nicht dir und deinem Herde!
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Die Enge würde mich zerlasten, würde
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Sich auf mich wälzen wie voll erzner Bürde ...
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– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

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Laß mich in deinen Kreis nur manchmal treten,
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Wenn ich ermüdet heimatwärts mich sehne –
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Dann trocknest du vielleicht mir eine Träne –
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Und tröstest mich mit einigen Pasteten ...

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Und unter Weinen, Lachen, Witzereißen
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Lern' ich's, mein Elend gründlich zu verbeißen –
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Lern' ich's, mich wieder auf mich zu besinnen
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Und meine Freiheit – lieber zu gewinnen ...
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– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Conradi
(18621890)

* 12.07.1862 in Jeßnitz, † 08.03.1890 in Würzburg

männlich, geb. Conradi

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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