Trüb schleicht die Zeit und nüchtern

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Hermann Conradi: Trüb schleicht die Zeit und nüchtern (1876)

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Trüb schleicht die Zeit und nüchtern ...
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Und glanzlos liegt die Welt,
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Von keinem goldnen Sonnenblick
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Durchleuchtet und erhellt.
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Wie Felsen lastet's mir die Brust,
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Und halb bewußt, halb unbewußt
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Kommt da ein Träumen schüchtern –
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Trüb schleicht die Zeit und nüchtern,
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Und glanzlos liegt die Welt.

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Da aber regt sich's leise,
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Gemach der Bann zerrinnt,
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Und leuchtend drängt sich Bild an Bild,
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Und lockt und webt und spinnt
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Und fesselt mich mit Zauberkraft,
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Und längstverkohlte Leidenschaft
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Zieht mich in ihre Kreise –
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Da regt sich's leise, leise,
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Gemach der Bann zerrinnt.

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In hoher Schönheit prangend
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Schau' ich da plötzlich dich,
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Die mondenlang, viel Monden lang,
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So ganz vergessen ich –
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Der ich gedacht kein einzig Mal,
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Als ich in bitter harter Qual
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Gerungen, lichtverlangend –
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In hoher Schönheit prangend
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Schau' ich da plötzlich dich ...

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Doch ob's auch wie verschleiert
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Glanzlächeln dich umschwebt,
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Ob auch dein Haar, dein golden Haar,
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Ein Diadem dir webt –
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Ein Diadem, so flammenlicht,
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So zauberhold wie ein Gedicht,
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Das deine Schönheit feiert –
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Ob's auch wie halb verschleiert
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Glanzlächeln dich umschwebt:

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In deinen schwermutsvollen
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Glutaugen ruht's wie Leid –
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Wie heißes, namenloses Weh, –
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Wie eine Seele schreit,
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Wenn gnadenarm und sonnenlos
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Sie der Verzweiflung liegt im Schoß –
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Glücklos die Stunden rollen ...
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In deinen schwermutsvollen
45
Glutaugen ruht's wie Leid ...

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Mich aber packt ein Trauern
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Um dich, mein armes Lieb,
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Daß ich erlösungsdürstig wild
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Aufschreien möcht'! Doch trüb
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Und trüber wird mir Herz und Hirn,
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Das Fieber irrt um Wang' und Stirn
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Und mich durchschießt ein Schauern ...
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Mich packt ein jähes Trauern
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Um dich, um dich, mein Lieb! – – –

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Trüb schleicht die Zeit und nüchtern,
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Und glanzlos liegt die Welt,
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Von keinem goldnen Sonnenblick
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Durchleuchtet und erhellt.
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Mir auf der Brust starrt's schwer und hart:
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Verspielt, verloren und genarrt
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Von blöden Traumgesichtern –
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Trüb schleicht die Zeit und nüchtern,
63
Und glanzlos liegt die Welt ...

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Conradi
(18621890)

* 12.07.1862 in Jeßnitz, † 08.03.1890 in Würzburg

männlich, geb. Conradi

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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