Des guten Kerls Freierey

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Clemens Brentano: Des guten Kerls Freierey (1808)

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Einstens, da ich Lust bekam,
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Mir zu freien eine Dam,
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Und sie freundlich fragte,
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Ob ich ihr auch wohl gefiel;
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Wahrlich nicht besonder viel!
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Sie gar spöttisch sagte.

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Ich sprach wieder, bin ich nicht
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Ein gut Kerle, gebt Bericht.
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Drauf fragt sie mich wieder:
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Was dann ein gut Kerle wär?
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Ich sprach: Sezt euch unbeschwert
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Etwas zu mir nieder.

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Für das Erst so bin ich recht,
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Und von ehrlichem Geschlecht,
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Hab auch aller Orten
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Mich geübt von Jugend auf,
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Nach der Welt Gebrauch und Lauf,
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Daß ich groß bin worden.

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Habe auch nicht viel studiert,
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Bin nicht schön von Leib geziert,
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Auch nicht reich von Gelde;
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Dennoch bin ich auch nicht dumm,
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Blind, lahm, sprachlos oder krumm,
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Sondern frisch zu Felde.

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Zu der Kaufmannschaft und auch
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Zu dem Handwerk ich nicht taug,
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Sondern mich ernähre
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Mit dem Degen und Pistol,
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Und von meinen Feinden hol
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Ich, was ich begehre.

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Ich hör gern der Armen Bitt,
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Hab ich was, so theil ich mit;
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Ich spendir die Heller
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Auf ein gut Pferd und Gewehr,
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Schenkt mir Gott noch Etwas mehr,
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Schick ichs nach dem Keller.

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Auch lieb ich der Musickklang,
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Stimm gern ein in den Gesang
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Wackerer Gesellen;
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Ich verderb kein gut Gelag,
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Bei der Burst mich lustig mach,
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Pfleg mich frisch zu stellen.

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Esse gern was Gutes auch,
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Immer hab ich den Gebrauch,
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Ein gut Kleid zu tragen.
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Ich bin fromm, so lang ich kann,
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Wo nicht, pfleg ich mich alsdann
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Frisch herum zu schlagen.

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Jedem laß ich seine Ehr,
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Liebe junge Mädchen sehr,
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Thu mich auch befleißen,
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Weil ich nicht bin schön und fein,
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Daß ich doch möcht freundlich seyn,
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Dienste zu erweisen.

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Werbe auch um ihre Gunst,
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Seh ich, daß es ist umsonst,
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Ich darum nicht zürne;
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Ist die Jungfer stolz von Sinn,
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Laß ich sie, und mach mich hin,
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Zu der Baurendirne.

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Weil ich, wie dafür ich halt,
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Nicht zu jung bin, noch zu alt,
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Will ich mich umschauen,
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Daß ich nicht allein mehr schlaf,
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Sondern mir zum Weib verschaff
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Eine schön Jungfraue.

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So ein gut Kerl bin ich nun,
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Bitt, wollt mir zu wissen thun,
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Wie ich euch gefalle;
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Sonst sollt ihr versichert seyn,
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Ich will lieben euch allein
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Für das andre alle.

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Wollt ihr nun, so ist es klar,
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Und wir werden bald ein Paar,
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Drauf spricht sie gar sachte:
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Ihr mögt mir nach allem Schein
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Gar ein guter Kerle seyn;
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Schmunzelt drauf und lachte.

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Als die Antwort ich bekam,
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Ich sie in die Arme nahm,
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Küßt sie eins und fragte:
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Was der Abschied endlich wär.
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Komme morgen wieder her,
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Sie gar freundlich sagte.

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Ich schwör so wahr, als ich bin,
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Ein gut Kerl und geb euch hin
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Meine beiden Hände;
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Daß wie ein gut Kerle ich
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Euch will ganz beständiglich
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Lieben bis ans Ende.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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