3.

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ludwig Ferdinand) (Schmid Dranmor: 3. (1855)

1
O welche Zeit! Wie seltsam und verwirrend
2
Sie, die so wenig Licht und Freude spendet
3
Und dennoch, eine weite Bahn durchirrend,
4
Nach Sonnenaufgang ihre Schritte wendet!
5
Ja, vorwärts eilt die Zeit mit Schwert und Wage;
6
Uns aber ist ein solcher Trost von nöten,
7
Wenn über unsrer Herzen Niederlage
8
Wir noch erschrecken, wenn wir noch erröten.
9
Des Denkers Schätze sind verschmähte Währung;
10
Den Ernst des Weisen trifft des Forums Spott,
11
Der Menge Fluch; denn Mammon heißt ihr Gott
12
In diesen Tagen allgemeiner Gärung.
13
Und des Gerechten Schmerz, so tief begründet,
14
In welchen Herzen kann er Wurzeln fassen
15
Jetzt, wo des goldnen Kalbes Reich verkündet
16
Auf allen Märkten und in allen Gassen
17
Und überall der Feind sich eingenistet,
18
Ein Dämon, der des Geistes Schwingen lähmt,
19
Doch dessen Lächeln oft die Stärksten zähmt,
20
Das oft die Besten, Reinsten überlistet?
21
Verlockend lautet des Versuchers Lehre
22
Und immer größer wird der Narren Gilde,
23
Und in dem Chaos luftiger Gebilde
24
Versinken Manneswert und Mannesehre.
25
Wohin ich blicke: Täuschung, Selbstbetrug,
26
Verstellung, Eitelkeit, erborgter Glanz,
27
Vergoldeter Gerippe Totentanz,
28
Doch auch des Wissens stolzer Adlerflug.
29
Wohin ich flüchte: Selbstsucht und Bethörung,
30
Doch auch der Armut zürnende Gestalten;
31
Und überall, wo falsche Götter walten,
32
Die Schreckenszeichen nahender Empörung.
33
Noch immer rätselhaft und unverstanden
34
Ist diese Zeit, die Großes schon erstritten,
35
Die nach Erlösung seufzt aus alten Banden
36
Und doch sich fortbewegt mit Riesenschritten
37
Und vorwärts strebt zu dem umwölkten Lichte –
38
Es wird die Erde aus der Knechtschaft Schmach
39
Sich doch befrein; was jener Seher sprach:
40
Das ist des Forschers Hoffen und Vertrauen,
41
Sein Trost in Zweifeln und in Kümmernissen:
42
Auf kommende Geschlechter niedertauen
43
Wird neue Lebenskraft mit neuem Wissen.
44
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
45
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.