Tod! der du meine innersten Gedanken

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Ludwig Ferdinand) (Schmid Dranmor: Tod! der du meine innersten Gedanken Titel entspricht 1. Vers(1855)

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Tod! der du meine innersten Gedanken
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Beherrschest, unbezwingbar, unaufhaltsam,
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Der du mein ganzes Sein durchdringst, gewaltsam
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Erschütternd meines Wissens enge Schranken;
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Vernichter, der du weit, unendlich weit
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Von Frühlingsschauern, die mein Herz durchbebten,
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Von Wonnen, schon erträumten und erstrebten,
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Erschienst, in meines Lebens Blütezeit;
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Den ich gefürchtet, als des Schaffens Drang
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Aus meiner Heimat Gauen mich verbannte,
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Als ich zu freien Thaten mich ermannte,
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Entwöhnt von Orgelton und Glockenklang;
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Tod, den ich scheu betrachtet und betastet
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Trotz der Verheißung seliger Gefilde;
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Den ich nicht liebe, weil des Daseins milde
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Gewohnheit auch auf meinen Schultern lastet;
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Den ich getrost erwarte, weil das Ende,
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Der letzte Schlaf, den keine Träume stören,
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Des Auferstehens schmerzliche Legende
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Mich weder schrecken können noch bethören;
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Herr über alles, was die Sonnen wecken,
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Was kreucht und fleucht – erhöre mein Gebet!
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Ich will dein Sänger sein und dein Prophet,
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Doch nur, um dich mit Rosen zu bedecken.
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Ich preise des Vernichters Schöpfungskraft,
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Ewig verjüngend das für uns Verlorne.
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Der eingepflanzte wie der angeborne,
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Der alte Glaube weicht der Wissenschaft.
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Das ist ein schweres Wort, vielleicht ein herbes;
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Doch fließt es nicht aus giftgetränkter Feder,
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Unwürdig meines väterlichen Erbes,
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Und nicht erschallt es trotzig vom Katheder;
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Nein! was in stillen, weihevollen Stunden,
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Was ich von dir erhoffe und erflehe,
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O Tod, sei Balsam für der Menschheit Wunden,
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Sei süßer Trost für meiner Brüder Wehe!
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Vergebens schweifen von des Himmels Flur
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Verweinte Augen nach ergrauten Domen
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Und suchen neues Leben bei Phantomen
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Statt in dem lichten Tempel der Natur.
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Dem Tode, der sein Werk nicht ganz vollendet,
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Der Hirngeburt, die, müde Herzen brechend,
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Bald drohend, bald versöhnend und versprechend
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Mit Sterbefackeln uns die Augen blendet;
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Dem Tode, dem verjährter Aberglaube
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Ein morschgewordnes Monument errichtet
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In thränenfeuchtem, blutvermischtem Staube,
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Ihm selber ist mein Requiem gedichtet;
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Ein Requiem – mein Herz in jeder Note –
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Ein Lied, in meiner Einsamkeit erdacht,
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In treuer Menschenliebe dargebracht
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Als meiner Geistesfreiheit stolzer Bote.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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