[die Krone nicht, die dir vom Haupt gefallen]

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Ludwig Ferdinand) (Schmid Dranmor: [die Krone nicht, die dir vom Haupt gefallen] (1855)

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Die Krone nicht, die dir vom Haupt gefallen,
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Und nicht das Scepter, das sich deiner Hand,
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Der weichen, jugendwarmen, rasch entwand,
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Als du, umringt von kriechenden Vasallen,
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Ein deutscher Fürst auf Montezumas Thron,
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Als Retter einer siechen Nation
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Von Wahrheit, Freiheit, Ruhm und Glück gesprochen,
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Nein! – nicht der Gram um den betrog'nen Drang
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Des Kaiserherzens – nur dein letzter Gang,
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Dein Heldentod hat mir das Herz gebrochen.

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Ich bin der Letzte in der Dichter Reihen;
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Mein schwaches Wort hat keinen Widerhall, –
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Darf ich der Trauer, die sich überall
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Zum Himmel wendet, meine Stimme leihen?
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Ach! was berechtigt meines Geistes Flug?
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Bin ich verblendet, ist es nicht genug,
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Wenn ungesehen meine Thränen fließen,
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Nicht besser, wenn der Sturm sich langsam legt?
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Ich weiß es nicht – was mich so tief bewegt,
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Ich kann es nicht in meine Brust verschließen;

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Es muß hinaus zu all den Edlen, Guten
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Jenseits des Meeres, zu der dichten Schar,
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Die Blumen wirft auf den geschoss'nen Aar,
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Und auch zu denen, die sich still verbluten.
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Ich grüße jeden, der um ihn geweint;
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Sein Tod hat uns gehoben und vereint
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In dieser Zeit, der unheilvollen, kranken.
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Wohl allen, die ein gleicher Schmerz gebeugt,
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Wohl den Betrübten – nur der Schmerz erzeugt
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Die großen, die versöhnenden Gedanken!

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Nun er dahin, sind sie gestorben beide,
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Die den entzückend schönen Traum gelebt
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Die Herz an Herz geschwärmt, gehofft, gebebt
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Und sich getrennt in namenlosem Leide,
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Als durch die Finsternis ein einz'ger Stern
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An dem umwölkten Horizonte fern,
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Bezaubernd, lockend, unerreichbar glänzte,
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Und sie, durch Abschiedsthränen lächelnd, blind
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Sich selbst vertrauend, ein verwöhntes Kind,
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Ihr dunkles Haar mit Immortellen kränzte.

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O Frage, die auf meinen Lippen zittert:
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Sind sie vereinigt in des Himmels Glanz?
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Die Hochzeitskrone ward zum Dornenkranz,
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Die königliche Blume ward zerknittert;
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Die letzte Hoffnung hat der Wind entführt,
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Ein Dämon hat die Stirne dir berührt;
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Ein Geistesmörder, der des Todes Schatten,
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Verlass'nes Fürstenkind, heraufbeschwor,
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Daß deine Seele sich in Nacht verlor,
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Ach! in die Grabesnacht des fernen Gatten.

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Sein Schicksal ist erfüllt, der Kampf beendet,
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Der Kelch geleert. Verläumdet und verkannt,
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Verraten und im Schlafe übermannt,
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Hat seinen Todesgruß er dir gesendet
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Und segnend dein gedacht, du holde Fee ...
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Sein Lebewohl trug die geliebte See
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Hinüber an die heimischen Gestade. –
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Das war der großen Laufbahn schönster Schluß:
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Für dich sein letzter Hauch, sein letzter Kuß,
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Für dich und ihn des Weltenschöpfers Gnade.

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Er sprach es selbst, er hat es hingeschrieben,
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Dein milder Herr, dein zärtlicher Gemahl:
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»angstvolle Tage, Sorgen ohne Zahl,
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Enttäuschung, Not, sind mir allein geblieben,
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Seit du, mein guter Engel, nicht mehr hier.
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Du warst mein Hort, mein Stolz und meine Zier –
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Geduld! – wenn deiner Seele düst'rer Schleier
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Zur Erde fällt – dann komm' an Gottes Hand
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Hinüber in ein neues Vaterland,
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Hinüber zu der neuen Hochzeitfeier.«

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O Trost! o süße Zuversicht! Wer solche
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Entsagung kennt, wer solche Hoffnung nährt,
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Wenn Menschensatzung sich als Trug bewährt,
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Der lächelt über die gezückten Dolche,
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Dem schnitt ein and'rer Stahl das Herz entzwei,
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Und in die Nacht hinaus ertönt sein Schrei:
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»hier bin ich, bindet mich, ihr Missethäter!
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Ich scheide ohne Furcht und ohne Groll;
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Ich scheide gerne, denn das Maß ist voll –
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Sei mir willkommen, Judas, mein Verräter!«

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Und doch! – es ist nicht spielend überwunden,
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So lang' es stürmisch an die Schläfen pocht.
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Wer ist der Starke, der es stets vermocht,
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Zurückzuscheuchen der Verzweiflung Stunden?
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Der Tod ist alt, das Leben ewig jung –
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Auch Männerstirnen darf Erinnerung,
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Darf Todesscheu mit schwerem Tau befeuchten;
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Hier nur ein schwarz behangener Altar,
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Hier Grabesschauer, drüben Miramar,
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Dort Sonnenschein und hier Gewitterleuchten!

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So siegessicher war er ausgegangen;
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So strahlend, so berauschend schien sein Los;
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Das Schicksal warf ihm alles in den Schoß,
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Was Menschenkinder kennen und verlangen;
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Juwelen blitzten auf der jungen Brust,
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Sein war die Welt mit ihrer vollen Lust –
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Doch sein der Ruhm bei des Versuchers Rufe:
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»du bist der Auserwählte, du allein;
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Erhebe dich! dein Bruder will ich sein;
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Auch dir gebührt des Thrones höchste Stufe.

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Und weiter, weiter auf der goldnen Brücke –
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Ein Schritt, ein Jawort, und es ist geschehn,
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Daß dort, wo Palmen dir entgegenwehn,
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Cäsaren-Purpur deine Schultern schmücke?«
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Und dann? – Nichts als ein Trugbild, schnell entflohn,
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Der Siegesmarsch ein bloßes Abenteuer;
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Und gestern? – des Patroclos Treuebruch,
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Und heute? – der Barbaren Urteilsspruch,
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Und morgen? – Ach! – das mörderische Feuer.

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Erhabne Bilder, hehre Traumgestalten
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Umwallten ihn. Verloren war das Spiel;
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Sein Einsatz war zu groß, er gab zu viel,
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Er gab es selbstbewußt, seit in der kalten
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Nordischen Nebelnacht sein Stern erblich;
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Seit die Erkenntnis dessen ihn beschlich,
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Was er gelobt, erstrebt, was er besessen.
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Erschüttert schritt er hin zur Totenschau,
118
Und ihm war nicht vergönnt, die bleiche Frau
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Noch einmal an das arme Herz zu pressen.

120
Vorbei! – Er hat sich mannhaft aufgerichtet,
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Und wessen seine Jugend sich erkühnt,
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Mit diesen Worten ist es nun gesühnt:
123
»verzeihung dem, der mir die Bahn gelichtet!
124
Da hinter mir die Schiffe abgebrannt,
125
Nun ich mich ganz geopfert und verbannt,
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Dem Volke, das uns tötet, meinen Segen!
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Gefährten, Brüder! Alles ist bereit
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Zu süßer Ruhe in der Ewigkeit,
129
Zu Licht und Freiheit nach dem Kugelregen.« –

130
Der Tod befreit von sehnsuchtsvoller Reue.
131
Dein früher Hingang war dein schönster Sieg;
132
Ein Engel, der empor zum Aether stieg,
133
Rief aus den Wolken: »Stirb für deutsche Treue,
134
Für das zerriss'ne, blutige Panier!
135
Betrogner Fürstensohn! dein Platz ist hier,
136
Nicht in verblaßter Rosen schlaffen Ketten.
137
Es schützt dich fürder keine Menschenmacht,
138
Und was du selbst empfunden und gedacht,
139
Das sagtest du den fremden Bajonetten.«

140
Als Deutschlands Hamlet, aber ausgestattet
141
Mit jenem Willen, der ins Weite schweift,
142
Der an des Firmamentes Leuchten streift,
143
Doch in der Erde Dunkel rasch ermattet,
144
So stand der Jüngling an der Väter Gruft;
145
Nicht in der Königssäle Kerkerluft
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Hat er als Mann ein Lorbeerblatt erworben;
147
Er war der Träumer und der Held zugleich,
148
Der in der neuen Welt ein neues Reich
149
Verkündet und für seinen Wahn gestorben.

150
Gestorben, weil der Freund ihn überlistet,
151
Der ihm den Degen von der Seite riß?
152
Gestorben – nur an einer Schlange Biß,
153
Die sich in seinem Busen eingenistet?
154
Nein! – Mit dem Wahne kam das Strafgericht;
155
Ein Herrscher sieht die finstern Mächte nicht,
156
Die ihre sich're Beute stets umlauern –
157
Er wollte Samen auf Ruinen streun
158
Und an der reichen Ernte sich erfreun
159
In einer Kaiserburg mit morschen Mauern.

160
O Sterne dort am dunklen Himmelsdome,
161
Säuselnde Palmen, ungestümes Meer!
162
Selbst eure Grüße scheinen inhaltleer,
163
Wenn wir, beirrt durch gaukelnde Phantome,
164
Verschmäh'n, was unser ist, was uns beschränkt;
165
Wenn wir vernichten wollen, was uns kränkt! –
166
Wir sind bestimmt, zu straucheln und zu büßen;
167
Doch wenn ein König hingeht, voller Huld,
168
Vergessen wir die allgemeine Schuld
169
Und stürzen weinend hin zu seinen Füßen.

170
Ich bin gewohnt, einsam um dich zu ringen,
171
O Geistesfreiheit! – Laß, was mich entsetzt,
172
Vorübergeh'n; ein Schleier decke jetzt
173
Den Mann des Jammers mit den Silberlingen
174
Und jenen Indier auf dem Richterstuhl,
175
Und den Versucher in dem Sündenpfuhl,
176
Der so viel Perlen in den Staub getreten;
177
Verhülle meinen Augen ihr Geschick!
178
Nicht allumfassend ist des Dichters Blick,
179
Und nur sein Herzschlag macht ihn zum Propheten.

180
Die Trauerfackeln kommender Geschlechter
181
Hat eine Flintensalve angefacht
182
Tief in der Wildnis, in der Tropenpracht,
183
Wo ein Verwaister, Edler und Gerechter,
184
Ein blonder Cäsar sich als Held erprobt.
185
Und wenn die Leidenschaften ausgetobt,
186
Dann werden reine Thränen nur die Kunde
187
Begleiten von des Träumers Golgatha,
188
Und dann sind Hamlet und Ophelia
189
Unsterblich in des deutschen Volkes Munde.

190
Der Wiege eingedenk, der du entsprossen,
191
Gingst du getrost dahin, als deine Frist
192
Zerronnen war. Wohl dir, mein Fürst! noch ist
193
Der Doppeladler nicht durchs Herz geschossen;
194
Dein Blut verleiht ihm neuen Lebenssaft:
195
Des Schmerzes Stolz, des Unglücks hohe Kraft –
196
O Tau des Himmels für die Stirn des Denkers!
197
Du bist gestorben für der Völker Heil;
198
Dir ward des Menschenstrebens bester Teil:
199
Verklärung an der Brust des Weltenlenkers.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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