Was ich bin und was ich habe

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ludwig Ferdinand) (Schmid Dranmor: Was ich bin und was ich habe Titel entspricht 1. Vers(1855)

1
Was ich bin und was ich habe,
2
Liebste! dank ich dir allein;
3
Ohne dich wo würd' ich sein?
4
Nirgends als im kalten Grabe.
5
Doch du hast mich gut gepflegt
6
Und in Stürmen und Gefahren
7
Tröstend, schon seit manchen Jahren,
8
Dich an meine Brust gelegt.

9
Bösen Kummer, schwarze Grillen,
10
Weggeplaudert hast du sie.
11
Dich betrüben mocht' ich nie;
12
Immer that ich deinen Willen,
13
Und wie wenig meiner Art
14
Kinderlaunen sonst behagen,
15
Dir verzeih' ich alle Plagen,
16
Die selbst du mir nicht erspart.

17
Und es kommt mir sehr zu statten,
18
Daß du keine Dame bist
19
Voller Trug und Hinterlist,
20
Keiner Schwiegermutter Schatten,
21
Keine Puppe, steif und stolz,
22
Gleich verwundert und betroffen,
23
Angethan mit schweren Stoffen,
24
Und darunter leichtes Holz.

25
Nein! Von wohlgeratnem Gusse
26
Bist du, fein und zierlich zwar,
27
Wie ich's liebe, ganz und gar;
28
Aber von des Unglücks Kusse
29
Blieben deine Lippen bleich.
30
Deshalb nenn' ich dich die Meine,
31
Und dein Herz, du arme Kleine,
32
Macht mich unermeßlich reich.

33
Zitternd kamst du hergeflogen,
34
Und der Klausner hielt dich fest;
35
Seines Strebens ganzen Rest
36
Hat dein Lächeln aufgewogen;
37
Kind und Gattin bist du mir –
38
Alle Dichter schwärmen gerne;
39
Aber selbst aus dunkler Ferne
40
Kam ich wieder heim zu dir.

41
Hätt' ich jene Riesenfeder,
42
In des Aetnas Schlund getaucht,
43
Die ein andrer schon gebraucht,
44
Lesen müßte bald ein jeder,
45
Was ich mit gewalt'ger Hand
46
An die Himmelsdecke schriebe
47
Der zu Ehren, die ich liebe,
48
Deren Herz das meine fand.

49
Doch wie konnt' ich daran denken,
50
Ich, ein sonst vernünft'ger Mann,
51
Was sie gar nicht lesen kann,
52
Deutsche Verse ihr zu schenken?
53
Ach! ich habe jederzeit
54
Das nur niederschreiben wollen,
55
Was dem Herzen mir entquollen,
56
Nicht der Dichtereitelkeit.

57
Laß denn die Poetengabe
58
Diesmal dir willkommen sein;
59
Was ich hier für dich allein
60
Schüchtern eingeschaltet habe,
61
Ist nur deshalb ein Gedicht,
62
Weil ich nicht genug gepriesen
63
Was du Liebes mir erwiesen,
64
Aber das – das glaubst du nicht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.