Durch die Wellen flog der Schoner, auf und nieder ging der Kiel

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Ludwig Ferdinand) (Schmid Dranmor: Durch die Wellen flog der Schoner, auf und nieder ging der Kiel Titel entspricht 1. Vers(1855)

1
Durch die Wellen flog der Schoner, auf und nieder ging der Kiel,
2
Frische Brise in den Segeln, vor den Augen unser Ziel.

3
»fort von den Kanonen, Jungens! – Sendet keinen Gruß ans Land;
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Schweigend refft die Segel, schweigend werft den Anker in den Sand!«

5
Drohend steigst du aus den Wassern, von vulkan'scher Kraft erzeugt,
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Florumhüllter Fels, vor dem sich zitternd eine Welt gebeugt.

7
Früher reichten deine Schatten weiter als die salz'ge Flut,
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Wenn du deine Krone tauchtest in der Abendsonne Glut,

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Wildnis, deren Trauerweiden eines Cäsars Grab umzäunt,
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Tropenhimmel, der du huldvoll eine Marmorstirn gebräunt.

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Weil ich dieser Ankerstelle später Gast geworden bin,
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Soll auch ich mein Haupt verbergen in zerriss'nem Hermelin,

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Wenn Millionen Sterne funkeln, süßer Tau herniedertropft,
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Daß mein Herz in neuer Frische an die morschen Rippen klopft?

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Doch nicht dein Erwachen ist es, was mir in die Seele schleicht,
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Rausch der Jugend, der nur selten mich begeistert und erweicht.

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Kälter ist mein Blut geworden, freier ist mein Forscherblick,
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Seit zum Manne mich gehärtet ein gewaltiges Geschick.

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Muse, holde Himmelstochter! Freundlich hast du mir gelacht;
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Doch aus deinen Zauberhainen mußt' ich in des Lebens Schlacht.

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Du versagst dem Ungetreuen einen Druck der zarten Hand;
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Doch berührt in guten Stunden seine Schläfen dein Gewand.

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Selten naht die wahre Weihe; ungern rauscht sie übers Meer;
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Oft ein einziger Gedanke, und die Brust ist wieder leer.

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Wenn ich's heute fassen könnte, was auf einmal mich ergreift,
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Was nach sturmbewegten Jahren zum Propheten mich gereift!

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Sanct-Helena! Grünes Eiland! Dir erklinge dies Gedicht,
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Weht auch vor entweihten Gräbern meine Seemannsflagge nicht.

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Mein sei diese Nacht; es dränge sich kein schlotternder Popanz
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Zwischen meine matten Augen und den überird'schen Glanz.

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Sterne, seid ihr andre Welten? Nährt ihr ängstlich eine Brut,
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Menschenähnlich, gottesfürchtig, heute schlecht und morgen gut?

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Hier in Finsternis versunken, dort dem Lichte zugekehrt,
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Ein Geschlecht, das ewig grübelt, ewig leidet und begehrt?

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Nie den Schöpfungsdrang verleugnet, gern an Geistesblüten nascht
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Und mit seinen Adlersklauen nur ein ärmlich Glück erhascht?

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Sterne, teilt ihr mit dem Erdball gleiche Zukunft, gleiches Sein,
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Lebenswärme, Fortschritt, Wissen, Liebeslust und Todespein?

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Seid ihr flatternde Signale, Larven, wunderbar erhellt,
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Und als stumme Satelliten einer Herrin zugesellt?

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Fragen, die kein Denken fördert, heil'ge Rätsel, die sich nie
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Kalter Wissenschaft entziffern – ihr gehört der Poesie.

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Freudig ahnen's ihre Priester, rufen's in des Weltalls Dom:
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Du allein, o Mutter Erde, bist kein schlummerndes Atom!

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Laßt mir diesen Dichterglauben, gönnt mir meinen schönen Traum,
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Lichter über mir, ihr flackert an der Erde Weihnachtsbaum!

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Was bedeutet ein zerschellter, meerumrauschter Fürstenthron,
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Wenn wir uns verloren wissen in der Welten Legion?

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Sanct-Helena, Totenhügel! Deine Schatten reichten weit;
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Denn in deinem Schoß gebettet lag das Wunder seiner Zeit.

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Ja, er hieß der Größten einer; kühn war seines Geistes Flug,
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Als ihn noch des Glückes Göttin durch der Völker Reihen trug;

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Als er mit gezücktem Schwerte, als er mit besporntem Fuß
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Euch, ihr Könige Europas, dankte für den Brudergruß.

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Trommelschlag und Kriegsfanfaren – das war liebliche Musik
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Für den Spätling des Jahrhunderts, für das Kind der Republik.

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Als von rauchenden Ruinen ihn ein gnädig Los getrennt,
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Da umfloß die Wasserwüste eines Riesen Postament;

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Denn der Fels, den seiner Feinde Argusaugen ausgespäht,
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War des großen Mannes würdig, der so bitter ihn geschmäht.

61
Und wie war es gut zu wohnen droben unterm Palmenzelt!
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Schiffe zogen stolz vorüber, jedes eine kleine Welt,

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Schwerbeladne Gallionen, mit der reichen Handelsfracht
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Friedenselemente bringend, Zeugen neuer Erdenmacht,

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Boten einer neuen Zukunft, ohne kriegerischen Spuck,
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Wo der Eintracht Banner wallen als der Völker schönster Schmuck.

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Doch in des Verbannten Busen wogte nimmersatter Haß;
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Bei des Meeres freiem Gruße wurde nie sein Auge naß.

69
Ein besiegter Gladiator, der mit offnen Wunden prunkt,
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War er noch, in seinem Wahne, aller Dinge Mittelpunkt.

71
Wenn ein Hirsch in Todesnöten durch die blut'gen Büsche bricht,
72
Birgt er sich an dunkler Stelle vor des Jägers Angesicht;

73
Hört er der Verfolger Schritte, fanden sie die rote Spur,
74
Wendet er den Blick gen Himmel – so gebot es die Natur.

75
Wenn ein Dulder sich verblutet, wenn des Weisen Stunde schlägt,
76
Wohl ihm, daß er seines Wirkens Nichtigkeit im Herzen trägt!

77
War es solche Selbsterkenntnis, die auch jenes Herz beschlich?
78
Frankreich war sein letzter Seufzer, – Frankreich war sein eignes Ich.

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Was die Liebe nicht befruchtet, schwindet in der Zeiten Lauf;
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Ewig kreisen die Planeten, ewig geht die Sonne auf.

81
Doch nur wen'ge Saaten reifen an dem Borne ew'gen Lichts;
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Wahre Glaubenshelden kämpfen im Bewußtsein ihres Nichts,

83
Weinen diamantne Thränen, und sie geben freudig hin,
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Was in ihren Adern rieselt, jeder Tropfen ein Rubin,

85
Edelsteine, einzureihen in der Menschheit Diadem,
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Opfer männlicher Entsagung, selten nur und unbequem.

87
Leichter ist es, fortzuschwimmen mit dem Strom der Gegenwart;
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Leichter, menschlicher Bethörung zu bezahlen seinen Part;

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Rätselhaft des Himmels Fügung, wie sie langsam sich erfüllt,
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Licht und Schatten täglich wechselnd und die Zukunft stets verhüllt.

91
In verhängnisvollen Stunden hat ein Schauspiel sich erneut,
92
Das den Denker nicht befriedigt und den Dichter nicht erfreut.

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Die, der Freiheit Fahne schwingend, an ihr eignes Selbst geglaubt,
94
Haben des Tyrannen Asche, Sanct-Helena, dir geraubt.

95
Ihres Willens frommer Träger war ein edler Königssohn,
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Und der Neffe deines Toten sitzt auf seines Vaters Thron!

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– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
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– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

99
Noch versinkt im Meeresgrunde, wer Sirenenstimmen lauscht,
100
Und verloren ist der Schwimmer, dem das Glück vorüberrauscht.

101
O des wandelbaren Glückes! – Umgeschlagen sei das Blatt;
102
Keine Fackeln will ich schleudern in das Thal von Josaphat.

103
Nicht das Jetzt gehört dem Dichter; fernen Klängen lauscht er gern;
104
Durch der Zukunft Finsternisse folgt er seinem guten Stern.

105
Wenn der Gegenwart Bedrängnis ihm die Phantasie erhitzt,
106
Tröstet ihn der Himmelsfunke, der in seinem Hirne blitzt.

107
Eines nur dem Tageshelden, den mein Lied nicht feiern kann:
108
Wenn die Sanduhr ausgelaufen, stirb als Cäsar und als Mann!

109
Stirb umringt von Feindesscharen, nicht auf einem Felsenriff;
110
Mit dem eignen Blute zahle einen kaiserlichen Griff.

111
Stirb mit jener Soldateska, die ihr Schicksal dir geweiht;
112
Auch mit ihrem Blute sühne Thaten, die nur Gott verzeiht.

113
Sanct-Helena, Ruhestätte, dir erklinge mein Gesang!
114
Frieden fordert das Jahrhundert, welches deinen Gast bezwang.

115
Tauche deine Nebelkrone in der Morgensonne Glut,
116
Denn der menschliche Gedanke zittert durch die salz'ge Flut.

117
Neues Leben strömt hernieder, neues Leben wallt empor,
118
Und gelichtet sind die Pfade zu des Tages goldnem Thor.

119
Nicht im Dom der Invaliden, nein, umrauscht vom Ocean,
120
Ruf' ich: Großes ist im Werden, ruf' ich: Großes ist gethan!

121
Gläubig schau' ich zu den Sternen und verkünde Gottes Wort:
122
Licht und Schatten mögen wechseln, doch die Erde schreitet fort.

123
Auf zerrissenen Standarten liegt des Feldherrn Lorbeerkranz –
124
Weiter schweifen meine Blicke, – dir, o Zeit, gehör' ich ganz!

125
Eisenbahnen, Telegraphen, Handelsflotten möcht' ich bau'n
126
Und durch Riesenteleskope ferne Horizonte schaun.

127
Mutter Zeit, du wunderbare! Freiheit, süßes Himmelsbild,
128
Eure besten Kämpen führen einen Pflug im Wappenschild.

129
Die Verheißung ist gekommen und die Hoffnung wieder da:
130
Unsre neuen Wallfahrtsorte heißen Suez, Panama.

131
Unsre neuen Ritter tragen in der Faust ein grünes Reis;
132
Dank der Kinder und der Enkel ist des Siegers schönster Preis.

133
Eine blütenvolle Zukunft, Lorbeern, die kein Feldherr fand,
134
Harren deiner tapfern Söhne, o mein deutsches Vaterland!

135
Nirgends grünen Paradiese; doch, befreit von Hungersnot,
136
Wird ein junges Volk gedeihen in der Tropen Morgenrot.

137
Reichgeborne Müßiggänger, die des Lebens wärmster Kuß
138
Nicht entflammt zu kühner Sehnsucht, nicht bewahrt vor Ueberdruß,

139
Ihr verlacht die heil'ge Flamme, die in meinem Herzen brennt;
140
Weiber, Pferde, Histrionen – das ist alles, was ihr kennt.

141
Schämt euch solcher Sklavenketten, und in jugendlichem Zorn
142
Streut in blühende Savannen eurer Väter goldnes Korn!

143
Streut es aus mit beiden Händen – andre darben, macht sie satt!
144
Glücklich sein ist glücklich machen, geben, was man selbst nicht hat.

145
Neue Saaten laßt gedeihen, Schmerzen lindert, Wunden heilt
146
Dort, wo keine Menschensatzung ängstlich Luft und Licht verteilt,

147
Und durch tausendjähr'ge Wälder dringe eurer Aexte Schall
148
Dort, wo Arbeit mehr bedeutet als des Wucherers Metall!

149
Trauert ihr, weil aus Palästen die Zufriedenheit entfloh?
150
Kommt! In selbsterbauten Hütten wird die Seele wieder froh.

151
Auch dem Schwächling frommt die Lehre, dem ein seichtes Lied gelang
152
Mit erkünstelten Gefühlen, Mondscheinseufzern, Becherklang.

153
Dichter, gürtet eure Lenden und vergießt den sauren Wein –
154
Nur mit schöpferischen Thaten will die Zeit gefeiert sein!

155
Ach, die Muse ringt mit Fragen, deren Lösung ich versäumt,
156
Ich, der über Reime brütend von Unsterblichkeit geträumt.

157
Manchem ist es so gegangen ... Doch der Morgen rückt heran;
158
Frischer weht's, und wieder fühl' ich deinen Herzschlag, Ocean.

159
Schon so lange, kleiner Schoner, trau' ich deinem müden Kiel;
160
Meine Heimat bist du heute, und das Meer ist mein Asyl.

161
Ich, geboren unter Hirten, dort wo Milch und Honig fließt,
162
Find' ich so den Preis, der würdig eine weite Laufbahn schließt?

163
Nicht mehr blind von süßen Thränen zieh' ich in die Welt hinaus;
164
Schwüle, sorgenschwere Jahre trennen mich vom Vaterhaus.

165
Hui, wie mir die grünen Aehren ein Gewittersturm zerschlug,
166
Wenn ich meines Lenzes Früchte auf den großen Weltmarkt trug!

167
Oft auch hat es trotz des Sommers in den Garten mir geschneit;
168
Manches reut mich, doch die Reue läßt mein Herz voll Bitterkeit.

169
Opfern kann ich mein Bewußtsein, untergehn mit leichtem Sinn;
170
Doch für all die Seelenmarter ist zu elend der Gewinn.

171
Könnt' ich ohne Gram und Reue, ohne Furcht und Leidenschaft
172
An ein letztes Glück verschwenden meines Herzens letzte Kraft!

173
Strahl der Liebe, bess'rer Glaube, der du mein Geschick gelenkt,
174
Alles hast du mir verheißen und wie wenig mir geschenkt!

175
Nicht verschmäh' ich mehr, was früher meinem Streben nicht genügt;
176
Dem Gesetz, dem allgemeinen, hab' ich endlich mich gefügt.

177
»herz, mein Herz, warum so traurig, und was soll dein ew'ges Ach?«
178
Sehnst du dich nach Weib und Kindern und nach einem schatt'gen Dach?

179
Nach der Hunde frohem Bellen, wenn man abends heimwärts zieht
180
Und von ferne durch den Nebel seinen Schornstein rauchen sieht?

181
Dich ersehn' ich, Seelenruhe, suche dich vom Süd zum Nord;
182
Kommst du je zu mir, dann werf' ich meine Lyrik über Bord;

183
Denn nicht Selbstbetrachtung ist es, was des Mannes Nerven stählt.
184
Stünden neue Pfade offen, – wohl, ich hätte bald gewählt.

185
Doch die Würfel sind gefallen, und mein Hoffen ward zum Traum;
186
Meine wuchernden Gedanken keimen über Zeit und Raum;

187
Und sie wachsen unaufhaltsam, wachsen bis in späte Zeit,
188
Wenn ich traurig bin in meiner grenzenlosen Einsamkeit.

189
Keine Hekatomben feiert eines Sängers Phantasie:
190
Menschen, Brüder, Mitarbeiter! Dieses Herz erschöpft ihr nie.

191
Und es wendet sich für immer von der leeren Felsengruft,
192
Träumt von tausend grünen Inseln, schwimmend in der Tropen Duft;

193
Träumt von deutschen Kolonieen, wo die deutsche Flagge weht,
194
Sieht ein Reich, in dessen Grenzen nie die Sonne untergeht.

195
Ja, das ist der Hauch des Frühlings, der des Dichters Busen schwellt:
196
Deutschland, dir gehört die Palme! Deutschland, dir gehört die Welt!

197
Fern von deinen Eichenforsten, auf den Wellen sei ich hier
198
Deiner künft'gen Größe Barde, deiner Freiheit Pionier.

199
Ja, der Morgen ist gekommen, wie ein flammendes Symbol –
200
Auf, ihr Schläfer, löst die Segel! – Sanct-Helena, lebe wohl!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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