Rein die Luft, der Himmel spiegeleben

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Ludwig Ferdinand) (Schmid Dranmor: Rein die Luft, der Himmel spiegeleben Titel entspricht 1. Vers(1855)

1
Rein die Luft, der Himmel spiegeleben;
2
Nur daß über jener Berge Kranz
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In der Abendsonne mattem Glanz
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Weiße Wolken langsam sich erheben.
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Unter mir die Schlucht,
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Palmengruppen, schwellende Bananen,
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Steingerölle, Häuser mit Altanen
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Und die vielbesungne Inselbucht.

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Rio de Janeiro! In der frühen
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Dämmrungsstunde ruhst du, schon besiegt,
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Um die Hügelkette hingeschmiegt,
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Sterbend nach des Tages heißen Mühen.
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Bis der Morgen graut,
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Bis die Hähne von den Dächern krähen,
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Wird der Tod die Opfer auserspähen,
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Die das Los ihm heute angetraut.

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O des Schattens auf dem Zauberbilde! –
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Dunkle Färbung liegt auf Wald und Flur;
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Kräftig weht der Odem der Natur
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Durch der Tropen blühende Gefilde;
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Und den Herrscherstab
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Führt in diesem Reiche kein Herodes;
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Doch ist dies das Land des jähen Todes
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Und des Fremdlings nimmersattes Grab.

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Eden, wo des Geistes Blüten sterben,
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Schönes, aber unwirtbares Land,
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Wildnis, von verschwenderischer Hand
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Auserwählt, um elend zu verderben.
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Durch die reine Luft
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Zittern unsichtbare Fieberschauer,
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Und der Denker schaut, in tiefer Trauer,
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Nieder auf die große Totengruft.

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Schleichend kam der Feind; doch immer fester,
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Immer rascher, kühner ward sein Gang.
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Seine Herkunft ist ein Schreckensklang,
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Pest die Mutter, Cholera die Schwester;
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Mitleidslos sein Blick,
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Der aus schwarzen Augenhöhlen zündet.
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Unerwartet, ach! und unergründet
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Kam er, wie ein rächendes Geschick.

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Ausgespieen von Guineas Küste,
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Deren arme Kinder Ihr geraubt,
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Ihr, die an Vergeltung nie geglaubt,
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Stillt er jetzt dämonische Gelüste;
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Aber selten bricht
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Er mit kecker Faust des Sklaven Ketten,
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Geht vorüber an der Henker Betten,
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Nur die fremden Gäste schont er nicht.

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Für den Frevel muß die Unschuld büßen;
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Hier ist Untergang ihr sichrer Lohn.
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Flehend krümmt des Nordens blonder Sohn,
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Todesengel! sich zu deinen Füßen;
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Doch dein Atem haucht
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Trübe Wolken vor des Tages Helle,
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Wenn in unsers Lebens tiefste Quelle
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Ein Vergifter seine Finger taucht.

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Schiffe dort! Was heimischen Gestaden
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Ihr entrissen, fordern sie zurück:
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Frisches Hoffen, jugendliches Glück,
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Und ihr geht verwaist und grambeladen.
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Welche Kunde fliegt
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In die fernen, heimatlichen Gauen,
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Zu den Bräuten, zu den holden Frauen
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Von der Mannschaft, die im Sterben liegt?

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Mutvoll in die weite Welt gegangen
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War der Jüngling – und die erste Fahrt
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Hat ihn vor Enttäuschung nicht bewahrt,
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Nicht vor hohlen Augen, fahlen Wangen,
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Seit er dich erreicht,
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Schlachtfeld ohne Ruhm und ohne Ehre;
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Denn vor Seuchen schützt ihn keine Wehre,
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Wenn das Glück von seiner Seite weicht.

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Eitel war der Kampf, umsonst befeuchten
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Der Verzweiflung Thränen seinen Pfühl – –
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Nervenzucken nennt ihr das Gefühl,
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Den Gedanken bloßes Phosphorleuchten?
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Keine Ewigkeit
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Wartet derer, die der Staub geboren? –
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Wohl! – Doch alle Weisheit ist verloren,
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Wenn die Kreatur zum Himmel schreit,

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Wenn kein Lichtstrahl aus den stummen Räumen
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Niedergleitet in die grause Nacht. –
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Fort von hier! – Hinunter in die Schlacht!
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Besser das, als unter Palmen träumen.
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Brüder, nicht allein
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Will des Fiebers Krallen ich enteilen;
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Besser ist es, euer Los zu teilen;
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Euer Grab soll auch das meine sein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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