Spätherbst. – Wir schritten langsam durch den Wald

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Ludwig Ferdinand) (Schmid Dranmor: Spätherbst. – Wir schritten langsam durch den Wald Titel entspricht 1. Vers(1855)

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Spätherbst. – Wir schritten langsam durch den Wald
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Zur Dämmrungszeit, ermüdet und verdrossen,
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Da sprach ich zu dem wackern Jagdgenossen:
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»freund, laß uns hier ein Weilchen ruhn!« – Und bald
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Erstarben uns die Worte auf den Lippen.
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Im Busche hörten wir den Nachtwind säuseln,
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Das tote Laub zu unsern Füßen kräuseln,
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Und alte Birken sahn wir, gleich Gerippen,
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Im schwarzen Moorgrund; Schatten, riesenhaft,
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Umflogen uns und huschten rasch vorüber;
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Des Tages Nachglanz wurde bleicher, trüber.
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Unheimlich war es in der Nachbarschaft;
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Ein sonderbares Regen in den Zweigen,
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Sonst alles tiefes Schweigen. –
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Ich schlief nicht, träumte nicht; ein Schleier lag
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Auf mir, doch blieb ich meiner Sinne mächtig –
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Und da, in meiner Nähe, übernächtig,
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Erschien mir plötzlich, blendend wie der Tag,
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Ein Bild, das schmerzliche Erinnrung weckte.
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Du warst es, stolze Lady Margaret,
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Du, deren Liebe ich umsonst erfleht,
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Du, deren Sarg mit Kränzen ich bedeckte –
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O langbeweinte, herrliche Gestalt!
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Du saßest wieder auf dem weißen Pferde
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Wie einstmals. – Ließ der Liebe Allgewalt
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Dir keine Rast in halberstarrter Erde?
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Ich sah dich auf den Hals des Zelters klopfen;
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Aus deinen Augen fielen schwere Tropfen
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Auf deine holde, oft geküßte Hand.
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Vorbei, vorbei! – Ein Winken mit dem Tuche,
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O teures Antlitz, das ich ewig suche,
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Ein letzter Blick – und die Erscheinung schwand.
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Und sprachlos starrend in des Waldes Düster
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Vernahm ich jetzt ein Rauschen, ein Geflüster –
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Mir drang es in die Brust wie Grabeshauch.
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Lebendig aber wurden Baum und Strauch
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Und warfen mir, der Geisterwelt Erwachen
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Begrüßend, leise diese Worte zu:
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»gestorben, ja gestorben bist auch du – –«
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Und in der Ferne dann ein hohles Lachen.
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War's eitel Täuschung? Fragt den Dichter nicht!
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An meiner Seite fand ich den Gefährten,
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Den treuen Freund, den starken, vielbewährten;
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Ein blasser Mondstrahl fiel auf sein Gesicht.
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Erschüttert, wie ich nimmer ihn gesehn,
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Doch die gespannte Flinte unterm Arme,
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Ergriff er meine Hand, die fieberwarme,
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Und sagte: »Freund, wir müssen wieder gehn.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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