1.

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Ludwig Ferdinand) (Schmid Dranmor: 1. (1855)

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In fernen und gewitterschwangern Tagen
2
Floh durch die Pampa hin ein Reisewagen.

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Ein Gaucho, auf der Stirn das Todesmal,
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Ein Häuptling saß darin, ein General,

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Quiroga – von der heimatlichen Erde
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Nur eines fordernd: Pferde, frische Pferde!

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»ha, ein Gespann!« – das war sein steter Ruf –
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»mein Schicksal hängt an eines Rosses Huf.«

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Sein blutgetränktes Banner war zerrissen;
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Doch durch die Wildnis trieb ihn sein Gewissen.

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Er mußte sterben – und umsonst gewarnt
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Kam er von Córdova, verfolgt, umgarnt.

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»fort, fort!« – Ein Dämon spornte seine Flanken;
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Nach Buenos-Ayres flogen die Gedanken

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Dem Feinde zu, den die Geschichte kennt
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Santos Peréz war dessen Instrument.

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Ein Sohn der Pampa, grimmig, racheschnaubend,
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Dabei an eine hohe Sendung glaubend;

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Durchtobt von zügelloser Leidenschaft,
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Und doch – ein junger Baum voll edler Kraft.

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Beritten hält er dort mit Kameraden
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Im Busche, die Pistolen scharf geladen.

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Quiroga naht – Galopp und Peitschenknall
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Verkünden ihn. – Vorwärts! – Ein Schuß – ein Fall – –

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Durchs Auge ist die Kugel ihm geflogen,
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Die schwarze That, der grause Mord vollzogen.

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»jetzt«, ruft Peréz, »das andre abgethan:
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Begleiter, Diener – alle müssen dran;

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Die Messer her, die Hälse abgeschnitten!«
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Da kommt er auf den einen losgeschritten

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Und fragt: »Wer ist der kleine Postillon
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Dort auf dem Schimmel?« – »Meiner Schwester Sohn,«

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Antwortet jener; »o es wäre schade
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Für diesen Jungen; Gnade, Señor, Gnade –!«

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»was Gnade!« rast der Mörder; »er wie du! –
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Blut fordert Blut.« Ein Fluch – dann stößt er zu.

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Und von dem Leichnam wieder aufgesprungen,
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Faßt er am Fuß den armen Gauchojungen.

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Ein Knabe ist's – acht Jahre oder zehn –,
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Die Mutter hat ihn ungern ziehen sehn.

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Er aber, um den Onkel zu begleiten,
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Um einmal recht nach Herzenslust zu reiten,

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Bat lange, lange – und sie ließ ihn ziehn.
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Jetzt ist's zu spät, zu ihr zurückzufliehn.

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Wohl greift er krampfhaft in des Schimmels Mähne;
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Umsonst – zu Boden reißt ihn die Hyäne.

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Er fällt – des Henkers Messer ist gezückt,
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Und auf des Kindes Brust sein Knie gedrückt.

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Der Knabe windet sich in Todesschrecken;
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Die Thränen, ach, die sein Gesicht bedecken,

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Der Schweiß, der seine blonden Locken näßt,
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Die Angst, die keine Worte finden läßt,

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Des Kindes Wimmern, seiner Schwäche Zeichen –
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Nichts kann des Ungeheuers Herz erweichen,

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In seine Seele fällt kein Sonnenstrahl –
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Und in die Gurgel bohrt er ihm den Stahl.

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Er läßt die Leiche unbegraben liegen,
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Und sprengt davon – die Toten sind verschwiegen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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