2.

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Ludwig Ferdinand) (Schmid Dranmor: 2. (1855)

1
»es darf nicht sein.« Verhängnisvolle Worte –
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Da war ich mit dem krummgeschlagnen Hammer
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Auf einmal von des Paradieses Pforte
4
Zurückgesunken in des Lebens Jammer!
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Was ich gehört, sind's alberne Geschichten?
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So sagt' ich zu mir selbst in stiller Kammer;
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War's Uebertreibung, Prahlerei? Mit nichten!
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Ich hörte Wahrheit, kenne meinen Gast,
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Und will auf keine Möglichkeit verzichten.
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Behutsam vorwärts; thöricht war die Hast,
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Mit der ich fragte; endlich werd' ich's wissen,
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Was er verbergen will – ihn drückt die Last,
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Ich aber weiche nie vor Hindernissen.
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Und als ich so an dies und jenes dachte,
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Da hat die Phantasie mich fortgerissen,
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Daß ich die schale Gegenwart belachte,
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Und mich erging in Träumen, immer wildern,
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Und altes Holz zu kühner Glut entfachte.
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Paris mit seinen tausend Gaukelbildern,
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Des Lebens Freuden, Reichtum, Glanz und Ehre,
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Gedankenblitze, Wünsche, nicht zu schildern,
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Das stieg empor und trotzte jeder Lehre
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Und jeder Trübsal der Vergangenheit;
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Die düstre Regel: »Kämpfe und entbehre!«
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Vergessen war sie, und mein Herz befreit
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Von Aengsten und von drohenden Gewittern.
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O schnöde Welt, jetzt siehst du mich bereit,
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Dir Trotz zu bieten; mögen andre zittern
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Vor jenem Götzen, den sie Mammon nennen,
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Ich schlage mich zu seinen besten Rittern.
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Am Silberharnisch könnt ihr mich erkennen;
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Reich bin ich, reich – und diese Wahrheit soll
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Als Neid fortan auf eurer Seele brennen;
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In feiles Lächeln wandle sich der Groll,
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Den kalte Lippen mir so gern gespendet,
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Wenn ich, ein Sohn der Zukunft, ahnungsvoll
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Im Jugendrausche jenen Schatz verschwendet,
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Den keiner aus dem Busen mir gegraben,
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Seht her, der Bettler hat sein Werk vollendet!
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Fliegt jetzt herbei, ihr nimmersatten Raben,
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Der Träumer kann sein Glück mit Händen greifen;
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Ihr mögt von ferne eure Blicke laben
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An Früchten, die mir in der Sonne reifen!
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Stolz, wie Columbus einst am Steuer stand,
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So nahm auch ich den schmalen Purpurstreifen
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Am Horizonte für geschenktes Land;
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Doch war die Fieberhitze bald verflogen,
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Und als ich meine Ruhe wiederfand,
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Da dacht' ich: Oft genug ward ich betrogen;
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Als weiser Mann verkauf' ich nicht die Haut,
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Bevor ich sie dem Bären abgezogen,
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Erst nach dem Indianer umgeschaut,
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Der Ueberredung Pfeile abgeschossen,
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Und meine Schlösser langsam aufgebaut.
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Und als ich das erwogen und beschlossen,
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Ist mit Besuchen mir, mit stets erneuten,
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Vergebens eine lange Zeit verflossen.
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Mein brauner Nachbar ließ sich nicht bedeuten;
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Stumm blieb er, trotz des Diplomaten Kunst,
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Daß meine Schritte mich zuletzt gereuten.
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Nun schien mir das Geheimnis bloßer Dunst,
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Die goldne Brücke plötzlich abgebrochen,
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Und so, verzichtend auf des Schicksals Gunst,
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Verlebt' ich unbefriedigt Tage, Wochen. –
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Da kam der Wilde ungerufen wieder;
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Ich hört' ihn einst an meine Thüre pochen;
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Nacht war's, in Strömen fiel der Regen nieder,
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Daß mir die Störung unbequem geschienen,
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Und ich, ihm aufzuschließen, meine Glieder
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Nur mürrisch regte. Mit verstörten Mienen
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Und trüben Blickes kaum hereingeschwankt,
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Sprach er: »O möchtest du mir heute dienen!
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Mein Weib, mein armes Weib ist schwer erkrankt;
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Du rettest sie, – dort stehn so viele Flaschen, –
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Geh mit, es sei dir tausendmal gedankt.«
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Hier galt's, das Glück im Fluge zu erhaschen,
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Nicht, weil ich dieses oder jenes trieb,
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Von meinem Nimbus jetzt mich rein zu waschen.
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Ein solcher Anlaß war mir doppelt lieb,
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Und keine Fakultät wird mich bestrafen,
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Wenn der Gerufne nicht zu Hause blieb.
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Wir ritten schweigsam durch die Nacht und trafen
83
Des Indianers Gattin in Gefahr,
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Doch war sie bald getröstet eingeschlafen,
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Nachdem ich, was nicht meines Amtes war,
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Gethan, nach bestem Wissen und Ermessen.
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Am nächsten Morgen aber, sonderbar!
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Ist sie genesen fast, verlangt zu essen,
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Ruft uns herbei, gesprächig und vergnügt,
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Und spricht: »Die Rettung werd' ich nie vergessen!«
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Ich stammelte: »Das hat sich so gefügt – –«
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Doch sie, mich unterbrechend: »Ich gehöre
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Zu jenen nicht, die solche Rede trügt.
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Daß heute niemand meinen Willen störe –
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Noch bin ich schwach – und soll ich ganz gesunden,
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Dann«, ihres Mannes Hand ergreifend, »schwöre
97
Zu handeln, wie ich es für gut befunden.
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O Freund, ich weiß es, du gehorchst nicht gerne;
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Doch sei dein langes Sträuben überwunden.
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Der mich gerettet, sieh, er kommt von ferne;
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Nun will ich, daß er dankbar von uns scheide,
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Und daß er uns zu lieben nie verlerne.
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Auch jetzt zu zaudern, thu' mir's nicht zuleide.
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Die Silbermine liegt ihm stark im Sinne;
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Drum sattelt eure Pferde, reitet beide
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Fort ins Gebirge, daß er gleich beginne
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Zu sehn, was seine Wünsche stillen kann,
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Und bald den wohlverdienten Lohn gewinne.
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Was er mit ein'gen Maultiertruppen dann
110
Hinwegführt, um es seewärts zu geleiten,
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Wird ihm gewiß genügen, lieber Mann!
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Für uns sind solche Schätze Kleinigkeiten;
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Denn unerschöpflich ist die Grube. – Sorgen
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Wird uns der Freund, der Nachbar nicht bereiten;
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Wir bleiben frei von Not – er ist geborgen.«
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Und was geschehen mußte, das geschah.
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Des Gatten Antwort war: »So sei es morgen.«
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Es klang nicht freudig, ach; das ging mir nah;
119
Doch wenn ich auch mit eignem Unbehagen
120
Des Mannes Seelenfolter fühlte, sah,
121
Ich konnte meinem Glücke nicht entsagen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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