1
Wer so zu hassen, so zu lieben,
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Wer seines Kindes Todesschweiß,
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Wer eine That zu rächen weiß,
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Die ihn von Haus und Hof vertrieben,
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Der ist gewillt, sich durchzuwinden
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Durch Labyrinthe, Finsternisse;
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Der wird des Feindes Fährte finden,
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Die oft verwischte, ungewisse,
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Solang' die Augen nicht erblinden. –
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Schon sieben Jahre sind verflossen
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Seit jener grausenvollen Nacht,
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Gefördert ist, doch nicht vollbracht,
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Was unser Held zu thun beschlossen.
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Kahl ist sein Schädel, grau sein Bart;
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Garcia ward zum frühen Greise,
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Der seine Kräfte nicht gespart
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Auf weiter, stets erneuter Reise.
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Was er geschworen seinem Gotte,
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Läßt ihn noch immer nicht ermüden;
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Entflohn nach Norden und nach Süden
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War seiner Feinde feige Rotte;
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Garcia wittert ihre Spur;
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Entfernung – Zeit, die langsam nur
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Vor wutentflammten Blicken schwindet,
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Wie schwer die Prüfung er empfindet,
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Er ist gestählt durch seinen Schwur.
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Dort, wo des Tropenhimmels Strahlen
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Auf schwarze Leiber niederglühn,
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Die ihre Abkunft sich bemühn
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Mit saurem Schweiße zu bezahlen;
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Wo schlanke Palmen sich erheben,
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Wo jedem Baume, jedem Strauch
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Schlingpflanzen an den Aesten kleben;
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Wo Krokodille ihren Bauch
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Behaglich an der Sonne wärmen;
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Wo Tiger lauern, Affen klettern,
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Arras und Papageien schmettern
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Und Kolibris die Luft durchschwärmen,
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Dort hat Garcia unverzagt
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Sein Wild erwartet und gejagt.
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Wenn ungeheure Regengüsse
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Die rasche Wanderfahrt gehemmt,
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Des Pilgers Pfade überschwemmt,
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Durch Seen schwamm er und durch Flüsse,
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Nach immer frischer Beute suchend
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Und seines Kindes Mördern fluchend.
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Und wenn es Winter ward im Lande,
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Wenn Reif die fetten Weiden deckte
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In Sanct-Catrina, Rio-Grande,
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Und sich der Hirt ans Feuer streckte,
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In Wintersfrost, in Sommersglut,
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Solang die Kräfte nicht versagten,
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Nie hat er lange ausgeruht,
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Und immer zog er seinen Hut,
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Wenn aus der Erde Kreuze ragten
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Zum Zeichen, daß ein Mord geraten,
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Daß mancher andre sich gerächt
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Nach Landesbrauch, der ungeschwächt
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Noch heute treibt zu solchen Thaten.
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Zurück mit zärtlicher Gewalt
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Lockt oft ihn eine innre Stimme,
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Daß eine blutige Gestalt
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Ihn wappnen muß mit neuem Grimme.
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Erst wenn das Feuer ausgetobt,
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Erst wenn erfüllt, was er gelobt,
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Wenn jeder seinen Lohn empfangen,
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Wenn das Entsetzliche geschehn,
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Will Weib und Kind er wiedersehn.
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Schon sieben Jahre sind vergangen,
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O lange, trostlos lange Zeit!
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Sisyphusqual, die niemals endet!
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Jetzt hat er rückwärts sich gewendet,
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Gedenkend der Vergangenheit,
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Der ewig teuern, wonnereichen,
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Der Heimat, ach! der nahen, stillen;
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Doch muß auch diesmal seinem Willen
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Des Herzens tiefe Sehnsucht weichen.
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Von ferne, Sorocaba, sieht
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Er deine Türme und entflieht
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Nach Westen, süße Rast verschmähend
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Und stets nach neuen Opfern spähend.
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Und wie er durchs Gebirge reitet,
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Von einem Diener nur begleitet,
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Da kommt, entbietend Gruß und Segen,
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Ein greiser Klausner ihm entgegen,
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Und freundlich ladet der ihn ein,
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Für diese Nacht sein Gast zu sein.
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Wer würde solchem Wort mißtrauen?
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Garcia folgt dem frommen Mann
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Zu einer Thür, in Fels gehauen;
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In kühler Wohnung wird er dann
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Bewirtet und erquickt mit Worten
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Des Trostes, lange schon entbehrt.
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Der sonst die Thränen abgewehrt,
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Die seinen finstern Blick umflorten,
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Läßt jetzt der Rührung ihren Lauf;
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Er ist von heißem Dank durchdrungen,
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Und nur von Müdigkeit bezwungen
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Sucht endlich er die Zelle auf,
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Die eine Wand von jener scheidet,
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Wo mit dem Klausner er gesessen
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Und dessen Brot und Salz gegessen.
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Nun da er, völlig angekleidet,
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Aufs weiche Bett sich niederlegt,
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Sind seine Sinne so erregt,
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Daß Träume ihm den Schlaf verderben,
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Ihn zwar der Fassungskraft berauben,
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Doch dem Bewußtsein nicht erlauben,
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In mildem Schlummer hinzusterben.
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Und wie er so mit Bildern ringt,
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Die rasch sich aufeinander türmen,
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In stetem Wechsel ihn bestürmen,
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Vernimmt er seinen Namen – springt
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Empor, auf einmal wieder munter.
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Ums Messer ballt sich seine Hand;
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Er duckt sich an die Bretterwand,
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Hört leise Worte, und darunter
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Von solchen, die wie Höllenglut
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Auf schmerzerfüllte Seelen zischen,
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Genug, genug, um seine Wut
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Und sein Gedächtnis aufzufrischen.
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Durch morsche Planken dringt ein Schimmer
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Herüber aus dem Nebenzimmer,
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Und schnell erobert wird die Spalte.
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Wer tafelt dort beim Lampenscheine?
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Garcias Diener ist der eine;
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Und wer der andre? Ist's der Alte?
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Die gleiche Kutte trägt er zwar,
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Den Strick, um seinen Leib gebunden,
130
Verrät der wallende Talar;
131
Doch langer Bart und Silberhaar
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Und auch die Runzeln sind verschwunden;
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Ganz anders klingt der Stimme Ton.
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Hat ihn als Klausner angelogen?
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O, bei der Rede, welche jetzt
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Sein Herz erschüttert und entsetzt,
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Sind alle Zweifel gleich verflogen.
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»so ging er richtig in die Falle,«
140
Spricht dieser, den er nicht erkannte;
141
»nun schnarcht der Wolf im vollen Stalle.
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Wenn der in meine Klauen rannte,
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Dir dank' ich, Freundchen, den Hallunken.
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Du hast ihn schlau herbeigelockt;
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Er fand die Suppe eingebrockt
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Hier, wo wir Brüderschaft getrunken.
147
Den solches Gaukelspiel gerührt,
148
Den seine Thorheit so verführt,
149
Daß er bei mir sich eingenistet,
150
Empfange nur, was ihm gebührt,
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Nachdem er endlich überlistet.
152
Drei Brüder hast du mir erschlagen,
153
Garcia, und ich mußte lang
154
Den Haß, die Schmach im Busen tragen:
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Um so gelungner ist der Fang.
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Wenn deine Nachbarn du verachtet,
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Wie steht's um ihre Wenigkeit,
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Um deine Seelenruhe, seit
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Sie dir den Jungen abgeschlachtet?
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Der hat sein Messer scharf geschliffen,
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Der dir zum letzten Schlaf geleuchtet –
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Wein her! Noch einmal angefeuchtet,
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Dann hat der Bluthund ausgepfiffen.«
164
Und als der Diener eingeschenkt,
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Da schleicht Garcia auf den Zehen
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Zu seinem Lager hin und denkt:
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Dem wird die Mordlust bald vergehen.
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Er legt sich sachte nieder, harrt
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Der Dinge, die da kommen sollen,
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Erbleicht nicht, als die Thüre knarrt,
171
Zuckt nicht zusammen bei dem vollen
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Strahl einer Lampe, regt sich nicht,
173
Als ihm die beiden näher rücken,
174
Sich ängstlich aneinander drücken,
175
Bis mit verstörtem Angesicht
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Der hinterm Glase sich gebrüstet,
177
Sich jetzt zum Tigersprunge rüstet,
178
Und bis, geschliffen und gespitzt,
179
Daß sie ihr Opfer nicht verfehle,
180
Die Klinge ihm entgegenblitzt
181
Des falschen Klausners – hui, da sitzt
182
Garcias Faust ihm an der Kehle.
183
Wie sich des Burschen Rausch vermindert,
184
Und wie er zittert und erbleicht,
185
Als, von dem Gegner unbehindert,
186
Sich sein Kumpan von dannen schleicht!
187
Ihn aber halten Eisenkrallen.
188
Weh! Sein Geheimnis ist durchschaut –
189
Das weiß er seit dem ersten Laut,
190
Der seines Richters Mund entfallen.
191
Kein Bess'rer bleibt beherzt und stark,
192
Wenn so die letzte Hoffnung strandet;
193
Doch was an diese Seele brandet,
194
Das dringt ins tiefste Lebensmark:
195
»luiz da Silva! Wohl erwogen,
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Vortrefflich nenn' ich deinen Plan!
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Als du die Lappen angezogen,
198
In der Vermummung mich betrogen,
199
War ja die Arbeit halb gethan;
200
O ich bewundre deine List!
201
Nur will ich eines dir vertrauen:
202
Wer ihres Schlafs nicht sicher ist,
203
Der spasse nie mit solchen Gästen,
204
Die, statt im Stalle sich zu mästen,
205
Das schwere Futter schlecht verdauen;
206
Und noch das andre laß dir sagen
207
Für deine beiden Ohren wichtig:
208
Drei Brüder hab' ich dir erschlagen?
209
Nein, das Register ist nicht richtig,
210
Luiz da Silva! Fünfe sind es,
211
Fünf deiner Brüder sühnten schon
212
Das Todesröcheln meines Kindes,
213
Und kein Erbarmen, kein Pardon
214
Ist für den Sechsten zu erhoffen,
215
Der hier sein Kunststück ausgebrütet. –
216
Erfahre, wie ich die getroffen,
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Die vor dem Wolfe sich gehütet:
218
Bei Taubaté, im nächt'gen Lager,
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War einst ein Reitertrupp vereinigt,
220
Und ein Geselle, lang und mager,
221
Saß schweigsam, wie von Angst gepeinigt,
222
Am Feuer, in die Flammen stierend
223
Und in Gedanken sich verlierend.
224
Armsel'ger Träumer! Blinder Thor!
225
Ha! Gleich der flinksten Tigerkatze,
226
Lautlos, mit ungeheurem Satze
227
Sprang einer aus dem Busch hervor.
228
O der, der hat sich nicht besonnen:
229
Ein Griff, – ein Messerstich, – ein Schrei, –
230
Ein Schnitt! – Dann stürzten sie herbei
231
Die andern alle, – doch entronnen,
232
Verschwunden war der wilde Gast.
233
Der Lange hat kein Wort gesprochen,
234
Denn mitten durch die Brust gestochen
235
Lag er verscheidend da. – Du hast
237
Carlos da Silva hieß die Leiche,
238
Der Flüchtling aber war der Gleiche,
240
Vor deinen Augen steht der Thäter. –
241
Nun höre weiter: Später, später
242
In Coritiba sah man zwei
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Fremdlinge warme Nester bauen
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Für sich und ihre jungen Frauen;
245
Und doch – daß keiner glücklich sei
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Trotz honigsüßer Flitterwochen,
247
Das wurde hin und her erzählt.
248
Sie waren beide gut vermählt
249
Und hatten friedlich sich verkrochen
252
Glaubst du, daß häßliche Gedanken
253
Sie nicht geschreckt aus Liebesträumen?
254
Sie waren beide gut vermählt,
255
Fürwahr, und beide schlecht geborgen,
256
Zu Todesopfern auserwählt
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Und nicht zu kümmerlichen Sorgen.
258
Genug! An einem schönen Morgen
259
Ward mit der Schnelligkeit des Blitzes
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Ein gräßliches Gerücht verkündet,
261
Weit, weit durch's Land, doch wohlbegründet;
262
Die Schwelle eines Witwensitzes
263
Sofort bestürmt mit tausend Fragen –
264
Zwei Schurken waren übermannt
265
Im Schlafe. Weiter nichts. Sie lagen
266
(daß dir die Namen schon bekannt,
267
Die noch auf meinen Lippen brennen,
268
Luiz da Silva, möcht' ich wetten!)
269
Durchbohrt auf ihren Ehebetten.
270
Den Thäter brauch' ich nicht zu nennen:
271
Vor deinen Augen steht er heute;
272
Zwei Ohren waren seine Beute.
273
Carlos, Antonio, Celestin,
274
Drei Brüder hast du rächen wollen,
275
Doch mehr als diese sind dahin;
276
Die andern waren ganz verschollen,
277
Und oft verlor ich ihre Fährte,
278
Dennoch verfolgt' ich, unverdrossen,
279
Die meines Kindes Blut vergossen,
280
Wenn auch die Reise lange währte.
281
Im Norden gingen meine Wege
282
Bis Maranhaõ. Monde verstrichen
283
Umsonst. Der Feind war schon entwichen;
284
Dort lief mir keiner ins Gehege.
285
Vom Süden bin ich jetzt gekommen
286
Und dir zu sagen wohl verpflichtet,
287
Was dort der Jäger ausgerichtet,
288
Den du zu fangen unternommen.
289
Zwei Reiter hab' ich einst entdeckt
290
Am Paraña, im Steppengrase.
291
Wer je der Pampa Luft geschmeckt,
292
Erfreut sich einer feinen Nase.
293
Sie hörten meines Rosses Schritt,
294
Und wahrlich, statt mich anzugreifen,
295
Schien's ihnen klüger, auszukneifen –
296
Unnütze Flucht, verrückter Ritt!
298
Sie bleiben brüderlich beisammen.
299
So galoppierten, Mann an Mann,
300
Die beiden fort auf Teufelholen.
301
Ach, ihre glitzernden Pistolen,
302
Die sah ich freilich dann und wann;
303
Doch ruhen in den Satteltaschen
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Ließ ich das Spielzeug, zielte scharf,
305
Bevor ich meinen Lasso warf,
306
Das saubre Paar zu überraschen.
307
O Stolz, o Freude sondergleichen,
308
Als beide sich im Staube wanden –
309
Das andre hast du schon verstanden:
310
Sieh her, hier sind die Siegeszeichen!
311
Zwei Brüder, Henker meines Knaben,
312
Francisco und Paulino, haben,
313
Nachdem sie lange mich genarrt,
314
Endlich getanzt nach meiner Leier.
315
Die Leichen liegen unverscharrt,
316
Ein fettes Mahl für Wüstengeier. –
317
Nach Rache schreit mein eignes Blut;
318
Drum bete, daß dir Gott verzeihe,
319
Luiz! An dir ist jetzt die Reihe!
320
Fünf Ohren sind mein höchstes Gut;
321
Sie duften wie die feinsten Nelken,
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Die je des Himmels Tau benetzte,
323
Ein sechstes seh' ich schon verwelken;
324
Dein Bruder Bento trägt das letzte;
325
Auch der bezahlt mir seine Schuld,
326
Vielleicht mit Zinsen, nur Geduld!
327
Bis der die Seele ausgespien.«
328
Und als Garcia dies geschrien,
329
Faßt fester er, mit wilder Lust,
330
Den schon veratmenden Gesellen
331
Und spricht: »Du kannst Quartier bestellen!«
332
Stößt ihm das Messer in die Brust
333
Und wirft ihn in die nächste Ecke,
334
Verächtlich murmelnd: »Hund verrecke!«