Die Welt ist groß – ich weiß es zur Genüge

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Ludwig Ferdinand) (Schmid Dranmor: Die Welt ist groß – ich weiß es zur Genüge Titel entspricht 1. Vers(1855)

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Die Welt ist groß – ich weiß es zur Genüge,
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Ich habe sie durchschritten und durchschwommen;
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Die Welt ist klein – ich bin zurückgekommen
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Und lache meiner Argonautenzüge.
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Vergebens griff ich nach dem goldnen Vließ,
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Mir hat bis jetzt kein Lorbeer grünen wollen,
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Und kindisch schien es mir zu grollen,
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Als auch die Liebe mich verließ.
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Langweilig aber fand ich's überall
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Trotz heitrer Frauen, schäumender Pokale,
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Und fragen darf ich ohne Wörterschwall:
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Wo waren meines Herzens Ideale?
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Mir ging es, wie es stets zu gehen pflegt,
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Wenn Edles, Wahres sich in mir geregt,
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Dann haben meine werten Zeitgenossen
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Mir gleich aufs Herz geschossen;
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Stets ward, was Ehrenhaftes mir passiert,
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Von meinen Gönnern vornehm ignoriert,
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Und wenn mich Ehrgeiz, Thatendurst gepeinigt,
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Dann haben gute Freunde mich gesteinigt.
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O große Welt voll kleiner Leidenschaften,
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O kleine Welt voll großer Eitelkeit,
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Mit welchem Aerger sah ich weit und breit
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Den gleichen Staub an unsern Sohlen haften!
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Den Neid, den Wankelmut, die Heuchelei,
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Den Eigendünkel, der, auf nichts begründet,
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Bei jedem Druck phosphorisch sich entzündet,
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Den Götzendienst, die Kriecherei.
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Das Schicksal gab mir stete Fingerzeige:
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Die Menschheit ist nicht schlecht – nur schwach und feige;
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Es brüstet sich und stößt vergnügt ins Horn,
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Wer sich gesichert glaubt auf grünem Zweige,
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Und doch – zur Trauer ward zuletzt mein Zorn,
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Denn leider bin auch ich vom gleichen Teige,
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Weiß selbst nicht, was ich möchte oder kann;
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Verfehlter Zweck, verkümmerter Genuß,
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Das war der Anfang, Schwäche, Ueberdruß
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Wird wohl das Ende sein, – doch wann?
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Noch war ich niemals recht in meinem Gleise;
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Ein jeder denkt und fühlt nach seiner Weise,
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Und manchem, dem gleich mir die Arme sanken,
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Hat Selbstbedauern alle Schuld verziehn.
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Ich möchte meinen Gedanken,
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Nüchternen, bösen Gedanken,
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Ewig, ewig entfliehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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