Ich grüße dich, verlass'nes Fischerhaus!

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Ludwig Ferdinand) (Schmid Dranmor: Ich grüße dich, verlass'nes Fischerhaus! Titel entspricht 1. Vers(1855)

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Ich grüße dich, verlass'nes Fischerhaus!
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Wie oft von deiner meerbespülten Schwelle
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Blickt ich verlangend in die Nacht hinaus,
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Die tropenwarme, sternenhelle!
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Nun ist es wieder, wie es damals war,
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Noch funkeln goldne Thränen dort im Sande,
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Ein ew'ger Sommer waltet noch im Lande,
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Und nur mein Herz ist aller Freude bar.
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Doch damals – ob ich wachte oder schlief,
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Nie war ich so verwaist, so ganz allein,
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Denn ferne Liebe stillte meine Pein,
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Und jeden Monat kam ein Brief – ein Brief.

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Wohl hundertmal, beim Rauschen der See,
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Las ich und las, um jedes Wort zu deuten;
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Ich teilte Freude und Weh
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Mit den armen Fischersleuten;
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Ich ging umher auf dem sandigen Plan,
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Bis der Gestirne Glanz erblich,
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Und der gewaltige Ocean
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Weinte um sie und um mich.

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Doch nun, ihr leuchtenden Dünen,
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Was soll der Wellen Gesang?
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Nordische Brandung verschlang
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Den Myrtenzweig mir, den grünen.
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Sie lebt – nur ihr Herz ist umnachtet,
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Ich lebe – arm und verachtet;
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Ewig dahin ist die Jugendlust.
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Wo find' ich Trost? Ich kenne keinen, keinen
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Hier oder dort – auch nicht an Freundesbrust
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Möcht' ich über mein Elend weinen;
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Kenne mich selbst nicht mehr,
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Vergessen bin ich, veraltet,
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Und Lava, halb erkaltet,
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Roll' ich im Busen hin und her,
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Nach einsam verträumter Jugendzeit,
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Wie ein Vulkan, der nicht mehr Feuer speit.

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O meine süße Dame!
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Was bist du mir? Ein stets geliebter Name.
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Was bin ich dir? Ein Vorwurf. Doch gesetzt,
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Wir würden noch Papier und Feder brauchen,
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Um schmerzliche Gefühle auszuhauchen,
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Wie anders – anders schrieben wir uns jetzt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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