1. Captain Trelawney

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Ludwig Ferdinand) (Schmid Dranmor: 1. Captain Trelawney (1855)

1
Ein Kind, des Geistes Schwingen kaum entfaltend,
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Las ich von Thaten, kühnen, wunderbaren,
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Von Abenteuern, märchenhaft gestaltend
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Das Leben eines Dichters und Korsaren.

5
Dein Buch, Trelawney, war's, das thränennasse,
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Wie du's aus Indiens Meeren heimgetragen,
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Um es in tiefem und gerechtem Hasse
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Eitlen Pygmäen ins Gesicht zu schlagen.

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Kamst du auch wieder mit gesenkter Lanze,
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Sie standen da, bezwungen und geblendet
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Von deiner Kriegstrophäen Zauberglanze,
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Die sich von dir, dem Jüngling, abgewendet,

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Und wußten nicht, wie tapfer du gestritten,
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Verfolgt von niemals rastenden Gedanken,
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Und daß du tausendfachen Tod erlitten
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In deiner eignen Brust, der liebeskranken.

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Ein junger Greis, von deiner Väter Scholle,
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An Hoffnung arm, reich an Erinnerungen,
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Griffst du hinein ins Herz, das übervolle,
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Und hast der Freiheit Hohelied gesungen.

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Gewalt'ger Mann! Mein Held und mein Erretter!
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Was du geliebt, verloren und gefeiert,
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Das drang zu mir heran wie Frühlingswetter,
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Wie Sonnenschein, von Pulverdampf umschleiert.

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O Kriegsfanfaren! Ruf aus fernen Zonen!
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O kühnes Träumen, knabenhaftes Sinnen!
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War ich bestimmt, im Donner der Kanonen
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Wie du, Trelawney, Lorbeern zu gewinnen?

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Nein! Doch in meiner Jugend Phantasien,
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Aus Wunden blutend, die ich heiß erflehte,
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Lag ich vor jenem Banner auf den Knien,
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Das einst von sturmgepeitschten Masten wehte.

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Wohl! Was ich suchte: Stürme, Abenteuer,
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Das hat das Schicksal reichlich mir gespendet;
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Nun steh' ich müde am zerbrochnen Steuer,
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Und noch ist meine Reise nicht vollendet.

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Doch sieh! Mein Schwert blieb müßig in der Scheide,
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Kein Feind bedrohte mich mit blanken Waffen,
39
Ich kämpfte nur mit meinem innern Leide
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Und mit Phantomen, die ich selbst erschaffen.

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So ward ich überholt von kühnern Schiffern;
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Sie fuhren rasch vorbei zum sichern Ziele,
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Wenn ich im Traume rang mit goldnen Ziffern,
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Verstrickt in meines Herzens Trauerspiele.

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Ach, bald verzagt auf sinkender Galeere
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Und bald berauscht von himmlischen Accorden,
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So trieb ich hin und her auf hohem Meere
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Und bin kein Dichter, kein Korsar geworden.

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Was liegt daran? Ich muß, wie tausend andre,
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Mein Brot erringen in des Sommers Schwüle,
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Nur daß ich rastlos strebe, rastlos wandre,
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Nur daß ich alle Schmerzen doppelt fühle.

53
Nur daß der Heros meiner jungen Tage
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Der Bahn des Pilgers keinen Grenzstein setzte,
55
Wenn auch der Panzer, den ich willig trage,
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Mir oft die Brust mit blut'gem Schweiße netzte.

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Rauh ist der Lebenspfad, den ich betreten;
58
Als freier Mann ein Sklave heil'ger Pflichten,
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Kann ich die wilde Sehnsucht des Poeten
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In Schranken halten, aber nie vernichten.

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Ein Buch, Trelawney, fiel aus deinen Händen,
62
Ich les' es noch mit Stolz und mit Entzücken;
63
Ich bin nicht du – doch wenn wir je uns fänden,
64
Du würdest mir bewegt die Hände drücken.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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