Der Völkerfriede

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Karl May: Der Völkerfriede (1877)

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Trag nicht empor ins Himmelreich,
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Was auf der Erde hat zu bleiben!
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Du bist noch lange Gott nicht gleich
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Und willst dich ihm doch einverleiben.
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Du wirfst ihm alle irdschen Fragen
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Zur pflichtgemachten Lösung hin;
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Die Allmacht soll sich für dich plagen;
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Das ist des Glaubens Zweck und Sinn.

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Erscheint dir eine Last zu schwer,
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Will Etwas dir nicht gleich gelingen,
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So sorgt dich das nicht allzusehr,
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Du kannst es ja dem Vater bringen.
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Du bist von ihm einst ausgegangen
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Und kehrest einst zu ihm zurück;
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Du brauchst von ihm nur zu verlangen,
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Dein Heil ist ja sein eignes Glück.

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So soll Gott Alles für dich thun;
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Er soll sogar auch für dich lieben.
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Auf seiner Güte auszuruhn,
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Ist dir verbrieft, ist dir verschrieben.
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Du brauchst nichts weiter, als zu glauben,
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Daß er die Welt zum Besten lenkt,
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Und eifrig gegen den zu schnauben,
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Der Gottes Reich sich anders denkt.

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Und gläubig schnaubend, lächelst du,
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Erfüllt von heilgem Himmelsfeuer,
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Dem Nächsten Gottes Liebe zu – –
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Die deinige ist dir zu theuer.
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Die göttliche reicht für die Schaaren
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Der Ungezählten ewig aus;
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Die menschliche hat man zu sparen;
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Sie geht nicht übers Ich hinaus.

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Und dieser Glaube will der Welt
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Durch diese Liebe Frieden bringen
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Und läßt als Herrscher und als Held
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Sein
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Und dieser Glaube, viel zerrissen,
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Stets mit sich selbst in Zank und Streit,
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Er will allein zu finden wissen
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Das, was ihm fehlt, die Einigkeit!

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O, glaub an diesen Glauben nicht!
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Glaub nur allein an Gottes Liebe.
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Was er der Menschheit auch verspricht,
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Nichts ist, was er nicht schuldig bliebe.
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Es kann nur
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Wie es nur
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Und beide sind vereint im Leben
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Dann, wenn der Mensch den Menschen liebt.

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Nun steig empor ins Himmelreich,
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Und bring herab den Völkerfrieden!
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Er ist dem Dort und Hier zugleich,
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Der Erde nicht allein, beschieden.
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Hol uns den
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Der auch nur
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Dann schwebt mit ihm der Engel nieder,
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Den man den Völkerfrieden nennt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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