Für die Mouche

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Heinrich Heine: Für die Mouche (1856)

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Es träumte mir von einer Sommernacht,
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Wo bleich, verwittert, in des Mondes Glanze
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Bauwerke lagen, Reste alter Pracht,
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Ruinen aus der Zeit der Renaissance.

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Nur hie und da, mit dorisch ernstem Knauf,
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Hebt aus dem Schutt sich einzeln eine Säule,
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Und schaut ins hohe Firmament hinauf,
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Als ob sie spotte seiner Donnerkeile.

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Gebrochen auf dem Boden liegen rings Portale,
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Giebeldächer mit Skulpturen,
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Wo Mensch und Tier vermischt, Zentaur und Sphinx,
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Satyr, Chimäre – Fabelzeitfiguren.

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Auch manches Frauenbild von Stein liegt hier,
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Unkrautumwuchert in dem hohen Grase;
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Die Zeit, die schlimmste Syphilis, hat ihr
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Geraubt ein Stück der edlen Nymphennase.

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Es steht ein offner Marmorsarkophag
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Ganz unverstümmelt unter den Ruinen,
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Und gleichfalls unversehrt im Sarge lag
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Ein toter Mann mit leidend sanften Mienen.

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Karyatiden mit gerecktem Hals,
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Sie scheinen mühsam ihn emporzuhalten.
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An beiden Seiten sieht man ebenfalls
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Viel basrelief gemeißelte Gestalten.

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Hier sieht man des Olympos Herrlichkeit
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Mit seinen lüderlichen Heidengöttern,
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Adam und Eva stehn dabei, sind beid'
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Versehn mit keuschem Schurz von Feigenblättern

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Hier sieht man Trojas Untergang und Brand,
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Paris und Helena, auch Hektor sah man;
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Moses und Aaron gleich daneben stand,
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Auch Esther, Judith, Holofern und Haman.

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Desgleichen war zu sehn der Gott Amur,
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Phöbus Apoll, Vulkanus und Frau Venus,
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Pluto, Neptun, Diana und Merkur,
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Gott Bacchus und Priapus und Silenus.

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Daneben stand der Esel Balaams
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Der Esel war zum Sprechen gut getroffen –
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Dort sah man auch die Prüfung Abrahams
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Und Lot, der mit den Töchtern sich besoffen.

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Hier war zu schaun der Tanz Herodias',
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Das Haupt des Täufers trägt man auf der Schüssel,
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Die Hölle sah man hier und Satanas,
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Und Petrus mit dem großen Himmelsschlüssel.

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Abwechselnd wieder sah man hier skulpiert
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Des geilen Jovis Brunst und Freveltaten,
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Wie er als Schwan die Leda hat verführt,
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Die Danae als Regen von Dukaten.

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Hier war zu sehn Dianas Wilde Jagd,
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Ihr folgen hochgeschürzte Nymphen, Doggen,
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Hier sah man Herkules in Frauentracht,
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Die Spindel drehend, hält sein Arm den Rocken.

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Daneben ist der Sinai zu sehn,
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Am Berg steht Israel mit seinen Ochsen,
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Man schaut den Herrn als Kind im Tempel stehn
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Und disputieren mit den Orthodoxen.

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Die Gegensätze sind hier grell gepaart,
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Des Griechen Lustsinn und der Gottgedanke
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Judäas! Und in Arabeskenart
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Um beide schlingt der Efeu seine Ranke.

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Doch, wunderbar! Derweilen solcherlei
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Bildwerke träumend ich betrachtet habe,
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Wird plötzlich mir zu Sinn, ich selber sei
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Der tote Mann im schönen Marmorgrabe.

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Zu Häupten aber meiner Ruhestätt'
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Stand eine Blume, rätselhaft gestaltet,
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Die Blätter schwefelgelb und violett,
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Doch wilder Liebreiz in der Blume waltet.

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Das Volk nennt sie die Blume der Passion
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Und sagt, sie sei dem Schädelberg entsprossen,
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Als man gekreuzigt hat den Gottessohn,
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Und dort sein welterlösend Blut geflossen.

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Blutzeugnis, heißt es, gebe diese Blum',
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Und alle Marterinstrumente, welche
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Dem Henker dienten bei dem Märtyrtum,
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Sie trüge sie abkonterfeit im Kelche.

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Ja, alle Requisiten der Passion
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Sähe man hier, die ganze Folterkammer,
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Zum Beispiel: Geißel, Stricke, Dornenkron',
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Das Kreuz, den Kelch, die Nägel und den Hammer.

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Solch eine Blum' an meinem Grabe stand,
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Und über meinen Leichnam niederbeugend,
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Wie Frauentrauer, küßt sie mir die Hand,
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Küßt Stirne mir und Augen, trostlos schweigend.

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Doch, Zauberei des Traumes! Seltsamlich,
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Die Blum' der Passion, die schwefelgelbe,
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Verwandelt in ein Frauenbildnis sich,
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Und das ist sie – die Liebste, ja, dieselbe!

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Du warst die Blume, du geliebtes Kind,
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An deinen Küssen mußt ich dich erkennen.
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So zärtlich keine Blumenlippen sind,
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So feurig keine Blumentränen brennen!

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Geschlossen war mein Aug', doch angeblickt
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Hat meine Seel'beständig dein Gesichte,
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Du sahst mich an, beseligt und verzückt,
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Und geisterhaft beglänzt vom Mondenlichte!

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Wir sprachen nicht, jedoch mein Herz vernahm,
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Was du verschwiegen dachtest im Gemüte –
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Das ausgesprochne Wort ist ohne Scham,
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Das Schweigen ist der Liebe keusche Blüte.

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Und wie beredsam dieses Schweigen ist!
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Man sagt sich alles ohne Metaphoren,
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Ganz ohne Feigenblatt, ganz ohne List
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Des Silbenfalls, des Wohllauts der Rhetoren.

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Lautloses Zwiegespräch! man glaubt es kaum,
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Wie bei dem stummen, zärtlichen Geplauder
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So schnell die Zeit verstreicht im schönen Traum
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Der Sommernacht, gewebt aus Lust und Schauder.

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Was wir gesprochen, frag es niemals, ach!
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Den Glühwurm frag, was er dem Grase glimmert,
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Die Welle frage, was sie rauscht im Bach,
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Den Westwind frage, was er weht und wimmert.

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Frag, was er strahlet, den Karfunkelstein,
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Frag, was sie duften, Nachtviol' und Rosen –
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Doch frage nie, wovon im Mondenschein
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Die Marterblume und ihr Toter kosen!

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Ich weiß es nicht, wie lange ich genoß
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In meiner schlummerkühlen Marmortruhe
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Den schönen Freudentraum. Ach, es zerfloß
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Die Wonne meiner ungestörten Ruhe!

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O Tod! mit deiner Grabesstille, du,
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Nur du kannst uns die beste Wollust geben;
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Den Krampf der Leidenschaft, Lust ohne Ruh',
124
Gibt uns für Glück das albern rohe Leben!

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Doch wehe mir! es schwand die Seligkeit,
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Als draußen plötzlich sich ein Lärm erhoben;
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Es war ein scheltend, stampfend wüster Streit,
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Ach, meine Blum' verscheuchte dieses Toben!

129
Ja, draußen sich erhob mit wildem Grimm
130
Ein Zanken, ein Gekeife, ein Gekläffe,
131
Ich glaubte zu erkennen manche Stimm' –
132
Es waren meines Grabmals Basreliefe.

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Spukt in dem Stein der alte Glaubenswahn?
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Und disputieren diese Marmorschemen?
135
Der Schreckensruf des wilden Waldgotts Pan
136
Wetteifernd wild mit Mosis Anathemen!

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Oh, dieser Streit wird enden nimmermehr,
138
Stets wird die Wahrheit hadern mit dem Schönen,
139
Stets wird geschieden sein der Menschheit Heer
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In zwei Partei'n: Barbaren und Hellenen.

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Das fluchte, schimpfte! gar kein Ende nahm's
142
Mit dieser Kontroverse, der langweil'gen,
143
Da war zumal der Esel Balaams,
144
Der überschrie die Götter und die Heil'gen!

145
Mit diesem I-A, I-A, dem Gewieh'r,
146
Dem schluchzend ekelhaften Mißlaut, brachte
147
Mich zur Verzweiflung schier das dumme Tier,
148
Ich selbst zuletzt schrie auf – und ich erwachte.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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