Das Hohelied

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Heinrich Heine: Das Hohelied (1851)

1
Des Weibes Leib ist ein Gedicht,
2
Das Gott der Herr geschrieben
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Ins große Stammbuch der Natur,
4
Als ihn der Geist getrieben.

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Ja, günstig war die Stunde ihm,
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Der Gott war hochbegeistert;
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Er hat den spröden, rebellischen Stoff
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Ganz künstlerisch bemeistert.

9
Fürwahr, der Leib des Weibes ist
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Das Hohelied der Lieder;
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Gar wunderbare Strophen sind
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Die schlanken, weißen Glieder.

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O welche göttliche Idee
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Ist dieser Hals, der blanke,
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Worauf sich wiegt der kleine Kopf,
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Der lockige Hauptgedanke!

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Der Brüstchen Rosenknospen sind
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Epigrammatisch gefeilet;
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Unsäglich entzückend ist die Zäsur,
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Die streng den Busen teilet.

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Den plastischen Schöpfer offenbart
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Der Hüften Parallele;
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Der Zwischensatz mit dem Feigenblatt
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Ist auch eine schöne Stelle.

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Das ist kein abstraktes Begriffspoem!
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Das Lied hat Fleisch und Rippen,
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Hat Hand und Fuß; es lacht und küßt
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Mit schöngereimten Lippen.

29
Hier atmet wahre Poesie!
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Anmut in jeder Wendung!
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Und auf der Stirne trägt das Lied
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Den Stempel der Vollendung.

33
Lobsingen will ich dir, o Herr,
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Und dich im Staub anbeten!
35
Wir sind nur Stümper gegen dich,
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Den himmlischen Poeten.

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Versenken will ich mich, o Herr,
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In deines Liedes Prächten;
39
Ich widme seinem Studium
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Den Tag mitsamt den Nächten.

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Ja, Tag und Nacht studier ich dran,
42
Will keine Zeit verlieren;
43
Die Beine werden mir so dünn –
44
Das kommt vom vielen Studieren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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