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Heinrich Heine: 2 (1826)

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Herr Ludewig von Bayerland
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Sprach seufzend zu sich selber:
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»der Sommer weicht, der Winter naht,
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Das Laub wird immer gelber.

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Der Schelling und der Cornelius,
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Sie mögen von dannen wandern;
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Dem einen erlosch im Kopf die Vernunft,
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Die Phantasie dem andern.

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Doch daß man aus meiner Krone stahl
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Die beste Perle, daß man
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Mir meinen Turnkunstmeister geraubt,
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Das Menschenjuwel, den Maßmann –

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Das hat mich gebeugt, das hat mich geknickt,
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Das hat mir die Seele zerschmettert:
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Mir fehlt jetzt der Mann, der in seiner Kunst
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Den höchsten Pfahl erklettert.

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Ich sehe die kurzen Beinchen nicht mehr,
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Nicht mehr die platte Nase;
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Er schlug wie ein Pudel frisch-fromm-fröhlich-frei
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Die Purzelbäume im Grase.

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Nur Altdeutsch verstand er, der Patriot,
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Nur Jakob-Grimmisch und Zeunisch;
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Fremdwörter blieben ihm immer fremd,
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Griechisch zumal und Lateinisch.

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Er hat, ein vaterländisch Gemüt,
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Nur Eichelkaffee getrunken,
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Franzosen fraß er und Limburger Käs',
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Nach letzterm hat er gestunken.

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O Schwager! gib mir den Maßmann zurück!
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Denn unter den Gesichtern
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Ist sein Gesicht, was ich selber bin,
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Als Dichter unter den Dichtern.

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O Schwager! behalt den Cornelius,
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Auch Schelling (daß du den Rückert
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Behalten kannst, versteht sich von selbst) –
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Wenn nur der Maßmann zurückkehrt!

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O Schwager! begnüge dich mit dem Ruhm,
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Daß du mich verdunkelt heute;
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Ich, der in Deutschland der Erste war,
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Ich bin nur noch der Zweite...«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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