Wie langsam kriechet sie dahin

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Heinrich Heine: Wie langsam kriechet sie dahin (1826)

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Wie langsam kriechet sie dahin,
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Die Zeit, die schauderhafte Schnecke!
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Ich aber, ganz bewegungslos
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Blieb ich hier auf demselben Flecke.

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In meine dunkle Zelle dringt
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Kein Sonnenstrahl, kein Hoffnungsschimmer,
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Ich weiß, nur mit der Kirchhofsgruft
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Vertausch ich dies fatale Zimmer.

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Vielleicht bin ich gestorben längst;
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Es sind vielleicht nur Spukgestalten
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Die Phantasien, die des Nachts
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Im Hirn den bunten Umzug halten.

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Es mögen wohl Gespenster sein,
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Altheidnisch göttlichen Gelichters;
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Sie wählen gern zum Tummelplatz
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Den Schädel eines toten Dichters. –

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Die schaurig süßen Orgia,
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Das nächtlich tolle Geistertreiben,
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Sucht des Poeten Leichenhand
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Manchmal am Morgen aufzuschreiben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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