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Heinrich Heine: 2 (1826)

1
Hoch aus dem blauen Himmelszelt
2
Viel tausend Sterne schauen,
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Sehnsüchtig glänzend, groß und klug,
4
Wie Augen von schönen Frauen.

5
Sie blicken hinunter in das Meer,
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Das weithin überzogen
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Mit phosphorstrahlendem Purpurduft;
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Wollüstig girren die Wogen.

9
Kein Segel flattert am Sklavenschiff,
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Es liegt wie abgetakelt;
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Doch schimmern Laternen auf dem Verdeck,
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Wo Tanzmusik spektakelt.

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Die Fiedel streicht der Steuermann,
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Der Koch, der spielt die Flöte,
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Ein Schiffsjung' schlägt die Trommel dazu,
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Der Doktor bläst die Trompete.

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Wohl hundert Neger, Männer und Fraun,
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Sie jauchzen und hopsen und kreisen
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Wie toll herum; bei jedem Sprung
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Taktmäßig klirren die Eisen.

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Sie stampfen den Boden mit tobender Lust,
22
Und manche schwarze Schöne
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Umschlingt wollüstig den nackten Genoß –
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Dazwischen ächzende Töne.

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Der Büttel ist Maître des plaisirs,
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Und hat mit Peitschenhieben
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Die lässigen Tänzer stimuliert,
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Zum Frohsinn angetrieben.

29
Und Dideldumdei und Schnedderedeng!
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Der Lärm lockt aus den Tiefen
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Die Ungetüme der Wasserwelt,
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Die dort blödsinnig schliefen.

33
Schlaftrunken kommen geschwommen heran
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Haifische, viele hundert;
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Sie glotzen nach dem Schiff hinauf,
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Sie sind verdutzt, verwundert.

37
Sie merken, daß die Frühstückstund'
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Noch nicht gekommen, und gähnen,
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Aufsperrend den Rachen; die Kiefer sind
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Bepflanzt mit Sägezähnen.

41
Und Dideldumdei und Schnedderedeng –
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Es nehmen kein Ende die Tänze.
43
Die Haifische beißen vor Ungeduld
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Sich selber in die Schwänze.

45
Ich glaube, sie lieben nicht die Musik,
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Wie viele von ihrem Gelichter.
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»trau keiner Bestie, die nicht liebt
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Musik!« sagt Albions großer Dichter.

49
Und Schnedderedeng und Dideldumdei –
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Die Tänze nehmen kein Ende.
51
Am Fockmast steht Mynheer van Koek
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Und faltet betend die Hände:

53
»um Christi willen verschone, o Herr,
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Das Leben der schwarzen Sünder!
55
Erzürnten sie dich, so weißt du ja,
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Sie sind so dumm wie die Rinder.

57
Verschone ihr Leben um Christi will'n,
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Der für uns alle gestorben!
59
Denn bleiben mir nicht dreihundert Stück,
60
So ist mein Geschäft verdorben.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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