Prinzessin Sabbat

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Heinrich Heine: Prinzessin Sabbat (1826)

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In Arabiens Märchenbuche
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Sehen wir verwünschte Prinzen,
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Die zuzeiten ihre schöne
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Urgestalt zurückgewinnen:

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Das behaarte Ungeheuer
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Ist ein Königsohn geworden;
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Schmuckreich glänzend angekleidet,
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Auch verliebt die Flöte blasend.

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Doch die Zauberfrist zerrinnt,
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Und wir schauen plötzlich wieder
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Seine königliche Hoheit
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In ein Ungetüm verzottelt.

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Einen Prinzen solchen Schicksals
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Singt mein Lied. Er ist geheißen
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Israel. Ihn hat verwandelt
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Hexenspruch in einen Hund.

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Hund mit hündischen Gedanken,
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Kötert er die ganze Woche
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Durch des Lebens Kot und Kehricht,
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Gassenbuben zum Gespötte.

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Aber jeden Freitagabend,
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In der Dämmrungstunde, plötzlich
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Weicht der Zauber, und der Hund
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Wird aufs neu' ein menschlich Wesen.

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Mensch mit menschlichen Gefühlen,
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Mit erhobnem Haupt und Herzen,
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Festlich, reinlich schier gekleidet,
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Tritt er in des Vaters Halle.

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»sei gegrüßt, geliebte Halle
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Meines königlichen Vaters!
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Zelte Jakobs, eure heil'gen
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Eingangspfosten küßt mein Mund!«

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Durch das Haus geheimnisvoll
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Zieht ein Wispern und ein Weben,
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Und der unsichtbare Hausherr
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Atmet schaurig in der Stille.

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Stille! Nur der Seneschall
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(vulgo Synagogendiener)
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Springt geschäftig auf und nieder,
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Um die Lampen anzuzünden.

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Trostverheißend goldne Lichter,
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Wie sie glänzen, wie sie glimmern!
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Stolz aufflackern auch die Kerzen
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Auf der Brüstung des Almemors.

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Vor dem Schreine, der die Thora
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Aufbewahret und verhängt ist
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Mit der kostbar seidnen Decke,
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Die von Edelsteinen funkelt –

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Dort an seinem Betpultständer
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Steht schon der Gemeindesänger;
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Schmuckes Männchen, das sein schwarzes
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Mäntelchen kokett geachselt.

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Um die weiße Hand zu zeigen,
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Haspelt er am Halse, seltsam
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An die Schläf' den Zeigefinger,
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An die Kehl' den Daumen drückend.

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Trällert vor sich hin ganz leise,
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Bis er endlich lautaufjubelnd
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Seine Stimm' erhebt und singt:
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»lecho Daudi Likras Kalle!

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Lecho Daudi Likras Kalle –
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Komm, Geliebter, deiner harret
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Schon die Braut, die dir entschleiert
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Ihr verschämtes Angesicht!«

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Dieses hübsche Hochzeitkarmen
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Ist gedichtet von dem großen,
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Hochberühmten Minnesinger
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Don Jehuda ben Halevy.

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In dem Liede wird gefeiert
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Die Vermählung Israels
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Mit der Frau Prinzessin Sabbat,
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Die man nennt die stille Fürstin.

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Perl' und Blume aller Schönheit
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Ist die Fürstin. Schöner war
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Nicht die Königin von Saba,
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Salomonis Busenfreundin,

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Die, ein Blaustrumpf Äthiopiens,
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Durch Esprit brillieren wollte,
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Und mit ihren klugen Rätseln
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Auf die Länge fatigant ward.

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Die Prinzessin Sabbat, welche
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Ja die personifizierte
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Ruhe ist, verabscheut alle
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Geisteskämpfe und Debatten.

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Gleich fatal ist ihr die trampelnd
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Deklamierende Passion,
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Jenes Pathos, das mit flatternd
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Aufgelöstem Haar einherstürmt.

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Sittsam birgt die stille Fürstin
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In der Haube ihre Zöpfe;
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Blickt so sanft wie die Gazelle,
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Blüht so schlank wie eine Addas.

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Sie erlaubt dem Liebsten alles,
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Ausgenommen Tabakrauchen –
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»liebster! Rauchen ist verboten,
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Weil es heute Sabbat ist.

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Dafür aber heute mittag
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Soll dir dampfen, zum Ersatz,
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Ein Gericht, das wahrhaft göttlich –
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Heute sollst du Schalet essen!«

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Schalet, schöner Götterfunken,
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Tochter aus Elysium!
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Also klänge Schillers Hochlied,
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Hätt er Schalet je gekostet.

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Schalet ist die Himmelspeise,
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Die der liebe Herrgott selber
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Einst den Moses kochen lehrte
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Auf dem Berge Sinai,

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Wo der Allerhöchste gleichfalls
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All die guten Glaubenslehren
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Und die heil'gen Zehn Gebote
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Wetterleuchtend offenbarte.

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Schalet ist des wahren Gottes
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Koscheres Ambrosia,
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Wonnebrot des Paradieses,
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Und mit solcher Kost verglichen

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Ist nur eitel Teufelsdreck
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Das Ambrosia der falschen
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Heidengötter Griechenlands,
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Die verkappte Teufel waren.

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Speist der Prinz von solcher Speise,
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Glänzt sein Auge wie verkläret,
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Und er knöpfet auf die Weste,
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Und er spricht mit sel'gem Lächeln:

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»hör ich nicht den Jordan rauschen?
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Sind das nicht die Brüselbrunnen
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In dem Palmental von Beth-El,
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Wo gelagert die Kamele?

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Hör ich nicht die Herdenglöckchen?
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Sind das nicht die fetten Hämmel,
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Die vom Gileathgebirge
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Abendlich der Hirt herabtreibt?«

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Doch der schöne Tage verflittert;
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Wie mit langen Schattenbeinen
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Kommt geschritten der Verwünschung
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Böse Stund' – Es seufzt der Prinz.

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Ist ihm doch, als griffen eiskalt
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Hexenfinger in sein Herze.
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Schon durchrieseln ihn die Schauer
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Hündischer Metamorphose.

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Die Prinzessin reicht dem Prinzen
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Ihre güldne Nardenbüchse.
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Langsam riecht er – Will sich laben
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Noch einmal an Wohlgerüchen.

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Es kredenzet die Prinzessin
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Auch den Abschiedstrunk dem Prinzen –
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Hastig trinkt er, und im Becher
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Bleiben wen'ge Tropfen nur.

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Er besprengt damit den Tisch,
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Nimmt alsdann ein kleines Wachslicht,
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Und er tunkt es in die Nässe,
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Daß es knistert und erlischt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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