17.

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Heinrich Heine: 17. (1826)

1
Im Traume war ich wieder jung und munter –
2
Es war das Landhaus hoch am Bergesrand,
3
Wettlaufend lief ich dort den Pfad hinunter,
4
Wettlaufend mit Ottilien Hand in Hand.

5
Wie das Persönchen fein formiert! Die süßen
6
Meergrünen Augen zwinkern nixenhaft.
7
Sie steht so fest auf ihren kleinen Füßen,
8
Ein Bild von Zierlichkeit, vereint mit Kraft.

9
Der Ton der Stimme ist so treu und innig,
10
Man glaubt zu schaun bis in der Seele Grund;
11
Und alles, was sie spricht, ist klug und sinnig;
12
Wie eine Rosenknospe ist der Mund.

13
Es ist nicht Liebesweh, was mich beschleichet,
14
Ich schwärme nicht, ich bleibe bei Verstand; –
15
Doch wunderbar ihr Wesen mich erweichet,
16
Und heimlich bebend küß ich ihre Hand.

17
Ich glaub, am Ende brach ich eine Lilie,
18
Die gab ich ihr und sprach ganz laut dabei:
19
»heirate mich und sei mein Weib, Ottilie,
20
Damit ich fromm wie du und glücklich sei.«

21
Was sie zur Antwort gab, das weiß ich nimmer,
22
Denn ich erwachte jählings – und ich war
23
Wieder ein Kranker, der im Krankenzimmer
24
Trostlos daniederliegt seit manchem Jahr. – –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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