16.

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Heinrich Heine: 16. (1826)

1
Gelegt hat sich der starke Wind,
2
Und wieder stille wird's daheime;
3
Germania, das große Kind,
4
Erfreut sich wieder seiner Weihnachtsbäume.

5
Wir treiben jetzt Familienglück –
6
Was höher lockt, das ist vom Übel –
7
Die Friedensschwalbe kehrt zurück,
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Die einst genistet in des Hauses Giebel.

9
Gemütlich ruhen Wald und Fluß,
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Von sanftem Mondlicht übergossen;
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Nur manchmal knallt's – Ist das ein Schuß? –
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Es ist vielleicht ein Freund, den man erschossen.

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Vielleicht mit Waffen in der Hand
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Hat man den Tollkopf angetroffen
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(nicht jeder hat soviel Verstand
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Wie Flaccus, der so kühn davongeloffen).

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Es knallt. Es ist ein Fest vielleicht,
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Ein Feuerwerk zur Goethefeier! –
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Die Sontag, die dem Grab entsteigt,
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Begrüßt Raketenlärm – die alte Leier.

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Auch Liszt taucht wieder auf, der Franz,
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Er lebt, er liegt nicht blutgerötet
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Auf einem Schlachtfeld Ungarlands;
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Kein Russe noch Kroat' hat ihn getötet.

25
Es fiel der Freiheit letzte Schanz',
26
Und Ungarn blutet sich zu Tode –
27
Doch unversehrt blieb Ritter Franz,
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Sein Säbel auch – er liegt in der Kommode.

29
Er lebt, der Franz, und wird als Greis
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Vom Ungarkriege Wunderdinge
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Erzählen in der Enkel Kreis –
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»so lag ich und so führt ich meine Klinge!«

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Wenn ich den Namen Ungarn hör,
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Wird mir das deutsche Wams zu enge,
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Es braust darunter wie ein Meer,
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Mir ist, als grüßten mich Trompetenklänge!

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Es klirrt mir wieder im Gemüt
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Die Heldensage, längst verklungen,
39
Das eisern wilde Kämpenlied –
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Das Lied vom Untergang der Nibelungen.

41
Es ist dasselbe Heldenlos,
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Es sind dieselben alten Mären,
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Die Namen sind verändert bloß,
44
Doch sind's dieselben »Helden lobebären«.

45
Es ist dasselbe Schicksal auch –
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Wie stolz und frei die Fahnen fliegen,
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Es muß der Held, nach altem Brauch,
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Den tierisch rohen Mächten unterliegen.

49
Und diesmal hat der Ochse gar
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Mit Bären einen Bund geschlossen –
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Du fällst; doch tröste dich, Magyar,
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Wir andre haben schlimmre Schmach genossen.

53
Anständ'ge Bestien sind es doch,
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Die ganz honett dich überwunden;
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Doch wir geraten in das Joch
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Von Wölfen, Schweinen und gemeinen Hunden.

57
Das heult und bellt und grunzt – ich kann
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Ertragen kaum den Duft der Sieger.
59
Doch still, Poet, das greift dich an –
60
Du bist so krank, und schweigen wäre klüger.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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