2.

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Heinrich Heine: 2. (1826)

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Nach des Kampfes Schreckenstag,
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Kommt die Spuknacht des Triumphes;
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Hunderttausend Freudenlampen
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Lodern auf in Mexiko.

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Hunderttausend Freudenlampen,
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Waldharzfackeln, Pechkranzfeuer,
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Werfen grell ihr Tageslicht
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Auf Paläste, Götterhallen,

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Gildenhäuser und zumal
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Auf den Tempel Vitzliputzlis,
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Götzenburg von rotem Backstein,
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Seltsam mahnend an ägyptisch,

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Babylonisch und assyrisch
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Kolossalen Bauwerkmonstren,
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Die wir schauen auf den Bildern
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Unsers Briten Henri Martin.

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Ja, das sind dieselben breiten
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Rampentreppen, also breit,
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Daß dort auf und nieder wallen
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Viele tausend Mexikaner,

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Während auf den Stufen lagern
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Rottenweis die wilden Krieger,
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Welche lustig bankettieren,
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Hochberauscht von Sieg und Palmwein.

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Diese Rampentreppen leiten,
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Wie ein Zickzack, nach der Plattform,
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Einem balustradenart'gen
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Ungeheuern Tempeldach.

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Dort auf seinem Thronaltar
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Sitzt der große Vitzliputzli,
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Mexikos blutdürst'ger Kriegsgott.
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Ist ein böses Ungetüm,

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Doch sein Äußres ist so putzig,
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So verschnörkelt und so kindisch,
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Daß er trotz des innern Grausens
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Dennoch unsre Lachlust kitzelt –

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Und bei seinem Anblick denken
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Wir zu gleicher Zeit etwa
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An den blassen Tod von Basel
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Und an Brüssels Mankepiß.

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An des Gottes Seite stehen
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Rechts die Laien, links die Pfaffen;
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Im Ornat von bunten Federn
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Spreizt sich heut die Klerisei.

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Auf des Altars Marmorstufen
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Hockt ein hundertjährig Männlein,
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Ohne Haar an Kinn und Schädel;
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Trägt ein scharlach Kamisölchen.

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Dieses ist der Opferpriester,
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Und er wetzet seine Messer,
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Wetzt sie lächelnd, und er schielet
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Manchmal nach dem Gott hinauf.

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Vitzliputzli scheint den Blick
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Seines Dieners zu verstehen,
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Zwinkert mit den Augenwimpern
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Und bewegt sogar die Lippen.

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Auf des Altars Stufen kauern
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Auch die Tempelmusici,
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Paukenschläger, Kuhhornbläser –
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Ein Gerassel und Getute –

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Ein Gerassel und Getute,
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Und es stimmet ein des Chores
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Mexikanisches Tedeum –
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Ein Miaulen wie von Katzen –

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Ein Miaulen wie von Katzen,
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Doch von jener großen Sorte,
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Welche Tigerkatzen heißen
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Und statt Mäuse Menschen fressen!

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Wenn der Nachtwind diese Töne
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Hinwirft nach dem Seegestade,
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Wird den Spaniern, die dort lagern,
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Katzenjämmerlich zumute.

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Traurig unter Trauerweiden,
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Stehen diese dort noch immer,
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Und sie starren nach der Stadt,
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Die im dunkeln Seegewässer

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Widerspiegelt, schier verhöhnend,
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Alle Flammen ihrer Freude –
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Stehen dort wie im Parterre
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Eines großen Schauspielhauses,

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Und des Vitzliputzli-Tempels
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Helle Plattform ist die Bühne,
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Wo zur Siegesfeier jetzt
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Ein Mysterium tragiert wird.

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»menschenopfer« heißt das Stück.
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Uralt ist der Stoff, die Fabel;
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In der christlichen Behandlung
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Ist das Schauspiel nicht so gräßlich.

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Denn dem Blute wurde Rotwein,
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Und dem Leichnam, welcher vorkam,
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Wurde eine harmlos dünne
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Mehlbreispeis' transsubstituieret –

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Diesmal aber, bei den Wilden,
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War der Spaß sehr roh und ernsthaft
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Aufgefaßt: man speiste Fleisch,
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Und das Blut war Menschenblut.

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Diesmal war es gar das Vollblut
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Von Altchristen, das sich nie,
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Nie vermischt hat mit dem Blute
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Der Moresken und der Juden.

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Freu dich, Vitzliputzli, freu dich,
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Heute gibt es Spanierblut,
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Und am warmen Dufte wirst du
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Gierig laben deine Nase.

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Heute werden dir geschlachtet
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Achtzig Spanier, stolze Braten
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Für die Tafel deiner Priester,
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Die sich an dem Fleisch erquicken.

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Denn der Priester ist ein Mensch,
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Und der Mensch, der arme Fresser,
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Kann nicht bloß vom Riechen leben
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Und vom Dufte, wie die Götter.

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Horch! die Todespauke dröhnt schon,
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Und es kreischt das böse Kuhhorn!
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Sie verkünden, daß heraufsteigt
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Jetzt der Zug der Sterbemänner.

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Achtzig Spanier, schmählich nackend,
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Ihre Hände auf dem Rücken
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Festgebunden, schleppt und schleift man
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Hoch hinauf die Tempeltreppe.

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Vor dem Vitzliputzli-Bilde
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Zwingt man sie, das Knie zu beugen
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Und zu tanzen Possentänze,
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Und man zwingt sie durch Torturen,

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Die so grausam und entsetzlich,
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Daß der Angstschrei der Gequälten
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Überheulet das gesamte
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Kannibalencharivari. –

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Armes Publikum am See!
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Cortez und die Kriegsgefährten,
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Sie vernahmen und erkannten
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Ihrer Freunde Angstrufstimmen –

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Auf der Bühne, grellbeleuchtet,
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Sahen sie auch ganz genau
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Die Gestalten und die Mienen –
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Sahn das Messer, sahn das Blut –

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Und sie nahmen ab die Helme
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Von den Häuptern, knieten nieder,
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Stimmten an den Psalm der Toten,
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Und sie sangen: »De profundis!«

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Unter jenen, welche starben,
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War auch Raimond de Mendoza,
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Sohn der schönen Abbatissin,
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Cortez' erste Jugendliebe.

145
Als er auf der Brust des Jünglings
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Jenes Medaillon gewahrte,
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Das der Mutter Bildnis einschloß,
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Weinte Cortez helle Tränen –

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Doch er wischt' sie ab vom Auge
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Mit dem harten Büffelhandschuh,
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Seufzte tief und sang im Chore
152
Mit den andern: »Miserere!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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