1.

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Heinrich Heine: 1. (1826)

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Auf dem Haupt trug er den Lorbeer,
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Und an seinen Stiefeln glänzten
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Goldne Sporen – dennoch war er
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Nicht ein Held und auch kein Ritter.

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Nur ein Räuberhauptmann war er,
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Der ins Buch des Ruhmes einschrieb,
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Mit der eignen frechen Faust,
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Seinen frechen Namen: Cortez.

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Unter des Kolumbus Namen
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Schrieb er ihn, ja dicht darunter,
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Und der Schulbub' auf der Schulbank
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Lernt auswendig beide Namen –

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Nach dem Christoval Kolumbus,
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Nennt er jetzt Fernando Cortez
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Als den zweiten großen Mann
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In dem Pantheon der Neuwelt.

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Heldenschicksals letzte Tücke:
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Unser Name wird verkoppelt
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Mit dem Namen eines Schächers
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In der Menschen Angedenken.

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Wär's nicht besser, ganz verhallen
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Unbekannt, als mit sich schleppen
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Durch die langen Ewigkeiten
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Solche Namenskameradschaft?

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Messer Christoval Kolumbus
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War ein Held, und sein Gemüte,
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Das so lauter wie die Sonne,
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War freigebig auch wie diese.

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Mancher hat schon viel gegeben,
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Aber jener hat der Welt
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Eine ganze Welt geschenket,
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Und sie heißt Amerika.

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Nicht befreien konnt er uns
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Aus dem öden Erdenkerker,
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Doch er wußt ihn zu erweitern
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Und die Kette zu verlängern.

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Dankbar huldigt ihm die Menschheit,
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Die nicht bloß europamüde,
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Sondern Afrikas und Asiens
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Endlich gleichfalls müde worden – –

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Einer nur, ein einz'ger Held,
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Gab uns mehr und gab uns Beßres
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Als Kolumbus, das ist jener,
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Der uns einen Gott gegeben.

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Sein Herr Vater, der hieß Amram,
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Seine Mutter hieß Jochebeth,
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Und er selber, Moses heißt er,
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Und er ist mein bester Heros.

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Doch, mein Pegasus, du weilest
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Viel zu lang bei dem Kolumbus –
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Wisse, unser heut'ger Flugritt
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Gilt dem g'ringern Mann, dem Cortez.

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Breite aus den bunten Fittich,
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Flügelroß! und trage mich
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Nach der Neuwelt schönem Lande,
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Welches Mexiko geheißen.

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Trage mich nach jener Burg,
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Die der König Montezuma
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Gastlich seinen span'schen Gästen
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Angewiesen zur Behausung.

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Doch nicht Obdach bloß und Atzung,
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In verschwenderischer Fülle,
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Gab der Fürst den fremden Strolchen –
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Auch Geschenke reich und prächtig,

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Kostbarkeiten klug gedrechselt,
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Von massivem Gold, Juwelen,
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Zeugten glänzend von der Huld
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Und der Großmut des Monarchen.

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Dieser unzivilisierte,
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Abergläubisch blinde Heide
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Glaubte noch an Treu' und Ehre
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Und an Heiligkeit des Gastrechts.

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Er willfahrte dem Gesuche,
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Beizuwohnen einem Feste,
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Das in ihrer Burg die Spanier
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Ihm zu Ehren geben wollten –

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Und mit seinem Hofgesinde,
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Arglos, huldreich, kam der König
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In das spanische Quartier,
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Wo Fanfaren ihn begrüßten.

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Wie das Festspiel war betitelt,
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Weiß ich nicht. Es hieß vielleicht:
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»span'sche Treue!«, doch der Autor
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Nannt sich Don Fernando Cortez.

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Dieser gab das Stichwort – plötzlich
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Ward der König überfallen,
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Und man band ihn und behielt ihn
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In der Burg als eine Geisel.

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Aber Montezuma starb,
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Und da war der Damm gebrochen,
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Der die kecken Abenteurer
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Schützte vor dem Zorn des Volkes.

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Schrecklich jetzt begann die Brandung –
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Wie ein wild empörtes Meer
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Tosten, rasten immer näher
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Die erzürnten Menschenwellen.

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Tapfer schlugen zwar die Spanier
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Jeden Sturm zurück. Doch täglich
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Ward berennt die Burg aufs neue,
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Und ermüdend war das Kampfspiel.

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Nach dem Tod des Königs stockte
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Auch der Lebensmittel Zufuhr;
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Kürzer wurden die Rationen,
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Die Gesichter wurden länger.

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Und mit langen Angesichtern
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Sahn sich an Hispaniens Söhne,
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Und sie seufzten und sie dachten
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An die traute Christenheimat,

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An das teure Vaterland,
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Wo die frommen Glocken läuten
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Und am Herde friedlich brodelt
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Eine Ollea Potrida,

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Dick verschmoret mit Garbanzos,
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Unter welchen, schalkhaft duftend,
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Auch wohl kichernd, sich verbergen
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Die geliebten Knoblauchwürstchen.

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Einen Kriegsrat hielt der Feldherr,
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Und der Rückzug ward beschlossen;
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In der nächsten Tagesfrühe
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Soll das Heer die Stadt verlassen.

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Leicht gelang's hineinzukommen
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Einst durch List dem klugen Cortez,
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Doch die Rückkehr nach dem Festland
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Bot fatale Schwierigkeiten.

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Mexiko, die Inselstadt,
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Liegt in einem großen See,
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In der Mitte, flutumrauscht:
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Eine stolze Wasserfestung,

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Mit dem Uferland verkehrend
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Nur durch Schiffe, Flöße, Brücken,
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Die auf Riesenpfählen ruhen;
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Kleine Inseln bilden Furten.

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Noch bevor die Sonne aufging,
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Setzten sich in Marsch die Spanier;
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Keine Trommel ward gerühret,
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Kein Trompeter blies Reveille.

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Wollten ihre Wirte nicht
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Aus dem süßen Schlafe wecken –
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(hunderttausend Indianer
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Lagerten in Mexiko).

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Doch der Spanier machte diesmal
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Ohne seinen Wirt die Rechnung;
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Noch frühzeit'ger aufgestanden
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Waren heut die Mexikaner.

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Auf den Brücken, auf den Flößen,
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Auf den Furten harrten sie,
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Um den Abschiedstrunk alldorten
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Ihren Gästen zu kredenzen.

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Auf den Brücken, Flößen, Furten,
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Hei! da gab's ein toll Gelage!
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Rot in Strömen floß das Blut,
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Und die kecken Zecher rangen –

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Rangen Leib an Leib gepreßt,
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Und wir sehn auf mancher nackten
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Indianerbrust den Abdruck
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Span'scher Rüstungsarabesken.

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Ein Erdrosseln war's, ein Würgen,
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Ein Gemetzel, das sich langsam,
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Schaurig langsam, weiterwälzte,
160
Über Brücken, Flöße, Furten.

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Die Indianer sangen, brüllten,
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Doch die Spanier fochten schweigend;
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Mußten Schritt für Schritt erobern
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Einen Boden für die Flucht.

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In gedrängten Engpaßkämpfen
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Boten g'ringen Vorteil heute
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Alteuropas strenge Kriegskunst,
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Feuerschlünde, Harnisch, Pferde.

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Viele Spanier waren gleichfalls
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Schwer bepackt mit jenem Golde,
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Das sie jüngst erpreßt, erbeutet –
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Ach, die gelbe Sündenlast

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Lähmte, hemmte sie im Kampfe,
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Und das teuflische Metall
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Ward nicht bloß der armen Seele,
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Sondern auch dem Leib verderblich.

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Mittlerweile ward der See
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Ganz bedeckt von Kähnen, Barken;
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Schützen saßen drin und schossen
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Nach den Brücken, Flößen, Furten.

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Trafen freilich im Getümmel
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Viele ihrer eignen Brüder,
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Doch sie trafen auch gar manchen
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Hochvortrefflichen Hidalgo.

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Auf der dritten Brücke fiel
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Junker Gaston, der an jenem
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Tag die Fahne trug, worauf
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Konterfeit die heil'ge Jungfrau.

189
Dieses Bildnis selber trafen
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Die Geschosse der Indianer;
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Sechs Geschosse blieben stecken
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Just im Herzen – blanke Pfeile,

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Ähnlich jenen güldnen Schwertern,
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Die der Mater dolorosa
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Schmerzenreiche Brust durchbohren
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Bei Karfreitagsprozessionen.

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Sterbend übergab Don Gaston
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Seine Fahne dem Gonzalvo,
199
Der zu Tod getroffen gleichfalls
200
Bald dahinsank. – Jetzt ergriff

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Cortez selbst das teure Banner,
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Er, der Feldherr, und er trug es
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Hoch zu Roß bis gegen Abend,
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Wo die Schlacht ein Ende nahm.

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Hundertsechzig Spanier fanden
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Ihren Tod an jenem Tage;
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Über achtzig fielen lebend
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In die Hände der Indianer.

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Schwer verwundet wurden viele,
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Die erst später unterlagen.
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Schier ein Dutzend Pferde wurde
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Teils getötet, teils erbeutet.

213
Gegen Abend erst erreichten
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Cortez und sein Herr das sichre
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Uferland, ein Seegestade,
216
Karg bepflanzt mit Trauerweiden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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