1.

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Heinrich Heine: 1. (1826)

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Goldne Menschen, Silbermenschen!
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Spricht ein Lump von einem Toman,
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Ist die Rede nur von Silber,
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Ist gemeint ein Silbertoman.

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Doch im Munde eines Fürsten,
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Eines Schaches, ist ein Toman
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Gülden stets; ein Schach empfängt
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Und er gibt nur goldne Toman.

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Also denken brave Leute,
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Also dachte auch Firdusi,
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Der Verfasser des berühmten
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Und vergötterten »Schach Nameh«.

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Dieses große Heldenlied
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Schrieb er auf Geheiß des Schaches,
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Der für jeden seiner Verse
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Einen Toman ihm versprochen.

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Siebzehnmal die Rose blühte,
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Siebzehnmal ist sie verwelket,
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Und die Nachtigall besang sie
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Und verstummte siebzehnmal –

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Unterdessen saß der Dichter
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An dem Webstuhl des Gedankens,
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Tag und Nacht, und webte emsig
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Seines Liedes Riesenteppich –

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Riesenteppich, wo der Dichter
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Wunderbar hineingewebt
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Seiner Heimat Fabelchronik,
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Farsistans uralte Kön'ge,

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Lieblingshelden seines Volkes,
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Rittertaten, Aventüren,
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Zauberwesen und Dämonen,
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Keck umrankt von Märchenblumen –

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Alles blühend und lebendig,
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Farbenglänzend, glühend, brennend,
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Und wie himmlisch angestrahlt
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Von dem heil'gen Lichte Irans,

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Von dem göttlich reinen Urlicht,
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Dessen letzter Feuertempel,
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Trotz dem Koran und dem Mufti,
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In des Dichters Herzen flammte.

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Als vollendet war das Lied,
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Überschickte seinem Gönner
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Der Poet das Manuskript,
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Zweimalhunderttausend Verse.

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In der Badestube war es,
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In der Badestub' zu Gasna,
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Wo des Schaches schwarze Boten
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Den Firdusi angetroffen –

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Jeder schleppte einen Geldsack,
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Den er zu des Dichters Füßen
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Kniend legte, als den hohen
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Ehrensold für seine Dichtung.

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Der Poet riß auf die Säcke
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Hastig, um am lang entbehrten
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Goldesanblick sich zu laben –
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Da gewahrt' er mit Bestürzung,

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Daß der Inhalt dieser Säcke
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Bleiches Silber, Silbertomans,
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Zweimalhunderttausend etwa –
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Und der Dichter lachte bitter.

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Bitter lachend hat er jene
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Summe abgeteilt in drei
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Gleiche Teile, und jedwedem
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Von den beiden schwarzen Boten

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Schenkte er als Botenlohn
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Solch ein Drittel, und das dritte
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Gab er einem Badeknechte,
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Der sein Bad besorgt, als Trinkgeld.

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Seinen Wanderstab ergriff er
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Jetzo und verließ die Hauptstadt;
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Vor dem Tor hat er den Staub
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Abgefegt von seinen Schuhen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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