Himmelsbräute

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Heinrich Heine: Himmelsbräute (1826)

1
Wer dem Kloster geht vorbei
2
Mitternächtlich, sieht die Fenster
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Hell erleuchtet. Ihren Umgang
4
Halten dorten die Gespenster.

5
Eine düstre Prozession
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Toter Ursulinerinnen;
7
Junge, hübsche Angesichter
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Lauschen aus Kapuz' und Linnen.

9
Tragen Kerzen in der Hand,
10
Die unheimlich blutrot schimmern;
11
Seltsam widerhallt im Kreuzgang
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Ein Gewisper und ein Wimmern.

13
Nach der Kirche geht der Zug,
14
Und sie setzen dort sich nieder
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Auf des Chores Buchsbaumstühle
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Und beginnen ihre Lieder.

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Litaneienfromme Weisen,
18
Aber wahnsinnwüste Worte;
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Arme Seelen sind es, welche
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Pochen an des Himmels Pforte.

21
»bräute Christi waren wir,
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Doch die Weltlust uns betörte,
23
Und da gaben wir dem Cäsar,
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Was dem lieben Gott gehörte.

25
Reizend ist die Uniform
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Und des Schnurrbarts Glanz und Glätte;
27
Doch verlockend sind am meisten
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Cäsars goldne Epaulette.

29
Ach, der Stirne, welche trug
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Eine Dornenkrone weiland,
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Gaben wir ein Hirschgeweihe –
32
Wir betrogen unsern Heiland.

33
Jesus, der die Güte selbst,
34
Weinte sanft ob unsrer Fehle,
35
Und er sprach: ›Vermaledeit
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Und verdammt sei eure Seele!‹

37
Grabenstiegner Spuk der Nacht,
38
Müssen büßend wir nunmehre
39
Irregehn in diesen Mauern –
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Miserere! Miserere!

41
Ach, im Grabe ist es gut,
42
Ob es gleich viel besser wäre
43
In dem warmen Himmelreiche –
44
Miserere! Miserere!

45
Süßer Jesus, o vergib
46
Endlich uns die Schuld, die schwere,
47
Schließ uns auf den warmen Himmel –
48
Miserere! Miserere!«

49
Also singt die Nonnenschar,
50
Und ein längst verstorbner Küster
51
Spielt die Orgel. Schattenhände
52
Stürmen toll durch die Register.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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