Der weiße Elefant

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Heinrich Heine: Der weiße Elefant (1826)

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Der König von Siam, Mahawasant,
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Beherrscht das halbe Indienland,
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Zwölf Kön'ge, der große Mogul sogar,
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Sind seinem Zepter tributar.

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Alljährlich mit Trommeln, Posaunen und Fahnen
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Ziehen nach Siam die Zinskarawanen;
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Viel tausend Kamele, hochberuckte,
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Schleppen die kostbarsten Landesprodukte.

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Sieht er die schwerbepackten Kamele,
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So schmunzelt heimlich des Königs Seele;
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Öffentlich freilich pflegt er zu jammern,
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Es fehle an Raum in seinen Schatzkammern.

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Doch diese Schatzkammern sind so weit,
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So groß und voller Herrlichkeit;
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Hier überflügelt der Wirklichkeit Pracht
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Die Märchen von Tausendundeine Nacht.

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»die Burg des Indra« heißt die Halle,
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Wo aufgestellt die Götter alle,
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Bildsäulen von Gold, fein ziselieret,
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Mit Edelsteinen inkrustieret.

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Sind an der Zahl wohl dreißigtausend,
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Figuren abenteuerlich grausend,
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Mischlinge von Menschen- und Tiergeschöpfen,
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Mit vielen Händen und vielen Köpfen.

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Im »Purpursaale« sieht man verwundert
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Korallenbäume dreizehnhundert,
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Wie Palmen groß, seltsamer Gestalt,
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Geschnörkelt die Äste, ein roter Wald.

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Das Estrich ist vom reinsten Kristalle
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Und widerspiegelt die Bäume alle.
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Fasanen vom buntesten Glanzgefieder
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Gehn gravitätisch dort auf und nieder.

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Der Lieblingsaffe des Mahawasant
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Trägt an dem Hals ein seidenes Band,
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Dran hängt der Schlüssel, welcher erschleußt
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Die Halle, die man den Schlafsaal heißt.

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Die Edelsteine vom höchsten Wert,
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Die liegen wie Erbsen hier auf der Erd'
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Hochaufgeschüttet; man findet dabei
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Diamanten so groß wie ein Hühnerei.

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Auf grauen, mit Perlen gefüllten Säcken
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Pflegt hier der König sich hinzustrecken;
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Der Affe legt sich zum Monarchen,
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Und beide schlafen ein und schnarchen.

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Das Kostbarste aber von allen Schätzen
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Des Königs, sein Glück, sein Seelenergötzen,
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Die Lust und der Stolz von Mahawasant,
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Das ist sein weißer Elefant.

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Als Wohnung für diesen erhabenen Gast
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Ließ bauen der König den schönsten Palast;
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Es wird das Dach, mit Goldblech beschlagen,
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Von lotosknäufigen Säulen getragen.

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Am Tore stehen dreihundert Trabanten
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Als Ehrenwache des Elefanten,
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Und kniend, mit gekrümmtem Rucken,
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Bedienen ihn hundert schwarze Eunucken.

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Man bringt auf einer güldnen Schüssel
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Die leckersten Bissen für seinen Rüssel;
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Er schlürft aus silbernen Eimern den Wein,
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Gewürzt mit den süßesten Spezerein.

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Man salbt ihn mir Ambra und Rosenessenzen,
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Man schmückt sein Haupt mit Blumenkränzen;
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Als Fußdecke dienen dem edlen Tier
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Die kostbarsten Schals aus Kaschimir.

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Das glücklichste Leben ist ihm beschieden,
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Doch niemand auf Erden ist zufrieden.
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Das edle Tier, man weiß nicht wie,
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Versinkt in tiefe Melancholie.

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Der weiße Melancholikus
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Steht traurig mitten im Überfluß.
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Man will ihn ermuntern, man will ihn erheitern,
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Jedoch die klügsten Versuche scheitern.

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Vergebens kommen mit Springen und Singen
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Die Bajaderen; vergebens erklingen
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Die Zinken und Pauken der Musikanten,
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Doch nichts erlustigt den Elefanten.

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Da täglich sich der Zustand verschlimmert,
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Wird Mahawasantes Herz bekümmert;
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Er läßt vor seines Thrones Stufen
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Den klügsten Astrologen rufen.

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»sterngucker, ich laß dir das Haupt abschlagen«,
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Herrscht er ihn an, »kannst du mir nicht sagen,
83
Was meinem Elefanten fehle,
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Warum so verdüstert seine Seele?«

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Doch jener wirft sich dreimal zur Erde,
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Und endlich spricht er mit ernster Gebärde:
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»o König, ich will dir die Wahrheit verkünden,
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Du kannst dann handeln nach Gutbefinden.

89
Es lebt im Norden ein schönes Weib
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Von hohem Wuchs und weißem Leib,
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Dein Elefant ist herrlich, unleugbar,
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Doch ist er nicht mit ihr vergleichbar.

93
Mit ihr verglichen, erscheint er nur
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Ein weißes Mäuschen. Es mahnt die Statur
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An Bimha, die Riesin, im ›Ramayana‹,
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Und an der Epheser große Diana.

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Wie sich die Gliedermassen wölben
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Zum schönsten Bau! Es tragen dieselben
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Anmutig und stolz zwei hohe Pilaster
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Von blendend weißem Alabaster.

101
Das ist Gott Amors kolossale
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Domkirche, der Liebe Kathedrale;
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Als Lampe brennt im Tabernakel
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Ein Herz, das ohne Falsch und Makel.

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Die Dichter jagen vergebens nach Bildern,
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Um ihre weiße Haut zu schildern;
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Selbst Gautier ist dessen nicht kapabel –
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O diese Weiße ist implacable!

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Des Himalaja Gipfelschnee
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Erscheint aschgrau in ihrer Näh';
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Die Lilie die ihre Hand erfaßt,
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Vergilbt durch Eifersucht oder Kontrast.

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Gräfin Bianka ist der Name
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Von dieser großen weißen Dame;
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Sie wohnt zu Paris im Frankenland,
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Und diese liebt der Elefant.

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Durch wunderbare Wahlverwandtschaft
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Im Traume machte er ihre Bekanntschaft,
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Und träumend in sein Herze stahl
120
Sich dieses hohe Ideal.

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Sehnsucht verzehrt ihn seit jener Stund',
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Und er, der vormals so froh und gesund,
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Er ist ein vierfüßiger Werther geworden,
124
Und träumt von einer Lotte im Norden.

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Geheimnisvolle Sympathie!
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Er sah sie nie und denkt an sie.
127
Er trampelt oft im Mondschein umher
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Und seufzet: ›Wenn ich ein Vöglein wär!‹

129
In Siam ist nur der Leib, die Gedanken
130
Sind bei Bianka im Lande der Franken;
131
Doch diese Trennung von Leib und Seele
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Schwächt sehr den Magen, vertrocknet die Kehle.

133
Die leckersten Braten widern ihn an,
134
Er liebt nur Dampfnudeln und Ossian;
135
Er hüstelt schon, er magert ab,
136
Die Sehnsucht schaufelt sein frühes Grab.

137
Willst du ihn retten, erhalten sein Leben,
138
Der Säugetierwelt ihn wiedergeben,
139
O König, so schicke den hohen Kranken
140
Direkt nach Paris, der Hauptstadt der Franken.

141
Wenn ihn alldort in der Wirklichkeit
142
Der Anblick der schönen Frau erfreut,
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Die seiner Träume Urbild gewesen,
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Dann wird er von seinem Trübsinn genesen.

145
Wo seiner Schönen Augen strahlen,
146
Da schwinden seiner Seele Qualen;
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Ihr Lächeln verscheucht die letzten Schatten,
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Die hier sich eingenistet hatten;

149
Und ihre Stimme, wie 'n Zauberlied,
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Löst sie den Zwiespalt in seinem Gemüt;
151
Froh hebt er wieder die Lappen der Ohren,
152
Er fühlt sich verjüngt, wie neugeboren.

153
Es lebt sich so lieblich, es lebt sich so süß
154
Am Seinestrand, in der Stadt Paris!
155
Wie wird sich dorten zivilisieren
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Dein Elefant und amüsieren!

157
Vor allem aber, o König, lasse
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Ihm reichlich füllen die Reisekasse,
159
Und gib ihm einen Kreditbrief mit
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Auf Rothschild frères in der Rue Lafitte.

161
Ja, einen Kreditbrief von einer Million
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Dukaten etwa; – der Herr Baron
163
Von Rothschild sagt von ihm alsdann:
164
›der Elefant ist ein braver Mann!‹«

165
So sprach der Astrolog, und wieder
166
Warf er sich dreimal zur Erde nieder.
167
Der König entließ ihn mit reichen Geschenken,
168
Und streckte sich aus, um nachzudenken.

169
Er dachte hin, er dachte her;
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Das Denken wird den Königen schwer.
171
Sein Affe sich zu ihm niedersetzt,
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Und beide schlafen ein zuletzt.

173
Was er beschlossen, das kann ich erzählen
174
Erst später; die indischen Mall'posten fehlen.
175
Die letzte, welche uns zugekommen,
176
Die hat den Weg über Suez genommen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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