Nachtgedanken

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Heinrich Heine: Nachtgedanken (1826)

1
Denk ich an Deutschland in der Nacht,
2
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
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Ich kann nicht mehr die Augen schließen.
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Und meine heißen Tränen fließen.

5
Die Jahre kommen und vergehn!
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Seit ich die Mutter nicht gesehn,
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Zwölf Jahre sind schon hingegangen;
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Es wächst mein Sehnen und Verlangen.

9
Mein Sehnen und Verlangen wächst.
10
Die alte Frau hat mich behext,
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Ich denke immer an die alte,
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Die alte Frau, die Gott erhalte!

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Die alte Frau hat mich so lieb,
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Und in den Briefen, die sie schrieb,
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Seh ich, wie ihre Hand gezittert,
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Wie tief das Mutterherz erschüttert.

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Die Mutter liegt mir stets im Sinn.
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Zwölf lange Jahre flossen hin,
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Zwölf lange Jahre sind verflossen,
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Seit ich sie nicht ans Herz geschlossen.

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Deutschland hat ewigen Bestand,
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Es ist ein kerngesundes Land;
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Mit seinen Eichen, seinen Linden,
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Werd ich es immer wiederfinden.

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Nach Deutschland lechzt' ich nicht so sehr,
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Wenn nicht die Mutter dorten wär;
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Das Vaterland wird nie verderben,
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Jedoch die alte Frau kann sterben.

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Seit ich das Land verlassen hab,
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So viele sanken dort ins Grab,
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Die ich geliebt – wenn ich sie zähle,
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So will verbluten meine Seele.

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Und zählen muß ich – Mit der Zahl
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Schwillt immer höher meine Qual,
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Mir ist, als wälzten sich die Leichen
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Auf meine Brust – Gottlob! sie weichen!

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Gottlob! durch meine Fenster bricht
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Französisch heitres Tageslicht;
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Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,
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Und lächelt fort die deutschen Sorgen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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