2.

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Heinrich Heine: 2. (1826)

1
Wir heben nun zu singen an
2
Das Lied von einer Nummer,
3
Die ist geheißen Nummer Drei;
4
Nach Freuden kommt der Kummer.

5
Arabischen Ursprungs war sie zwar,
6
Doch christentümlich frummer
7
In ganz Europa niemand war
8
Wie jene brave Nummer.

9
Sie war ein Muster der Sittlichkeit
10
Und wurde rot wie ein Hummer,
11
Fand sie den Knecht im Bette der Magd;
12
Gab beiden einen Brummer.

13
Des Morgens trank sie den Kaffee
14
Um sieben Uhr im Summer,
15
Im Winter um neun, und in der Nacht
16
Genoß sie den besten Schlummer.

17
Jetzt aber ändert sich der Reim,
18
Und ändern sich die Tage;
19
Es muß die arme Nummer Drei
20
Erdulden Pein und Plage.

21
Da kam ein Schuster und sagte: der Kopf
22
Der Nummer Drei, der sähe
23
Wie eine kleine Sieben aus,
24
Die auf einem Halbmond stehe.

25
Die Sieben sei aber die mystische Zahl
26
Der alten Pythagoreer,
27
Der Halbmond bedeute Dianendienst,
28
Er mahne auch an Sabäer.

29
Sie selber, die Drei, sei Schibboleth
30
Des Oberbonzen von Babel;
31
Durch dessen Buhlschaft sie einst gebar
32
Die heil'ge Dreieinigkeitsfabel.

33
Ein Kürschner bemerkte dagegen: die Drei
34
Sie eine fromme Trulle,
35
Verehrt von unsern Vätern, die einst
36
Geglaubt an jede Schrulle.

37
Da war ein Schneider, der lächelnd sprach,
38
Daß gar nicht existiere
39
Die Nummer Drei, daß sie sich nur
40
Befinde auf dem Papiere.

41
Als solches hörte die arme Drei,
42
Wie eine verzweifelte Ente,
43
Sie wackelte hin, sie wackelte her,
44
Sie jammerte und flennte:

45
»ich bin so alt wie das Meer und der Wald,
46
Wie die Stern', die am Himmel blinken;
47
Sah Reiche entstehn, sah Reiche vergehn
48
Und Völker aufsteigen und sinken.

49
Ich stand am schnurrenden Webstuhl der Zeit
50
Wohl manches lange Jahrtausend;
51
Ich sah der Natur in den schaffenden Bauch,
52
Das wogte brausend und sausend.

53
Und dennoch widerstand ich dem Sturm
54
Der sinnlich dunkeln Gewalten –
55
Ich habe meine Jungferschaft
56
In all dem Spektakel behalten.

57
Was hilft mir meine Tugend jetzt?
58
Mich höhnen Weise und Toren;
59
Die Welt ist schlecht und ungerecht,
60
Läßt niemand ungeschoren.

61
Doch tröste dich, mein Herz, dir blieb
62
Dein Lieben, Hoffen, Glauben,
63
Auch guter Kaffee und ein Schlückchen Rum,
64
Das kann keine Skepsis mir rauben.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.