3.

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Heinrich Heine: 3. (1826)

1
Der Ritter Tannhäuser, er wandelt so rasch,
2
Die Füße, die wurden ihm wunde.
3
Er kam zurück in den Venusberg
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Wohl um die Mitternachtstunde.

5
Frau Venus erwachte aus dem Schlaf,
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Ist schnell aus dem Bette gesprungen;
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Sie hat mit ihrem weißen Arm
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Den geliebten Mann umschlungen.

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Aus ihrer Nase rann das Blut,
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Den Augen die Tränen entflossen;
11
Sie hat mit Tränen und Blut das Gesicht
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Des geliebten Mannes begossen.

13
Der Ritter legte sich ins Bett,
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Er hat kein Wort gesprochen.
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Frau Venus in die Küche ging,
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Um ihm eine Suppe zu kochen.

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Sie gab ihm Suppe, sie gab ihm Brot,
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Sie wusch seine wunden Füße,
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Sie kämmte ihm das struppige Haar,
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Und lachte dabei so süße.

21
»tannhäuser, edler Ritter mein,
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Bist lange ausgeblieben,
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Sag an, in welchen Landen du dich
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So lange herumgetrieben?«

25
»frau Venus, meine schöne Frau,
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Ich hab in Welschland verweilet;
27
Ich hatte Geschäfte in Rom und bin
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Schnell wieder hierher geeilet.

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Auf sieben Hügeln ist Rom gebaut,
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Die Tiber tut dorten fließen;
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Auch hab ich in Rom den Papst gesehn,
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Der Papst, er läßt dich grüßen.

33
Auf meinem Rückweg sah ich Florenz,
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Bin auch durch Mailand gekommen,
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Und bin alsdann mit raschem Mut
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Die Schweiz hinaufgeklommen.

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Und als ich über die Alpen zog,
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Da fing es an zu schneien,
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Die blauen Seen, die lachten mich an,
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Die Adler krächzen und schreien.

41
Und als ich auf dem Sankt Gotthard stand,
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Da hört ich Deutschland schnarchen;
43
Es schlief da unten in sanfter Hut
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Von sechsunddreißig Monarchen.

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In Schwaben besah ich die Dichterschul',
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Gar liebe Geschöpfchen und Tröpfchen!
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Auf kleinen Kackstühlchen saßen sie dort,
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Fallhütchen auf den Köpfchen.

49
Zu Frankfurt kam ich am Schabbes an,
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Und aß dort Schalet und Klöße;
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Ihr habt die beste Religion,
52
Auch lieb ich das Gänsegekröse.

53
In Dresden sah ich einen Hund,
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Der einst gehört zu den Bessern,
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Doch fallen ihm jetzt die Zähne aus,
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Er kann nur bellen und wässern.

57
Zu Weimar, dem Musenwitwensitz,
58
Da hört ich viel Klagen erheben,
59
Man weinte und jammerte: Goethe sei tot,
60
Und Eckermann sei noch am Leben!

61
Zu Potsdam vernahm ich ein lautes Geschrei –
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›was gibt es?‹ rief ich verwundert.
63
›das ist der Gans in Berlin, der liest
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Dort über das letzte Jahrhundert.‹

65
Zu Göttingen blüht die Wissenschaft,
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Doch bringt sie keine Früchte.
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Ich kam dort durch in stockfinstrer Nacht,
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Sah nirgendswo ein Lichte.

69
Zu Celle im Zuchthaus sah ich nur
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Hannoveraner – O Deutsche!
71
Uns fehlt ein Nationalzuchthaus
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Und eine gemeinsame Peitsche!

73
Zu Hamburg frug ich: warum so sehr
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Die Straßen stinken täten?
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Doch Juden und Christen versicherten mir,
76
Das käme von den Fleeten.

77
Zu Hamburg, in der guten Stadt,
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Wohnt mancher schlechte Geselle;
79
Und als ich auf die Börse kam,
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Ich glaubte, ich wär noch in Celle.

81
Zu Hamburg sah ich Altona,
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Ist auch eine schöne Gegend;
83
Ein andermal erzähl ich dir,
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Was mir alldort begegent.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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