9.

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Heinrich Heine: 9. (1826)

1
Glücklich der Mann, der den Hafen erreicht hat,
2
Und hinter sich ließ das Meer und die Stürme,
3
Und jetzo warm und ruhig sitzt
4
Im guten Ratskeller zu Bremen.

5
Wie doch die Welt so traulich und lieblich
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Im Römerglas sich widerspiegelt,
7
Und wie der wogende Mikrokosmus
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Sonnig hinabfließt ins durstige Herz!
9
Alles erblick ich im Glas,
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Alte und neue Völkergeschichte,
11
Türken und Griechen, Hegel und Gans,
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Zitronenwälder und Wachtparaden,
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Berlin und Schilda und Tunis und Hamburg,
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Vor allem aber das Bild der Geliebten,
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Das Engelköpfchen auf Rheinweingoldgrund.

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Oh, wie schön! wie schön bist du, Geliebte!
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Du bist wie eine Rose!
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Nicht wie die Rose von Schiras,
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Die hafisbesungene Nachtigallbraut;
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Nicht wie die Rose von Saron,
21
Die heiligrote, prophetengefeierte; –
22
Du bist wie die Ros' im Ratskeller zu Bremen!
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Das ist die Rose der Rosen,
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Je älter sie wird, je lieblicher blüht sie,
25
Und ihr himmlischer Duft, er hat mich beseligt,
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Er hat mich begeistert, er hat mich berauscht,
27
Und hielt mich nicht fest, am Schopfe fest,
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Der Ratskellermeister von Bremen,
29
Ich wäre gepurzelt!

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Der brave Mann! wir saßen beisammen
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Und tranken wie Brüder,
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Wir sprachen von hohen, heimlichen Dingen,
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Wir seufzten und sanken uns in die Arme,
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Und er hat mich bekehrt zum Glauben der Liebe –
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Ich trank auf das Wohl meiner bittersten Feinde,
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Und allen schlechten Poeten vergab ich,
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Wie einst mir selber vergeben soll werden –
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Ich weinte vor Andacht, und endlich
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Erschlossen sich mir die Pforten des Heils,
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Wo die zwölf Apostel, die heil'gen Stückfässer,
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Schweigend pred'gen, und doch so verständlich
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Für alle Völker.

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Das sind Männer!
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Unscheinbar von außen, in hölzernen Röcklein,
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Sind sie von innen schöner und leuchtender
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Denn all die stolzen Leviten des Tempels
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Und des Herodes Trabanten und Höflinge,
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Die goldgeschmückten, die purpurgekleideten –
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Hab ich doch immer gesagt,
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Nicht unter ganz gemeinen Leuten,
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Nein, in der allerbesten Gesellschaft
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Lebte beständig der König des Himmels!

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Halleluja! Wie lieblich umwehen mich
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Die Palmen von Beth-El!
55
Wie duften die Myrrhen von Hebron!
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Wie rauscht der Jordan und taumelt vor Freude! –
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Auch meine unsterbliche Seele taumelt,
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Und ich taumle mit ihr, und taumelnd
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Bringt mich die Treppe hinauf, ans Tagslicht,
60
Der brave Ratskellermeister von Bremen.

61
Du braver Ratskellermeister von Bremen!
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Siehst du, auf den Dächern der Häuser sitzen
63
Die Engel und sind betrunken und singen;
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Die glühende Sonne dort oben
65
Ist nur eine rote, betrunkene Nase,
66
Die Nase des Weltgeists;
67
Und um die rote Weltgeistnase
68
Dreht sich die ganze betrunkene Welt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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